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Diabetes und andere Krankheiten oft spät entdeckt oder falsch therapiert

Pressemitteilung: Reader's Digest Deutschland

Nicht jeder Rückenschmerz ist gleich ein Bandscheibenvorfall

Magazin Reader's Digest geht häufigen Behandlungsfehlern von Ärzten nach und schildert, auf was Patienten achten sollten

Viele rzte in Deutschland verordnen nicht die Therapie, die dem Patienten wirklich hilft. Das Magazin Reader's Digest geht in seiner Juni-Ausgabe diesem Phnomen ausfhrlich nach und zeigt anhand hufig auftretender Arzt-Fehler, was der Patient beachten sollte und wie eine richtige Behandlung aussieht. "Manche rzte neigen dazu, Behandlungsweisen beizubehalten, auch wenn sie veraltet sind. Das liegt auch daran, dass es fr rzte schwierig ist, sich stndig auf dem Laufenden zu halten", sagt Professor David Klemperer von der Hochschule Regensburg, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin.

Hinter dem Schlagwort "evidenzbasierte Medizin" verbirgt sich das Prinzip, dass rzte die Patienten nur mit jenen Medikamenten und Therapien behandeln sollten, fr die ein klarer Nutzen erwiesen ist. Doch eine Untersuchung der Universitt Mnchen ergab, dass rzte auch hier zu Lande keineswegs immer nach aktuellen Leitlinien behandeln. So waren 15.000 Schwindelpatienten binnen zwei Jahren fr mehr als 1,5 Millionen Euro unwirksame Medikamente verordnet worden.

Wo aber liegen die hufigsten Behandlungsfehler? Eines der besten Beispiele ist der Typ-2-Diabetes, der bundesweit derzeit bei rund sieben Millionen Menschen behandelt wird. Experten schtzen aber, dass mindestens weitere drei Millionen darunter leiden, ohne von ihrer Krankheit zu wissen. Dies kann dazu fhren, dass Folgeschden wie Herz-, Nerven- und Nierenerkrankungen zu spt erkannt werden.

Experten wie der Stoffwechsel-Forscher Dr. Peter Heilmeyer, Internist und Chefarzt der Reha-Klinik berruh in Isny, raten deshalb: "Auch bei unspezifischen Symptomen wie stndigem Durst, starkem Harndrang, gehuften Infekten oder Pilzinfektionen sollten rzte deshalb auf Diabetes untersuchen."

hnliches gilt fr das Thema Blutdruck. Bundesweit leiden rund 20 Millionen Menschen an Bluthochdruck. Je frher er erkannt und je gezielter er behandelt wird, umso mehr sinkt das Risiko, an einem Schlaganfall zu sterben: um bis zu 29 Prozent bei Frauen und bis zu 43 Prozent bei Mnnern. Das Problem ist aber, dass "nur ein Drittel der Patienten einen optimal eingestellten Blutdruck" habe und ein weiteres Drittel nichts von der Erkrankung ahne, bemngelt Dr. Karl Wagner vom Asklepios-Klinikum Hamburg-Barmbek. Dabei ist es durchaus notwendig, dass betroffene Patienten gezielt mit Medikamenten behandelt werden, zumal wenn Risikofaktoren wie Diabetes, bergewicht oder koronare Herzkrankheit hinzukommen.

Ein anderes Beispiel geben permanente Rckenschmerzen, hinter denen Patienten oft einen Bandscheibenvorfall vermuten. Viele rzte veranlassen in solchen Momenten Kernspin- oder Rntgenuntersuchungen. "Doch nur eines von 2.000 Rntgenbildern, die wegen Rckenschmerzen angefertigt werden, zeigt eine mgliche Schmerzursache und fhrt zu einer erfolgreichen Therapie. Die anderen 1.999 Aufnahmen sind praktisch berflssig", sagt Professor Thomas Kohlmann, Epidemiologe an der Universitt Greifswald. Experten warnen daher vor voreiligen Manahmen wie einer mglichen Operation an der Bandscheibe. Vor einer solchen Entscheidung, so die Fachleute, sei erst einmal Eigeninitiative gefragt - zum Beispiel durch verstrkte Bewegung sowie die Einnahme von schmerzlindernden und entzndungshemmenden Medikamenten.

Darber hinaus widmet sich Reader's Digest ausfhrlich der Problematik des Herzinfarkts, bei dem die Akutbehandlung von entscheidender Bedeutung ist, und dem Themenkomplex Impfungen. Eltern sollten fr sich und ihre Kinder die notwendigen Impfungen immer wieder auffrischen lassen, um den Schutz aufrecht zu erhalten. So ist bei Erwachsenen bis 59 Jahre nur jeder Dritte gegen Tetanus geschtzt, bei den ber 60-Jhrigen haben nur 71 Prozent einen Tetanusschutz.

Der Arzt sollte deshalb darauf achten, dass Kinder unter zwei Jahren regelmig alle empfohlenen Impfungen erhalten und Erwachsene alle zehn Jahre ihren Impfschutz gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten auffrischen. Je nach Beruf, Geschlecht, Gesundheitszustand, Reiseplnen oder Alter knnen auch weitere Impfungen wie gegen Hepatitis, Pneumokokken, Influenza, Frhsommer-Meningoenzephalitis oder HPV - zum Schutz vor Gebrmutterhalskrebs - sinnvoll sein.

Aus Sicht von Professor Edmund Neugebauer, Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Netzwerks fr Evidenzbasierte Medizin, steht fest: "Eine gute Therapie setzt sich zusammen aus dem, was bewiesen ist, aus dem, was der Arzt kann, und aus dem, was der Patient will und vertrgt."

zuletzt bearbeitet: 01.06.2010 nach oben

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