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Diabetes, Alzheimer und Parkinson molekular behandeln?

Pressemitteilung: Universität Duisburg-Essen

Sanfte molekulare Pinzette eröffnet neue Möglichkeiten

Molekulare Pinzette mit gebundenem Lysin (blau) am Protein Erstmals ist es jetzt gelungen, alzheimererkrankte Muse mithilfe einer "molekularen Pinzette", die Chemiker der Universitt Duisburg-Essen (UDE) entwickelt haben, erfolgreich zu behandeln. Dieser Forschungserfolg wurde jetzt in der Fachzeitschrift "Brain" verffentlicht.

Prof. Dr. Thomas Schrader, einer der Erfinder des Molekls und Professor fr Biosupramolekulare Chemie an der UDE: "Wir stellten vor einigen Jahren ein neues Molekl her, das die weit verbreite die Aminosure Lysin wie eine Pinzette greifen kann." Fr Neurologen an der University of California in Los Angeles (UCLA) war dies hochinteressant, denn sie hielten ein bestimmtes Lysin im Alzheimer-Peptid fr den Auslser der Eiwei-Aggregation (Zusammenballung), die zum Tod von Millionen von Nervenzellen fhrt.

Die deutsch-amerikanische Forschergruppe untersuchte seither gemeinsam den Einfluss der Pinzette auf diesen Prozess. Schrader: "Die Kollegen an der UCLA konnten geradezu sensationelle Ergebnisse erzielen; zunchst in Nervenzellen, dann auch im Tierversuch." Bei einer lebendigen Maus mit Alzheimer-Syndrom wurde jetzt zum ersten Mal gezeigt, dass die molekulare Pinzette die Blut-Hirnschranke berwindet und die toxischen Aggregate des Alzheimer-Peptids auflst. Darber hinaus wurden die Synapsen (neuronale Kontaktstellen) der Nervenzellen geschtzt, die ebenfalls von der Krankheit betroffen sind. Die Entdecker nennen die Substanz CLEAR 01, kurz CLR01.

"Unsere Arbeiten belegen, dass CLR01 zahlreiche krankhafte Befunde zurckdrngen kann, Verklumpungen ('Plaques') auflst und die Entzndung von Nervenzellen verhindert. In der Zellkultur sehen wir, wie die Synapsen und ihre Kommunikation untereinander durch die Pinzette beschtzt werden", so der amerikanische Forscher Gal Bitan.

Die Pinzette wirkt sanft und ohne Nebenwirkungen

Schrader ergnzt: "Das Schne ist, dass es praktisch keine Anzeichen fr Nebenwirkungen gibt. Die Pinzette wirkt sanft." Wirksamkeit und Ungiftigkeit weisen auf einen neuen Wirkmechanismus hin. Sie machen die molekulare Pinzette zu viel versprechenden Kandidaten fr eine zuknftige Alzheimer-Therapie. Mglicherweise knnen auch verwandte Erkrankungen, wie Parkinson oder Diabetes mellitus, erfolgreich behandelt werden.

Zusammen mit Forschern der Universit Cattolica in Rom konnte zunchst in Zellkulturen nachgewiesen werden, dass die molekulare Pinzette das Verklumpen des Alzheimer-Peptids an den Synapsen verhindert. Im Tierversuch zeigte sich dann, dass sich kurzfristig abgestorbene Nervenzellen mit der molekularen Pinzette neu bilden knnen. Die behandelten Muse erhielten ihre Lern- und Gedchtnisfhigkeit zurck.

"Wir glauben, dass die einzigartige Wirkung der neuen molekularen Pinzette am Prozess der Protein-Verklumpung ansetzt und nicht auf ein bestimmtes Protein beschrnkt ist", so Schrader. Er meint damit, dass CLR01 nur die giftigen, wachsenden Proteinaggregate angreift und nicht normale Prozesse im gesunden Krper. "Das ist eine groe Sache, denn so kann man mit den Pinzetten eine neue Alzheimer-Therapie entwickeln, ohne schwere Nebenwirkungen befrchten zu mssen", erlutert der UDE-Forscher.

"Noch ist allerdings Geduld erforderlich, denn leider ist die Situation fr den Menschen schwieriger. Die Krankheit verluft schleichend, unsere Nerven sterben nur langsam ab", sagt Frank-Gerrit Klrner, Schraders Partner und ehemaliger UDE-Lehrstuhlinhaber. "Deshalb mssen wir die Behandlung so frh wie mglich anfangen. Mglichweise eignet sich der nachweislich ungiftige neue Wirkstoff fr eine vorbeugende Behandlung."

Als nchstes muss bettigt werden, dass CLR01 wirklich das Erinnerungsvermgen wiederherstellt und nicht nur "im Gehirn aufrumt". Die Forscher an der UDE und UCLA arbeiten mit Hochdruck an dieser Frage und haben schon ermutigende vorlufige Daten.

Bildunterschrift: Molekulare Pinzette mit gebundenem Lysin (blau) am Protein
Bildquelle: Universitt Duisburg-Essen

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 09.01.2013 nach oben

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