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Ganzheitliche Behandlung für Typ-2-Diabetiker

Pressemitteilung: BERLIN-CHEMIE AG

Wie der Lebensstil den Blutzucker bestimmt?

Schlaf, Bewegung, Motivation

Professor Dr. Werner Kern "Diabetesbehandlung: Zwischen Versorgung und Management", so lautete das Motto der Herbsttagung 2012 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die Frage, wie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes nachhaltig eine nderung des Lebensstils erreicht werden kann. In einem mit namhaften Experten besetzten Satellitensymposium unter dem Vorsitz von Professor Dr. Werner Kern, das die BERLIN-CHEMIE AG am 16. November 2012 im Rahmen der Tagung veranstaltete, wurden die Schwerpunkte Schlaf und Bewegung diskutiert und die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung des Patienten ber die reine HbA1c Einstellung hinaus betont.

Nur eine abgestimmte Behandlung aus Verbesserung des Lebensstils und individueller medikamentser Therapie kann den Anforderungen an eine moderne Diabetestherapie gerecht werden und zu einer wirksamen Reduktion diabetischer Komplikationen wie kardiovaskulren Ereignissen und nchtlichen Hypoglykmien fhren, so das Fazit der Experten.

Professor Dr. Werner Kern vom Zentrum fr Hormon- und Stoffwechselerkrankungen (Endokrinologikum) in Ulm zeigte zunchst den Rckgang der Schlafdauer vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts bis heute auf. Die Schlafzeit pro Nacht sei demnach von neun Stunden auf mittlerweile sieben Stunden pro Nacht gesunken, so Kern. Auch sehr kurze Schlafzeiten von unter sechs Stunden pro Nacht sowie Ein- und Durchschlafstrungen seien heute weit verbreitet. Gleichzeitig nehme die Inzidenz von Adipositas und Diabetes zu. Gibt es hier einen Zusammenhang?

Es ist bekannt, dass eine U-frmige Korrelation zwischen Schlafdauer und Adipositas besteht: Sowohl eine reduzierte (< 6 Stunden) als auch eine gesteigerte Schlafdauer (> 9 Stunden) gehen oft mit einem erhhten Gewicht einher .[1] Whrend sich Letzteres durch eine allgemein reduzierte Aktivitt leicht erklren lasse, griffen bei reduzierter Schlafdauer anderweitige metabolische Mechanismen, so Kern. So stnde eine verminderte Schlafdauer sowohl mit der Prvalenz des metabolischen Syndroms als auch mit einem erhhten Risiko fr die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes in Zusammenhang.

Was passiert dabei auf pathophysiologischer Ebene? Kern verdeutlichte, dass ein verkrzter Schlaf zum einen das sympathoadrenerge System aktiviere und die sympathische Nervenaktivitt erhhe, zum anderen auch die Insulinsensitivitt, die Glukosetoleranz sowie die Insulinantwort von Adipozyten reduziere. Schlafmangel und Schlafstrungen fhrten also zu einem metabolischen Ungleichgewicht und in der Folge bei Typ-2-Diabetikern nicht selten zu einem schlecht eingestellten Diabetes, so Kern. Bedeutsam sei auerdem die Hufigkeit nchtlicher Hypoglykmien, die auch die Schlafqualitt beeintrchtige. Diesen "circulus vitiosus" gelte es zu durchbrechen. Dazu sollten insbesondere Schlafstrungen gezielt bei Patienten angesprochen werden und Manahmen zur Verbesserung der Schlafhygiene erarbeitet werden, so die Empfehlung von Kern.

Die Bedeutung der krperlichen Fitness fr die Therapie des Diabetes mellitus verdeutlichte Privatdozent Dr. Martin Fchtenbusch vom Diabeteszentrum am Marienplatz in Mnchen. So reduziere sich das relative Sterberisiko von Diabetespatienten ber einen Zeitraum von 6,2 Jahren bei hherer krperlicher Fitness (> 8 vs.< 5 sogenannte "Metabolic Equivalents", MET) um mehr als die Hlfte. "Training fhrt zur muskulren Sekretion von Myokinen, die metabolisch gnstige Effekte im Fettgewebe haben", so Fchtenbusch.

So induziere das Myokin PGC-1α eine metabolisch gnstige Umwandlung von weiem in braunes Fettgewebe. Fchtenbusch betonte, dass fr eine Reduktion des Mortalittsrisikos vor allem die Gesamtdosis und die Regelmigkeit krperlicher Aktivitt entscheidend seien, wobei der grte Benefit durch den Schritt von gar keiner Aktivitt hin zu wenig bis miger Aktivitt erzielt werden knne.

