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Versorgungs-Report 2011 erschienen

Chronikerprogramme wirken

Pflegebedrftige Menschen, die erstmals einen Schlaganfall erleiden, haben gegenber nicht pflegebedrftigen Personen ein fast dreifach erhhtes Risiko, innerhalb eines Jahres nach dem Vorfall zu sterben, unabhngig vom Alter und relevanten Nebenerkrankungen. Mehr als die Hlfte von ihnen verstirbt im ersten Jahr. Das ist das Ergebnis einer Auswertung der Behandlungsdaten von mehr als 24 Millionen Versicherten durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). Die Analyse ist Teil des am Montag vorgestellten "Versorgungs-Report 2011". Mit dieser neuen Publikationsreihe analysiert das WIdO die Gesundheitsversorgung in Deutschland erstmals sektorbergreifend, mit Blick auf den Patienten und das Gesundheitswesen.

"Das Beispiel der Schlaganfallbehandlung zeigt, dass wir trotz einer Datenflut im Gesundheitswesen immer noch zu wenig wissen, wo besonders herausgehobene Risiken fr die Patienten bestehen", sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt, zur Vorstellung des Reports in Berlin. "Die AOK will die Versorgung ihrer Versicherten gestalten und fr eine qualitativ hochwertige Behandlung sorgen. Dazu brauchen wir Transparenz", so Reichelt. "Der Versorgungs-Report zeigt beispielhaft, wo und wie wir Behandlungsstrukturen und Prozesse verbessern knnen."

Schwerpunktthemen des ersten Versorgungs-Reports sind Ausma und Behandlungsbedarf chronischer Erkrankungen. "Fr 20 Prozent der Versicherten wendet das deutsche Gesundheitswesen mehr als 80 Prozent der Behandlungskosten auf. Dazu gehren insbesondere chronisch Kranke. Ihre bedarfsgerechte Versorgung ist deshalb auch in finanzieller Hinsicht eine entscheidende Herausforderung", erlutert WIdO-Geschftsfhrer Jrgen Klauber. "Die Situation wird sich durch die demografische Entwicklung verschrfen. Der Versorgungs-Report zeigt, dass als Folge der steigenden Lebenserwartung Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, viele Krebserkrankungen oder Demenz weiter zunehmen." Dies sei ein zwangslufiger Nebeneffekt des medizinischen Fortschritts, so Klauber. "Frhzeitigere Diagnosen und verbesserte Behandlung verlngern die Lebenserwartung, knnen jedoch oft keine dauerhafte Heilung erzielen. Angesichts der beeinflussbaren Risikofaktoren fr viele chronische Krankheiten gewinnt deshalb die Prvention an Bedeutung."

Schub fr die Versorgungssteuerung durch DMP

Dass sich bei der Versorgung chronisch Kranker in den letzten zehn Jahren durchaus etwas verndert hat, ist laut Versorgungs-Report insbesondere den Disease-Management-Programmen (DMP) zu verdanken. "Sie haben der Versorgungssteuerung nachhaltig Schub verliehen", betont Klauber. Schon die hufigen Arztbesuche der Patienten - immerhin suchen Diabetiker 38-mal im Jahr eine Arztpraxis auf - zeigen, wie notwendig eine koordinierte Behandlung ist.

Mit sechs Millionen Teilnehmern sind die zur Verbesserung der Betreuung chronisch Kranker seit 2003 schrittweise eingefhrten strukturierten Behandlungsprogramme der gesetzlichen Krankenkassen inzwischen ein fester Bestandteil der Versorgung. Nahezu jeder zweite Diabetiker in Deutschland ist in ein DMP eingeschrieben. Allein mehr als 2,7 Millionen AOK-Versicherte nehmen an einem Programm fr Diabetes Typ 2 (seit 2003), Brustkrebs (2003), Koronare Herzkrankheiten (2004), Diabetes mellitus Typ 1 (2005) und Asthma/COPD (2006) teil.

