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Kostendruck darf Versorgungsqualität nicht beeinträchtigen

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Thomas Danne im Rahmen der Pressekonferenz zur 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) am 14. Mai 2010 in Stuttgart.

Kurz wirksame Analoginsuline müssen erstattungsfähig bleiben.

Professor Dr. med. Thomas Danne Die Zahl der an Diabetes Erkrankten steigt kontinuierlich. Das ist ein menschliches, medizinisches, aber auch gesundheitskonomisches Problem. Allen Beteiligten muss klar sein: Nur wenn die Zahl der Erkrankten in Zukunft weniger rasant anwchst, wird es finanzierbar sein, alle Diabetiker optimal zu versorgen. Deswegen ist es uns vor allem ein Anliegen, die Primr- und Sekundrprvention zu strken und die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen. Allerdings muss das auf Grundlage des aktuellen medizinischen Wissensstandes erfolgen.

Es gibt zurzeit mehrere Prfungen des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die die Behandlung des Diabetes mellitus betreffen: Dazu gehren die lang und kurz wirksamen Insulinanaloga sowie die Teststreifen zur Blutzuckerselbstkontrolle bei nicht-insulinpflichtigen Diabetikern. Bei diesen Prfungen des G-BA scheint der Kostendruck und nicht der aktuelle medizinische Wissensstand mageblich zu sein.

Die kurz wirksamen Analoga sind heute ein fester Bestandteil der Diabetestherapie. Ihr Vorteil: Sie knnen sehr kurzfristig gem des aktuellen Insulinbedarfs dosiert werden. Insgesamt lassen sich dadurch die Blutzuckerwerte besser regulieren, gefhrliche Unterzuckerungen vermeiden und die Lebensqualitt durch die flexible Gabe verbessern. Von diesen Vorteilen profitieren Kinder in besonderer Weise.

Am 20. Mai 2010 wird der G-BA darber entscheiden, ob Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1 weiterhin auch kurz wirksame Insulinanaloga von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet bekommen. Entzge man den betroffenen Kindern - wie in der Beschlussvorlage des G-BA gefordert - den Zugang zu diesen Insulinanaloga, wren sie in ihrer Bewegungsfreiheit und Spontaneitt, kurz, in ihrer Entwicklung, erheblich eingeschrnkt. Doch nicht nur das: Insgesamt wrden die Gefahren einer schlechten Blutzuckereinstellung mit all ihren Folgen wachsen.

Ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass es durch die kurz wirksamen Analoga heute besser mglich ist, die Diabetestherapie den individuellen Bedrfnissen der Kinder und Heranwachsenden anzupassen. So stieg die Anzahl der Kinder, die kurz wirksames Analoginsulin nutzen, in den letzten Jahren kontinuierlich an. Auch die Insulinpumpe wird immer hufiger eingesetzt. Von zurzeit etwa 3.000 Kinder. Im gleichen Zeitraum sind auch die Blutzuckerwerte dieser Kinder immer "normaler" geworden. Sowohl zu hohe Blutzuckerwerte als auch zu niedrige Blutzuckerwerte sind seltener geworden. Der Anteil der Patienten, deren Blutzuckerwerte im angestrebten Bereich liegen, ist in den letzten 15 Jahren von 25 auf knapp 50 Prozent gestiegen. Das ist ein Erfolg!

Bei den jetzigen Empfehlungen des G-BA scheint es offensichtlich nur ums Geld zu gehen ? genau gesagt um 2,4 Millionen Euro: Eine Tagesdosis Humaninsulin ist im Schnitt 30 Prozent gnstiger als die Analoga. Das sind tglich 50 Cent. Von 25.000 an Diabetes Typ 1 erkrankten Kindern und Jugendlichen in Deutschland erhalten bisher etwa 13.000 kurz wirksame Insulinanaloga. Kurzfristig wird also damit gerechnet, 2,4 Millionen Euro im Jahr zu sparen. Das Bundesministerium fr Gesundheit bezeichnete bereits 2008 diese Ersparnis als "vergleichsweise gering" und forderte vom G-BA, fr Patienten unter 18 Jahren die Erstattung beizubehalten. Der unternimmt nun einen weiteren Vorsto, diese Medikamente von der Erstattungsfhigkeit auszuschlieen.

diabetesDE hat sich in den letzten Wochen intensiv fr eine weitere Erstattungsfhigkeit eingesetzt. Wir haben dafr eine E-Petition beim Deutschen Bundestag eingerichtet. Sie wurde bisher von knapp 5.000 Menschen unterzeichnet. Auerdem werden wir am 19. Mai 2010 in Berlin auf die Strae gehen: In einer Demonstration von der diabetesDE-Bundesgeschftsstelle bis vor das Bundesgesundheitsministerium machen wir auf die dramatischen Folgen aufmerksam, die entstehen wrden, wenn diese Insuline nicht mehr erstattungsfhig wren. Das wre ein klares Signal, dass die Bundesregierung eine Zweiklassen-Medizin billigend in Kauf nimmt - auch zu Lasten der Schwchsten in unserer Gesellschaft, chronisch kranker Kinder.

Wir fordern von den politischen Entscheidungstrger, auch in der nun wieder aufgelegten Debatte zugunsten der Kinder und Jugendliche zu entscheiden - nicht zuletzt unter gesundheitskonomischen Gesichtspunkten. Vergleicht man die Kosten der Diabetestherapie mit den Kosten fr die Behandlung der Folgeerkrankungen des Diabetes sind diese im Schnitt deutlich geringer: Schlechte Blutzuckerwerte knnen innerhalb weniger Jahre dazu fhren, dass der betroffene Diabetiker zustzliche Therapien wegen Gef- oder Nervenschden bentigt. Schwere Folgen wie Herzinfarkt, Nierenversagen oder Fuamputation sind nicht nur teuer. Wir wollen, dass unseren Patienten das erspart bleibt. Deswegen kann es nicht sein, dass wir wegen kurzfristiger Spareffekte die Zukunft der Kinder mit Diabetes aufs Spiel setzen.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Thomas Danne, Prsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), Vorstandsvorsitzender diabetesDE, Hannover.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 15.05.2010 nach oben

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