Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130204b

Insulinanaloga dürfen Diabetes-Patienten finanziell nicht belasten

DDH-M und DDB kritisieren Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA

Deutsche Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes (DDH-M) schließt sich Kritik des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) an geplanter G-BA-Regelung an

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) plant, moderne Insulinanaloga mit einem Festbetrag zu belegen. Diese sind derzeit teurer als Humaninsulin. Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2, die sich Insulinanaloga mit einem Pen spritzen, mssten bei dieser Neuregelung knftig entweder den Differenzbetrag zwischen Humaninsulin und Analoga selbst zahlen oder sich auf Humaninsulin umstellen lassen.

Der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) kritisierte das Vorhaben des G-BA krzlich in einer Pressemitteilung. Deutsche Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes (DDH-M) schliet sich dieser Kritik an. Denn die Festbetrge wrden fr betroffene Patienten eine deutlichere finanzielle Mehrbelastung oder eine schlechtere Versorgung durch Humaninsulin bedeuten. Die Entscheidung ber das geplante Vorhaben fllt der G-BA am 21. Februar 2013.

Der G-BA plant, Humaninsulin und Analoga knftig in drei Gruppen zu je festen Betrgen einzuteilen: kurzwirksames Insulin, langwirksames Basalinsulin und Mischinsulin. Analoginsuline sind teurer als Humaninsulin. Diese Mehrkosten sollen jetzt auf die Patienten abgewlzt werden: Die Neuregelung wrde zustzliche Ausgaben fr alle Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 nach sich ziehen, die sich im Rahmen einer intensivierten Insulintherapie mit einem Insulinpen spritzen.

Der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) geht in seiner Pressemitteilung davon aus, dass der G-BA damit eine kostengnstigere Insulinversorgung insbesondere fr Typ-1-Diabetiker anstrebt. Sollten im aktuellen Fall die Pharmaunternehmen die Preise fr ihre Analoginsuline nicht senken, drohen den Patienten weitere Zuzahlungen fr mglicherweise anfallende Differenzbetrge, die gut im zweistelligen Euro-Bereich pro Insulinpackung liegen knnten.

Wer sich als Patient knftig keine Analoga mehr leisten knne, msse auf Humaninsulin umgestellt werden. Dadurch wrden Therapiemglichkeiten eingeschrnkt und medizinisch notwenige Versorgungsalternativen vorenthalten. Denn Insulinanaloga stellten eine therapeutische Verbesserung dar: Insbesondere die Verkrzung des Spritz-Ess-Abstandes erhht die Lebensqualitt der Erkrankten deutlich.

Die Deutsche Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes (DDH-M) warnt: "Das jetzige Ziel des G-BA fhrt nicht nur zu einer weiteren finanziellen Belastung der Betroffenen, sondern auch zu einer Einschrnkung der Therapiemglichkeiten, die wir nicht akzeptieren drfen", sagt Hartmut Steinbeck, Vorstandsmitglied der DDH-M. Dem stimmt Martin Hadder, Landesvorsitzender der DDH-M Nordrhein-Westfalen, zu: "Diabetiker, die mit Humaninsulin behandelt werden und keine starken Blutzuckerschwankungen in Kauf nehmen wollen, sind auf Zwischenmahlzeiten angewiesen - mssen also Essen und Insulinversorgung deutlich besser planen. Das ist besonders fr Erwerbsttige eine erhebliche Einschrnkung in der Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben."

Sollte das G-BA-Vorhaben verabschiedet werden, drohen weitere Konsequenzen: rzte knnten dann versuchen, vermehrt auf Insulinpumpentherapien auszuweichen. Denn fr diese soll es keine Festbetrge geben. Dies knnte jedoch die ohnehin schon ablehnende Haltung der Krankenkassen bei der Kostenbernahme von Insulinpumpen weiter verschrfen. Hartmut Steinbeck hat daher auch hier groe Bedenken: "Etwaige Versuche von rzten, ber die Befrwortung der Pumpentherapie einen Ausweg fr betroffene Patienten zu finden, knnte die Krankenkassen zu einer Erhhung der Anforderungen an die Anwendung der Pumpentherapie veranlassen. Somit wrde die Nichtanwendung des beabsichtigten G-BA-Beschlusses auf die Pumpentherapie zu einer Ungleichbehandlung und zu einer Einschrnkung der Therapiemglichkeiten fhren."

Der Beschluss zu den Festbetragsgruppen von Human- und Analoginsulinen wird am 21. Februar 2013 in der Plenumssitzung des G-BA verabschiedet.

Das knnte Sie auch interessieren:

zuletzt bearbeitet: 04.02.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.