Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2010 > 100427

Erweiterter Diabetes-Risikotest könnte hausärztliche Vorsorgeuntersuchung verbessern

Gezielte Prävention des Typ-2-Diabetes vermindert persönliches Leid und Kosten

Deutsche Diabetesforscher schlagen vor, den durch den Einschluss einer Blutzuckeruntersuchung erweiterten Deutschen Diabetes-Risiko-Test in das bestehende System der hausrztlichen Vorsorgeuntersuchungen einzubinden und gleichzeitig zur quantitativen Erfolgskontrolle von Prventions- und Therapiemanahmen zu nutzen. Die Diabetologen um Hans-Georg Joost, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts fr Ernhrungsforschung (DIfE) und Vorstand Wissenschaft von diabetesDE, verffentlichten krzlich ihren Vorschlag als Diskussionsbeitrag im Deutschen rzteblatt, Heft 13, 2010.

Etwa 90 Prozent der Diabetiker leiden an einem Typ-2-Diabetes, der landlufig auch als Alterszucker bekannt ist. Die Krankheit beginnt schleichend, so dass sie oftmals viel zu spt erkannt wird - nmlich erst dann, wenn bereits Endorganschden vorhanden sind. Zu den schweren Sptfolgen zhlen Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Niereninsuffizienz und der Verlust von Gliedmaen durch Amputation.

Durch rechtzeitig angewandte, gezielte prventive oder therapeutische Manahmen lieen sich die Erkrankung und damit auch schwere Folgeschden verhindern oder zumindest hinauszgern. Menschen mit einem erhhten Diabetes-Risiko oder einem Diabetes im Frhstadium zu identifizieren, knnte daher wesentlich dazu beitragen, viel persnliches Leid zu verhindern.

Eine Prvention an unzureichend definierten Risikopersonen halten die Diabetologen um Hans-Georg Joost jedoch fr wenig sinnvoll und auch zu teuer. Stattdessen fordern sie eine rztliche, am individuellen Risikoprofil ausgerichtete Indikationsstellung. Dabei sollte das individuelle Risikoprofil mglichst exakt bestimmt sein.

"Die Anwendung des Deutschen Diabetes-Risiko-Tests in Kombination mit einer einfachen Blutzuckeruntersuchung wrde es Allgemeinmedizinern erlauben, das Risikoprofil einer Person ab dem 35. Lebensjahr einfach, kostengnstig und dennoch sehr przise zu bestimmen", sagt Hans-Georg Joost. Prventionsmanahmen lieen sich so sinnvoll auf die Gruppe der Hochrisikopersonen begrenzen. Ebenso sei der Test fr eine anschlieende, quantitative Erfolgskontrolle nutzbar.

Derzeit beinhaltet der kostenlose Gesundheits-Check-up fr gesetzlich versicherte Frauen und Mnner ab 35 Jahren neben einer Untersuchung zum Ganzkrperstatus auch Laboruntersuchungen inklusive einer berprfung des Blutzuckers. Ein zustzliches Einbeziehen des Deutschen Diabetes-Risiko-Tests als PC-Applikation oder Papierversion knne also hinsichtlich des Diabetes-Risikos ohne greren Aufwand ein objektives Gesamtergebnis liefern und damit die rztliche Entscheidung untersttzen, so Joost.

Dafr dass eine Diabetes-Reihenuntersuchung unter Zuhilfenahme einer Blutzuckeruntersuchung auch bezahlbar sein kann, spricht eine krzlich im Lancet (2010; DOI:10.1016/S0140-6736(09)62162-0) erschienene Studie. Wie diese zeigt, ist ein auf einer Blutzuckeruntersuchung basiertes Diabetes-Screening zumindest in den USA in der Altersgruppe zwischen 30 und 45 Jahren wirtschaftlich vertretbar.

Hintergrundinformation zum erweiterten Deutschen Diabetes Risikotest finden Sie im Internet unter: http://www.dife.de/de/index.php?request=/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen.php.
Siehe Pressemitteilung vom: 01.09.2009; Blutwerte machen die Bestimmung des Diabetesrisikos noch prziser - genetische Marker tun dies nicht.

Quellen

  • Schulze MB, Weikert C, Pischon T, Bergmann MM, Al-Hasani H, Schleicher E, Fritsche A, Hring HU, Boeing H, Joost HG. Use of multiple metabolic and genetic markers to improve the prediction of type-2-diabetes: the EPIC-Potsdam Study. Diabetes Care; 2009 Nov;32(11):2116-9.
  • Schulze MB, Hoffmann K, Boeing H, Linseisen J, Rohrmann S, Mhlig M, Pfeiffer AF, Spranger J, Thamer C, Hring HU, Fritsche A, Joost HG. Anaccurate risk score based on anthropometric, dietary, and lifestyle factors to predict the development of type-2-diabetes. Diabetes Care; 2007 Mar;30(3):510-5.
  • Kahn R, Alperin P, Eddy D, et al. Age at initiation and frequency of screening to detect type-2-diabetes: a cost-eff ectiveness analysis. Lancet 2010; published online March 30. DOI:10.1016/S0140-6736(09)62162-0.

Link zum Deutschen Diabetes-Risiko-Test (Online-Version): http://drs.dife.de/.
Link zum Deutschen Diabetes-Risiko-Test (Fragebogen): http://www.dife.de/de/presse/DiabetesTestFragebogen.pdf.

zuletzt bearbeitet: 27.04.2010 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Professor Dr. Peter Bottermann

Prof. Peter Bottermann

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.