Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2010 > 100929b

Durchbruch in der Adipositas-Forschung

Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen identifizieren Neprilysin als Schlüsselenzym bei der Ausbildung von Fettleibigkeit

Adipositas (Fettleibigkeit) ist eine bedrohliche Gesundheitsstrung, die durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelst wird. Neben zu hoher Kalorienaufnahme spielen auch genetische Komponenten eine Rolle. Adipse Menschen haben ein stark erhhtes Risiko an schwerwiegenden Begleiterkrankungen zu erkranken, wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herzinfarkt oder Schlaganfall. In den letzten Jahrzehnten haben bergewicht und Fettleibigkeit weltweit so stark zugenommen, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Pandemie spricht.

Da die Umstellung von Ess- und Bewegungsverhalten, die einzigen wirksamen nicht-invasiven Behandlungsmethoden, stark von der Motivation und der Persnlichkeitsstruktur des Betroffenen abhngen, wird weltweit intensiv nach Wirkstoffen zur Behandlung der Adipositas gesucht. Trotz dieser immensen Forschungsbemhungen gibt es aber immer noch keine entsprechende Dauermedikation. Um die Entwicklung von Therapieoptionen fr die langfristige Behandlung der Adipositas voranzutreiben, mssen die zugrundeliegenden genetischen und biochemischen Grundlagen, die zur Entwicklung der Fettleibigkeit beitragen, besser verstanden werden.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Thomas Walther am Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System an der Justus-Liebig-Universitt Gieen (JLU) konnte in Zusammenarbeit mit Dr. Wolf Siems vom FMP in Berlin-Buch in einer gerade verffentlichten Arbeit (PloS One: New function for an old enzyme: NEP deficient mice develop late-onset human obesity) zeigen, dass das Enzym Neprilysin (auch Neutrale Endopeptidase oder NEP genannt) eine herausragende Rolle in der Regulation der Nahrungsaufnahme und Fetteinlagerung spielt.

Die beteiligten Forscher beobachteten bei Musen, denen die NEP komplett fehlt (Knockout-Muse), eine erhhte Nahrungsaufnahme und einen exzessiven Anstieg des Krpergewichtes in Folge von massiven Fetteinlagerungen. Diese adipsen Muse zeigen genau wie viele fettleibige Menschen Strungen im Fett- und Zuckerstoffwechsel und eine stark verschlechterte Glukosetoleranz. Sowohl die Stoffwechselstrungen als auch der Anstieg im Krpergewicht konnten auch in normalen Labormusen beobachtet werden, denen der synthetische NEP-Hemmer Candoxatril ins Trinkwasser gegeben wurde.

In einem Krankheitsmodell, der Kachexie, bei dem nicht die Gewichtsreduktion, sondern der verlangsamte Gewichtsverlust das Ziel der Behandlung ist, konnte die Gabe von Candoxatril den rapiden und oft tdlichen Gewichtsverlust verzgern. Da Candoxatril nicht die Blut-Hirn-Schranke passieren und somit nur in der Peripherie wirken kann, scheint die periphere NEP und nicht die im zentralen Nervensystem (Gehirn) vorhandene entscheidend fr diese Prozesse zu sein.

Aus diesen Ergebnissen kann geschlossen werden, dass die genetische und pharmakologische Inaktivierung der NEP zu einem Anstieg der Krperfettmenge fhrt. Das von Prof. Walther beschriebene Adipositasmodell ist ein neuartiger Ansatzpunkt zur Untersuchung der molekularen Mechanismen, die zur Entstehung und zum Voranschreiten der Adipositas beitragen. Darber hinaus eignet es sich auch zur Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieanstze fr die Fettleibigkeit. Dementsprechend ist es das Ziel seiner weiterfhrenden Forschungsarbeiten, Wege zu identifizieren, wie man pharmakologisch die NEP-Aktivitt erhhen kann, um damit eine langfristige Reduktion des Krpergewichtes zu erreichen.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 29.09.2010 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Professor Dr. Peter Bottermann

Prof. Peter Bottermann

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.