Klauber: "Die inzwischen vorliegenden Ergebnisse zeigen positive Entwicklungen bei den medizinischen Werten der Patienten und deutliche Verbesserungen im Bereich der Prozessqualitt. Die Ergebnisse der vom AOK-Bundesverband beauftragten ergnzenden Begleitforschung zur gesetzlichen Evaluation deuten darauf hin, dass Diabetiker, die an einem DMP teilnehmen, eine lngere Lebenserwartung gegenber Nichtteilnehmern haben. Diabetesbedingte Folgeerkrankungen gehen bei DMP-Teilnehmern zurck. Die Patienten fhlen sich besser versorgt und informiert. Sie verhalten sich gesundheitsbewusster."

Mitherausgeber Prof. Norbert Schmacke macht im aktuellen Versorgungs-Report deutlich, "dass ohne die Anbindung der DMP an den Risikostrukturausgleich (RSA) in der gesetzlichen Krankenversicherung und ohne die zentrale und in dieser Form neue Rolle der Krankenkassen ein derartiges Programm zur Beseitigung struktureller Versorgungsmngel nicht zustande gekommen wre".

Nach der Einfhrung des morbidittsorientierten RSA (Morbi-RSA) 2009 habe es sich angesichts des Ausgabendrucks auf die Krankenkassen durch den zeitgleich eingefhrten Gesundheitsfonds als richtig erwiesen, die DMP weiter gesondert zu bercksichtigen, schreibt Gesundheitskonom Klaus Jacobs im Report: "Auch bei knftigen Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen sollte behutsam vorgegangen werden, um die unbersehbaren Fortschritte in der Chronikerversorgung nicht zu gefhrden", rt Jacobs.

Der Versorgungs-Report ist eine neue jhrliche Publikationsreihe des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Er thematisiert die Gesundheitsversorgung sektorbergreifend und ergnzt damit die Report-Reihe des WIdO mit Arzneiverordnungs-, Krankenhaus - und Fehlzeiten-Report. Herausgeber des Versorgungs-Reports sind die WIdO-Wissenschaftler Joachim Klose und Christian Gnster sowie der Leiter der Arbeits- und Koordinierungsstelle Gesundheitsforschung an der Universitt Bremen, Prof. Norbert Schmacke. Der Mediziner ist unparteiisches Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss, dem obersten Beschlussgremium von rzten, Krankenkassen und Krankenhusern.

Die Autoren des Versorgungs-Reports analysieren das Versorgungsgeschehen mit Blick auf den Patienten und die verschiedenen Gesundheitssektoren und schlieen damit eine Informationslcke.

Das Schwerpunktthema der ersten Ausgabe heit "Chronische Krankheiten". Die Beitrge liefern Informationen ber das Ausma chronischer Erkrankungen und deren Behandlungsbedarf. Einzelbeitrge sind der Koronaren Herzkrankheit und der Herzinsuffizienz, dem Diabetes mellitus, der Hypertonie und dem Schlaganfall gewidmet. Der Diskussionsblock befasst sich mit aktuellen Themen wie rztemangel, arztentlastende Versorgungsstrukturen und Telemedizin.

Ein umfangreicher Statistikteil beleuchtet das Krankheitsspektrum der Deutschen, die Hufigkeit von Erkrankungen und die Inanspruchnahme von Leistungen in der ambulanten, stationren und Arzneimittel-Versorgung. Die Daten haben besonderes Gewicht, weil erstmals sektorenbergreifend die Daten von rund 24 Millionen AOK-Versicherten ausgewertet wurden. Ebenfalls zum ersten Mal wurden Diagnosen und die Inanspruchnahme von Leistungen zusammengefhrt.

Quellen

C. Gnster, J. Klose, N. Schmacke (Hrsg): Versorgungs-Report 2011,
Schwerpunkt: Chronische Erkrankungen; 372 Seiten, 65 Abb., 79 Tab.; 44,95 EUR; ISBN 978-3-7945-2803-5.

Die Printausgabe wird ergnzt durch ein Internetangebot (versorgungs-report-online.de), das neben Abbildungen und Tabellen zustzlich den kompletten, statistischen berblick ber mehr als 1.500 Krankheiten bietet. Es ist fr registrierte Nutzer zugnglich.

zuletzt bearbeitet: 22.11.2010 nach oben

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