Was bringt ein Programm zur Lebensstilnderung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes? Der Vergleich einer Gruppe, die einem strukturierten Lifestyle-Interventionsprogramm (SLI) unterzogen wurde, mit einer Gruppe, die eine konventionelle Diabetesschulung (DS) erhielt, zeigte in der SLI-Gruppe einen signifikanten Vorteil unter anderem hinsichtlich der Gewichtsabnahme und der krperlichen Fitness.[2]

Die Umsetzbarkeit von Bewegungsprogrammen hat jedoch ihre Grenzen: Nur etwa 14 % der Patienten, die "normal" geschult werden, erreichten eine Gewichtsreduktion von mindestens 5 %.[3] Krperliche Fitness gehe zudem oftmals eng mit den Ernhrungsgewohnheiten einher, fhrte Fchtenbusch weiter aus. Er machte in diesem Zusammenhang aber auch deutlich, dass die Zusammensetzung der Nahrung (Stichworte "low carb", "low fat", "high protein") keinen wesentlichen Einfluss auf das Gewicht habe, sondern fr eine erfolgreiche Gewichtsabnahme vor allem die Kalorienreduktion mageblich sei.

Was es bedeutet, einen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 "ganzheitlich" zu betrachten, zeigte Dr. Rainer Betzholz vom Diabeteszentrum Neuss anhand eines typischen Patientenbeispiels: 45-jhriger Patient, Typ-2-Diabetes, BMI 40 kg/m2, HbA1c 8,2 % bei Erstvorstellung. Wichtig seien nicht allein die Reduktion von Blutzucker und HbA1c. Zur Reduktion von Risikofaktoren gehrten auch das Vermeiden von Hypoglykmien und das Verhindern einer Gewichtszunahme.

bergeordnetes Ziel sei es, kardiovaskulre Ereignisse mglichst zu verhindern und die Lebensqualitt des Patienten zu erhalten, so Betzholz. Therapeutische Manahmen sollten diese Punkte einbeziehen und den Lebensstil jedes individuellen Patienten bercksichtigen. Auch seien Therapieziele in Abhngigkeit von der Erkrankungsdauer und von bestehenden Folgeerkrankungen zu definieren und die Therapieauswahl an den Bedrfnissen des Patienten auszurichten - einschlielich nderungen des Lebensstils, die laut DDG-Leitlinien an erster Stelle der therapeutischen Manahmen stehen.[4]

Im Hinblick darauf, das Risiko fr Hypoglykmien und eine Gewichtszunahme so gering wie mglich zu halten ("je dicker desto sterblicher") seien neben der bewhrten Substanz Metformin bei Typ-2-Diabetikern mit unbefriedigend eingestelltem Blutzucker insbesondere Inkretinmimetika oder DPP-4-Hemmer wie beispielsweise Sitagliptin (z. B. Xelevia® bzw. als Fixkombination mit Metformin z. B. Velmetia®[5] eine therapeutische Option. "Die Bedeutung der Hypoglykmie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wird in der Regel deutlich unterschtzt", betonte Betzholz.

Quelle: "Typ-2-Diabetes 2012: Lebensstil im Blick - die Therapie "im Genick"?" Satellitensymposium der BERLIN-CHEMIE AG im Rahmen der Herbsttagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) am 16. November 2012 in Berlin unter dem Vorsitz von Professor Dr. Werner Kern, Ulm.

Literatur

  1. Bjorvatn B, Sagen IM, Oyane N et al. The association between sleep duration, body mass index and metabolic measures in the Hordaland Health Study. J Sleep Res 2007; 16: 66-76

  2. Wing RR. Long-term effects of a lifestyle intervention on weight and cardiovascular risk factors in individuals with type 2 diabetes mellitus: four-year results of the Look AHEAD trial. Arch Intern Med 2010; 170: 1566-1575

  3. Wadden TA, West DS, Neiberg RH et al. One-year weight losses in the Look AHEAD study: factors associated with success. Obesity (Silver Spring) 2009; 17: 713-722

  4. Matthaei S, Bierwirth R, Fritsche A et al. Medikamentse antihyperglykmische Therapie des Diabetes mellitus Typ 2. Diabetologie und Stoffwechsel 2009; 4: 32-64

  5. Fachinformation Xelevia, Stand September 2012; Fachinformation Velmetia, Stand August 2012

Bildunterschrift: Professor Dr. Werner Kern
Bildquelle: BERLIN-CHEMIE AG

zuletzt bearbeitet: 29.01.2013 nach oben

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