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Bariatrische Chirurgie bei übergewichtigen Diabetespatienten

Geringere Raten kompletter Remission als bisher beobachtet

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Im November 2012 erschien in "Obesity Surgery" online der Bericht ber eine retrospektive Kohortenstudie von 3 groen amerikanischen Versicherungsgruppen an 4434 bergewichtigen Typ-2-Diabetespatienten, die sich einer Roux-en-Y-Magenbypass-Operation unterzogen hatten. In den fnf Jahren nach der Operation war es bei 68.2 % zu einer kompletten Diabetes-Remission gekommen. Bei etwa einem Drittel dieser Initial remittierten Patienten trat der Diabetes innerhalb von 5 Jahren nach der Remission wieder auf.

Indikatoren eines Wiederauftretens des Diabetes nach anfnglicher Remission waren hheres Lebensalter zum Operationszeitpunkt, schlechtere properative Stoffwechsellage (HbA1c >6.5 %), Insulinbehandlung und lngere Diabetesdauer. Angaben ber den Body-Mass-Index (BMI, kg/m²) lagen den Versicherungsgesellschaften erst ab 2002 bzw. 2005 vor, so dass die BMI-Daten nur von 2116 Patienten in einer Subgruppenanalyse ausgewertet werden konnten. Es zeigte sich, dass der properative BMI zwischen den Gruppen nicht signifikant unterschiedlich war: Er betrug 45.5 kg/m² bei den 1224 Patienten, die nie eine komplette Remission aufwiesen, 48.8 bei 103 Patienten mit kompletter Remission und 45.6 bei 789 Patienten mit anhaltender Remission.

Kommentar: Die Deutsche Gesellschaft fr Endokrinologie (DGE) hat in einer Pressemitteilung und einem Blog-Beitrag zur bariatrischen Chirurgie bei Typ-2-Diabetes Stellung bezogen. Es wurde betont, dass beim Typ-2-Diabetes ein angeborener Defekt der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrse vorliege, der fortschreite, so dass der Diabetes wieder auftreten knne und man Langzeitresultate abwarten msse.

Die neue Studie sttzt diese Ansicht. Ihre Autoren weisen darauf hin, dass die Auswahl geeigneter Patienten zur Operation sorgfltig zu treffen sei und sie fhren einige Punkte an, die gegen einen Operationserfolg sprechen. Insgesamt meinen sie, dass die bariatrische Chirurgie mglicherweise frher einzusetzen sei, nicht erst im Stadium der Insulinbedrftigkeit oder bei lteren Patienten nach langer Krankheitsdauer.

Auf jeden Fall bringe die Operation fr die Patienten auch andere Vorteile wie bessere Lebensqualitt, Besserung anderer Adipositas-assoziierter Erkrankungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstrungen, Schlafapnoe oder Arthrose. Da die UKPDS-10-Jahresstudie einen spteren, positiven ("Legacy-")Effekt einer initialen Stoffwechselbesserung in kardiovaskulrer Hinsicht gezeigt htte, knnte gleiches auch fr die bariatrischen Chirurgie, selbst bei spterem Wiederauftreten des Diabetes zutreffen.

Leider geht die Arbeit von Arterburn et al. nicht auf die zahlreichen und teilweise sehr ernsten physischen und psychischen Probleme nach einem bariatrischen Eingriff, insbesondere im Langzeitverlauf ein. Aus der Publikation geht lediglich hervor, dass von den 4434 operierten Patienten im Verlauf von 13 Jahren nur 108 verstorben waren.

Literatur

  • David E. Arterburn et al.: A Multisite Study of Long-term Remission and Relapse of Type 2 Diabetes Mellitus Following Gastric Bypass. Obesity Surgery online: 18 November 2012.

  • Pressemitteilung der DGE: Vor breitem Einsatz der Magen-OP bei Diabetes Langzeitresultate abwarten: Diabetes kehrt bei jedem Fnften zurck. Pressemitteilung der DGE vom 12. Juli 2012

  • Helmut Schatz: Bariatrische Chirurgie im Vergleich zu medikamentser Therapie bei bergewichtigen Typ-2-Diabetespatienten. DGE-Blog-Beitrag vom 2. April 2012

  • Rury R. Holman et al.: 10-Year-Follow-up of Intensive Glucose Control in Type 2 Diabetes. New Engl. J. Med. 2008. 359:1577-1589

zuletzt bearbeitet: 13.01.2013 nach oben

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