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Neue Diabetesmedikamente könnten Typ-2-Patienten helfen, Insulin und Kalorien zu sparen

Den Blutzucker über die Niere regeln

Eine vllig neuartige Gruppe von Diabetesmedikamenten ahmt eine seltene genetische Strung nach: Dabei wird der Blutzucker ber die Nieren ausgeschieden, ohne dass es zur Unterzuckerung kommt. Die neuen Wirkstoffe knnten bergewichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes nutzen, da mit dem Blutzucker auch Kalorien verloren gehen. Welchen Stellenwert diese Medikamente einnehmen werden und ob die Therapie langfristig sicher ist, lsst sich nach Auskunft eines Experten aber noch nicht absehen. Auf der 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft vom 12. bis 15. Mai 2010 in Stuttgart diskutieren Wissenschaftler in mehreren Symposien ber die neuen Medikamente.

Beim gesunden Menschen verhindern unzhlige kleine Pumpen in den Nierenkanlchen, dass der Blutzucker mit dem Harn ausgeschieden wird und dem Krper als wertvoller Rohstoff verloren geht. Bei Diabetikern ist der Rohstoff bekanntlich im berfluss im Blut vorhanden und die Hemmung einiger Pumpen mit der Bezeichnung SGLT 2 (sodium dependent glucose transporter-2) knnte den Blutzucker senken. Genau dies wird mit neuen Wirkstoffen erreicht, die derzeit in klinischen Studien an Patienten getestet werden.

Die neuen Medikamente knnten Menschen mit Typ-2-Diabetes helfen, Insulin einzusparen. "Bei den Studienteilnehmern konnte die Dosis halbiert werden", berichtet Professor Dr. med. Stephan Martin, rztlicher Direktor am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum der Sana Kliniken in Dsseldorf. Ein weiterer Vorteil knnte darin bestehen, dass mit dem Zucker auch Kalorien ber die Niere ausgeschieden werden. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes sind bergewichtig, und einige Diabetesmedikamente steigern das Gewicht noch weiter. Professor Martin: "Unter der Behandlung mit den SGLT-2-Hemmern nahmen die Patienten bis zur zwei Kilo ab."

"Vorbild der SGLT-2-Hemmer ist eine Abweichung von der physiologischen Norm", erlutert Professor Martin: "Beim sogenannten Nierendiabetes kommt es infolge eines Defekts im SGLT 2 ebenfalls zu einem Verlust von Zucker ber den Urin, ohne dass die Patienten erkranken. Ein zweiter Transporter, SGLT 1, sorgt dafr, dass gengend Zucker ins Blut transportiert wird". Eine Unterzuckerung, eine lebensgefhrliche Komplikation der Diabetestherapie, werde so verhindert.

Initiale Studienergebnisse legen nahe, dass diese SGLT-2-Inhibitoren vermehrt Harnwegsinfekte und Genital-Mykosen verursachen knnen. Wie ausgeprgt diese Probleme sein werden und ob sie anhand typischer Patienteneigenschaften vorhergesagt werden knnen, muss geprft werden. In diesem Jahr sind noch einige neue Studienergebnisse zu erwarten, die das Verhltnis von Nutzen und Risiko besser abschtzen lassen werden.

Daher sei es fr eine abschlieende Bewertung zu frh. "Ob die Medikamente auch langfristig ohne Risiken bleiben, kann derzeit noch nicht abgesehen werden", meint Professor Martin. Er informiert dazu im Rahmen der 45. Jahrestagung der DDG in Stuttgart.

zuletzt bearbeitet: 10.05.2010 nach oben

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