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Warum Diäten beim Abnehmen oft nicht helfen

Neurophysiologen erkennen Zusammenhang zwischen Hirnstruktur und Körpergewicht

Mehr als ein Drittel der Deutschen ist bergewichtig, ein Fnftel sogar adips. Neueste bildgebende Befunde und Verhaltensstudien zeigen, dass bei bergewichtigen belohnungsrelevantes Verhalten und Hirnregionen verndert sind. Diese Areale bestimmen nicht nur ber das Essverhalten, sondern auch ber den Erfolg von Diten. Die aktuellen Ergebnisse ihrer bergewichtsforschung stellen die Forscher auf der 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft fr Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) vom 21. bis 23. Mrz 2013 in Leipzig vor und diskutieren unter anderem, warum es bergewichtigen Frauen schwerer fllt als normalgewichtigen Frauen, einem Stck Schokolade zu widerstehen.

bergewichtige Menschen werden oft fr ihr Krpergewicht verantwortlich gemacht. "In wieweit die bergewichtigkeit in der Eigenverantwortung der Betroffenen liegt ist allerdings noch unklar. Einige Studien weisen darauf hin, dass auch Veranlagungen zu bermigem Essen fhren knnen", erklrt Privatdozent Dr. med. Burkhard Pleger, Oberarzt an der Tagesklinik fr kognitive Neurologie des Universittsklinikums Leipzig. Hirnregionen, die fr Belohnung verantwortlich sind und unser Essverhalten beeinflussen, seien bei bergewichtigen anders strukturiert als bei Normalgewichtigen, erklrt der Neurowissenschaftler im Vorfeld der DGKN-Jahrestagung die aktuellen Ergebnisse: "Ob diese Vernderungen aus dem beressen resultieren, oder ob sie eine Veranlagung darstellen, ist Gegenstand aktueller Forschung."

Beobachten Forscher diese Hirnregionen genauer, so zeigen sich berraschende geschlechtsspezifische Unterschiede: Bei Frauen sind Hirnregionen, welche die automatische und zielgerichtete Verhaltenskontrolle untersttzen umso strker verndert, je grer ihr Krpergewicht ist. "In Verhaltensexperimenten neigen bergewichtige im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen eher dazu, kurzfristige Belohnungen zu whlen, auch wenn negative Konsequenzen folgen: Sie gnnen sich schneller ein Stck Schokolade - auch wenn sie wissen, dass es fr die Figur nachteilig ist. Dieser Unterschied ist bei Mnnern nicht zu beobachten", erlutert Dr. rer nat. Annette Horstmann, Neurobiologin in der Abteilung Neurologie des Max-Planck-Instituts fr Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig. "Die Grenunterschiede der Hirnareale lassen uns vermuten, dass Frauen eine strkere Willenskraft aufbringen mssen, um ihr Verlangen nach Essen zu regulieren. Gleichzeitig wre das eine Erklrung, warum bei vielen bergewichtigen Diten keinen Erfolg zeigen", so die DGKN-Expertin.

Die Situation sei vergleichbar mit den Symptomen anderer Suchterkrankungen: starkes Verlangen, mangelnde Selbstkontrolle und der Bedarf immer grerer Mengen. "Daher ist es notwendig, die Therapie der Fettsucht hnlich wie die Therapie von Alkohol- und Drogenabhngigen aufzubauen" so Professor Dr. med. Joseph Claen, Tagungsprsident der 57. Jahrestagung der DGKN und Direktor der Klinik fr Neurologie am Universittsklinikum Leipzig. "Die Therapie der bergewichtigkeit besteht aus einer psychologischen Betreuung sowie Ernhrungsaufklrung und -umstellung. Sie muss an die individuellen Probleme der Betroffenen angepasst werden. Diese Probleme mssen wir jedoch zunchst verstehen lernen. Hierzu kann die Hirnforschung einen mageblichen Beitrag leisten", stellt Pleger fest. Im Rahmen der 57. Jahrestagung der DGKN in Leipzig stellen die Leipziger Forscher ihre aktuellen Ergebnisse in einem Symposium am Freitag, dem 22. Mrz 2013 vor.

zuletzt bearbeitet: 16.02.2013 nach oben

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