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Mit Fäkalbehandlung Typ-2-Diabetes und überflüssigen Pfunden zu Leibe rücken?

Machen Darmbakterien dick?

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Im Darm eines gesunden Erwachsenen befinden sich insgesamt 10 bis 100 Billionen Darmbakterien. Die zwei wichtigsten Bakteriengruppen dieses "kosystems" sind die der Firmicutes und Bakteroidetes. Dass Darmbakterien nicht nur fr die Verdauung eine wichtige Rolle spielen, wei man schon lange. Die Ernhrung hat anscheinend auch einen Einfluss auf das Verteilungsmuster der Darmbakterien. Gert die "gesunde" Balance ins Wanken, kann das auch Auswirkung auf den Zuckerstoffwechsel haben. ber eine besondere Behandlungsart, die "Fkaltherapie", berichten Forscher aus den Niederlanden. Tierrzte haben die Fkaltherapie schon vor Jahrhunderten bei Pferden und Khen angewendet. Nun wird sie beim Menschen "modern".

Bei der 18. Jahrestagung der Nordrhein-Westflischen Gesellschaft fr Endokrinologie und Diabetologie in Aachen stellte am 18. Januar 2013 Prof. Michael Roden, Dsseldorf die Daten ber Stoffwechseleffekte der "Fkaltherapie" von Vrieze et al. vor: Die Amsterdamer Autoren hatten gefunden, dass intraduodenale Infusion kleiner Stuhlmengen von gesunden, schlanken Spendern 6 Wochen spter die Insulinempfindlichkeit bei bergewichtigen, mnnlichen Patienten mit Metabolischem Syndrom erhhte.[1]

Die mittlere Glukoseverschwinderate stieg in dieser Studie von 26.2 auf 45.3 mikromol/kg/min, p<0.05. Auch die Butyrat-produzierenden Bakterien im Darm wurden verndert gefunden. Die gleiche Arbeitsgruppe publizierte auch Resultate mit der "fecal microbiota transplantation" (FMT, Stuhlbakterientransplantation) bei Patienten mit rezidivierender pseudomembranser Enterokolitis. Die Erfolgsrate lag bei 81 % damit weit ber der einer Vancomycingabe allein oder mit Darmlavage (31 % bzw. 23 %, beide p<0.001). Wegen dieser eindeutigen Resultate bei einer Interimsanalyse wurde die Studie vorzeitig beendet.eins[2]

Kommentar des Referenten

ber gute Erfolge mit der Fkaltherapie bei Patienten mit schwersten Durchfallerkrankungen vom Typ der pseudomembranser Enterokolitis wurde schon 1958 von rzten aus Denver, USA berichtet. In der Folgezeit wurde die Rolle von Clostridium difficile erkannt und die gezielte antibiotische Therapie zum Standard. Heute erleiden aber 25 % der antibiotisch behandelten Patienten ein Rezidiv, und davon weitere 35-45 % nochmals Rckflle.[3] Die Daten der Amsterdamer Gruppe[2] sprechen hier die die Fkaltherapie. Die Stuhlbakterientransplantation wird auch zur Behandlung von entzndlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder des Reizdarmsyndroms diskutiert, eine genderte Darmbakterien-Zusammensetzung fr die Entstehung etwa von Dickdarmkrebs.

Die Ergebnisse der Fkalbehandlung bei Stoffwechselerkrankungen[1] rcken den Darm erneut in den Vordergrund des Interesses der Stoffwechselforscher. Schon vor Jahren wurden Befunde erhoben, dass im Darm von bergewichtigen und Typ-2-Diabetespatienten ein Ungleichgewicht zwischen den beiden wichtigsten Darmbakteriengruppen der Firmicutes und der Bakteroidetes bestnde.[4] Die Ernhrung hat anscheinend einen Einfluss auf das Verteilungsmuster der Darmbakterien, wie auch auf dem Europischen Adipositaskongress in Lyon 2012 an 26 adipsen und 27 nicht adipsen Kindern berichtet wurde. Bei bergewichtigen Kindern beobachtete man vermehrt Bakterien der Gruppe Firmicutes im Vergleich zu Bakteroidetes.

Die "Mikrobiom"-Forschung ergnzt die Charakterisierung der Eiweizusammensetzung ("proteomics") und das Studium der komplexen Stoffwechselprozesse ("metabolomics"). Sie belebt auch die Diskussion um den Einflu der Nahrungszusammensetzung auf die Darmflora: Fast Food, Rohkost mit Obst und Gemse oder eine fett- und kohlenhydratreiche Kost knnen offenbar eine unterschiedliche bakterielle Besiedelung im Darm hervorrufen.

Durch "Prebiotics"[5] in der Nahrung, also kaum unverdauliche Nahrungsbestandteile wie Faserstoffe, trans-Galaktooligosaccharide oder Inulin soll das Wachstum von "guten" Bakterienstmmen im Darm angeregt und damit der Stoffwechsel gnstig beeinflusst werden. Von den "guten" Bakterien, in Lebensmitteln wie etwa Joghurt enthalten oder auch zugesetzt ("Probiotika"), kommen allerdings nach der Magenpassage nur wenige im Darm an. Die Nahrungsmittelindustrie hat sich der werbewirksamen Bezeichnungen "prbiotisch" oder "Probiotika" bemchtigt. Probiotisch bedeutet "fr das Leben" im Gegensatz zu antibiotisch, wrtlich "gegen das Leben".

Ein interessantes medizinhistorisches Detail zum Schluss, gefunden in "Spiegel online" vom 17. Januar 2013: In frherer Zeit htten "Pferdedoktoren einem Ross mit Darmkoliken eine Brhe eingeflsst, die man mit Pferdepfeln eines gesunden Tieres angerhrt" htte. Diese Therapie sei "Transfaunierung" genannt worden.[6] Den Ausdruck konnte ich trotz intensiver Suche weder im Internet noch in Bchern finden. Sie wird in der Veterinrmedizin offenbar heute nicht mehr angewandt. Jetzt erlebt die Fkaltherapie eine Renaissance beim Menschen.

Quellen

  1. A. Vrieze et al.: Transfer of intestinal microbiota from lean donors increases insulin sensitivity in individuals witrh metabolic syndrome. Gastroenterology 2012 oct; 143(4):913-6.e7. doi: 10.1053/j.gastro.2012.06.031. Epub 2012 Jun 20

  2. E. van Nood et al.: Duodenal infusion of donor feces for recurrent Clostridium difficile. New Engl.J.Med., January 16, 2013. DOI: 10.1056/NEJMoa1205037

  3. C.P. Kelly: Fecal microbiota transplantation - and old therapy comes of age. Editorial. New Engl. J. Med., January 16, 2013. DOI: 10.1056/NEJMe1214816

  4. J. Qin et al.: A metagenome-wide association study of gut microbiota in type 2 diabetes. Nature 2012; doi:10.1038/nature11450

  5. M. Roberfroid et al.: Prebiotic effects: metqabolic and health benefits. Br. J. Nutr. 2010 Aug; 104 Suppl. 2: S1-63. doi: 10.1017/(S0007114510003363

  6. J. Blech: Fkalien-Transplantation: Ekel-Therapie heilt Darmkrankheiten. Spiegel online vom 17.1.2013

zuletzt bearbeitet: 10.02.2013 nach oben

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