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Diabetestherapie der Zukunft

Die Individualisierte Medizin wird die Gesundheitsbranche verändern

Am Wissenschaftsstandort Greifswald sollen in einem internationalen Projekt klinische Standards fr die "Medizin der Zukunft" entwickelt werden.

"Die Individualisierte Medizin wird die Gesundheitsbranche verndern. Sie ist ein Schlsselthema fr die knftige Gesundheitsversorgung." Das sagte heute der Dekan der Medizinischen Fakultt der Universitt Greifswald, Prof. Heyo K. Kroemer, auf dem gemeinsamen Hochschulpolitischen Abend mit der SIEMENS AG zur "INDIVIDUALISIERTEN MEDIZIN - Zukunft der Gesundheitsversorgung?" in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in Berlin.

Wissenschaftler der Universitt Greifswald stellten das GANI_MED (Greifswald Approach to Individualized Medicine) vor. Am Wissenschaftsstandort Greifswald sollen in einem internationalen Verbund erstmals klinische Standards fr die "Medizin der Zukunft" entwickelt werden.

Das Bundesministerium fr Forschung und Bildung (BMBF) und das Land Mecklenburg-Vorpommern frdern das Forschungsvorhaben bis 2014 mit 15,4 Millionen Euro. "Das Projekt passt sehr gut zu dem, was wir in Mecklenburg-Vorpommern vorhaben. Wir wollen uns zum Gesundheitsland entwickeln. Dabei geht es um wirtschaftliche Chancen und Arbeitspltze. Und es geht darum, fr die Menschen in unserem Land die bestmgliche Gesundheitsversorgung zu organisieren", betonte der Ministerprsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, auf dem Hochschulpolitischen Informationsabend. "Dabei ist die Universitt Greifswald einer unserer wichtigsten Partner."

Der technische Fortschritt, insbesondere in der Molekularbiologie, Informationsverarbeitung und Bildgebung, ist der Wegbereiter des noch relativ neuen Ansatzes in der Individualisierten Medizin. Diese geht davon aus, dass jeder Mensch aufgrund einer Vielzahl von Eigenschaften einzigartig ist und demnach einer individuellen medizinischen Behandlung bedarf. Ihren Ursprung hat die Individualisierte Medizin in der Pharmakologie. Arzneimittelforscher stellten fest, dass nicht alle Medikamente bei den Patienten auch die gleiche Wirkung hervorriefen. hnliches gilt fr Therapieformen, die nur bei einer gewissen Anzahl von Menschen tatschlich den gewnschten Erfolg erzielen.

Die Volkskrankheiten im Blick

"GANI_MED ist der erste Versuch, die Individualisierte Medizin in ein Universittsklinikum zu bertragen", erluterte der Verbundkoordinator, Prof. Heyo K. Kroemer. "Ziel der Individualisierten Medizin ist es, durch modernste Diagnostik und den nachfolgenden Einsatz neuer, auf die Bedrfnisse des einzelnen Patienten ausgerichteter Therapieverfahren die Effektivitt der Behandlung zu steigern, unerwnschte Effekte zu vermeiden und die Kosten zu reduzieren." GANI_MED nimmt dabei zunchst die groen Volkskrankheiten ins Visier, die aufgrund der demografischen Entwicklung enorm an Bedeutung fr das Gesundheitswesen gewinnen werden.

"In den einzelnen Projektbereichen werden speziell Erkrankungen des Herzens, Diabetes, Nierenversagen, Schlaganflle und der Fettleber erforscht", erluterte der rztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Uniklinikums Greifswald, Prof. Marek Zygmunt. Dabei geht es vor allem um das Herausfiltern von genetischen Biomarkern, die fr bestimmte gesundheitsgefhrdende Prozesse und Wechselwirkungen im Krper verantwortlich sind. Rund 6.200 Probanden werden ab kommenden Jahres in klinischen Studien erfasst und die Daten mit den Werten von SHIP (Study of Health in Pomerania) abgeglichen.

Mit SHIP, einer der grten Bevlkerungsstudien mit derzeit mehr als 7.000 untersuchten Personen, verfgt die Universitt Greifswald ber die notwendigen Basisdaten zum Gesundheitszustand eines reprsentativen regionalen Bevlkerungsquerschnitts. Von jedem einzelnen Probanden liegen Millionen Informationen aus dem Erbgut, dem Stoffwechsel, Krperbau und sozialem Umfeld vor. In der dritten Untersuchungswelle werden von allen Teilnehmern auf freiwilliger Basis Ganzkrper-Magnetresonanztomographen- Aufnahmen (MRT) erstellt. "Dieser Datenschatz ist in internationalen Wissenschaftlerkreisen gefragt und die Grundlage fr die schrittweise berfhrung der Individualisierten Medizin in den klinischen Alltag", so Zygmunt weiter.

Auf dieser Grundlage werden im Forschungsverbund GANI_MED innovative Analyseverfahren systematisch weiterentwickelt, die Aufschluss ber individuelle Unterschiede bei der Entstehung, Fortschreitung und Behandlung von medizinisch und gesundheitspolitisch bedeutsamen Krankheiten geben knnen. Die dafr notwendige Infrastruktur, beispielsweise fr Biobanking, die Bio- und Medizininformatik, wird gezielt ausgebaut. Durch die enge Einbindung der klinischen Forschung soll GANI_MED den Grundstein legen, vielversprechende Individualisierungskonzepte auf ihre Eignung fr die Patientenbehandlung zu testen.

Verantwortung ist fachbergreifend

"Mit dem GANI_MED-Projekt haben wir an der Universitt Greifswald unsere lebenswissenschaftlichen Kompetenzen zu dem bislang umfassendsten Projekt zur Individualisierten Medizin gebndelt", unterstrich der Rektor der Universitt Greifswald, Prof. Rainer Westermann. Alle fnf Fakultten sind fest in die wissenschaftliche Arbeit eingebunden. Der Projektbereich 3 (s. berblick) befasst sich mit grundstzlichen ethischen Aspekten der Individualisierten Medizin sowie mit gesundheitskonomischen Fragen. Wie gehen wir mit den vielen Informationen ber jedes Individuum um, und wollen wir wirklich alles wissen, was wir in Erfahrung bringen knnen?

Wird es mglich sein, mit der Individualisierten Medizin nicht nur den Patienten zu helfen, sondern auch die Kosten des Gesundheitssystems in den Griff zu bekommen? "Es ist wohl einzigartig, dass Mediziner, Theologen, Informatiker, Betriebswirtschaftler, Biologen und viele weitere Wissenschaftler von Anfang an an einer neuen Vision arbeiten", so der Rektor, "und somit auch gemeinsam die Verantwortung fr etwas tragen, was in seiner Dimension noch nicht zu ermessen ist."

"Die bertragung der Individualisierten Medizin von der Grundlagenforschung ber die klinische Erprobung in die Routineversorgung ist eine enorme Herausforderung", ist sich der Greifswalder Verbundkoordinator Prof. Heyo K. Kroemer sicher. "Die Konsequenzen fr das Gesundheitssystem sind weitreichend. Letztendlich muss sich die Individualisierte Medizin daran messen lassen, ob sie die Entstehung von Krankheiten nachhaltig beeinflussen und mit personalisierten Therapieverfahren tatschlich eine hhere Gesundheitseffektivitt erzielen kann. Wir stehen noch am Anfang einer neuen Entwicklung, wollen dabei aber die Bevlkerung mitnehmen und den Dialog ber die Perspektiven und Grenzen der Individualisierten Medizin bewusst suchen."

Projekt-Teilbereiche

  1. Strukturbereich - 6
    Biobank, Bioinformatik, Medizininformatik, Projektgruppe, Nachwuchsfrderung, Nachhaltigkeit
  2. Projektbereich 1 - 3
    Personalized Proteomics, Personalized Metabolomics, Pharmacogenomics
  3. Projektbereich 2 - 5
    Untersuchungsgruppe 1 (kardiovaskulr), Gruppe 2 (zerebrovaskulr), Gruppe 3 (renal und renovaskulr), Gruppe 4 (Komorbiditt beim Metabolischen Syndrom), Gruppe 5 (nicht etablierte Krankheitsbilder, unter anderem Fettleber)
  4. Projektbereich 3 - 3
    konomie, Ethik, Probandenethik

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 25.11.2010 nach oben

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