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G-BA-Beschluss zu Linagliptin für Diabetiker

Deutsche Diabetes Gesellschaft befürchtet Therapieeinschränkungen für 650.000 Diabetespatienten

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 21. Februar 2013 entschieden, dass das Diabetesmedikament Linagliptin keinen Zusatznutzen gegenber Sulfonylharnstoffen bietet. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hlt diese Entscheidung fr wissenschaftlich nicht nachvollziehbar und sieht die Therapiesicherheit von Hunderttausenden Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland gefhrdet. Sollten politische Entscheidungen Medikamente wie Linagliptin, sogenannte DPP-4-Inhibitoren, vom deutschen Markt verdrngen, befrchtet die DDG gravierende therapeutische Einbuen fr rund 650.000 Menschen mit Diabetes mellitus.

"Als Konsequenz dieses Beschlusses mssten Tausende Diabetespatienten auf die Vorteile der DPP4-Inhibitoren verzichten und auf Sulfonylharnstoffe umgestellt werden", erlutert Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Prsident der DDG. Damit steige bei diesen Patienten die Gefahr zur Entwicklung von Unterzuckerungen, die teilweise lebensbedrohlich werden knnen. Das sei fr Betroffene aber auch fr rzte rechtlich wie ethisch vllig inakzeptabel.

Wie alle anderen internationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaften auch, hlt es die DDG aufgrund der vorliegenden Studien unzweifelhaft fr erwiesen, dass Unterzuckerungen, sogenannte Hypoglykmien, unter DPP4-Inhibitoren erheblich seltener auftreten als unter Sulfonylharnstoffen. "Fr viele Patienten ist die Einnahme von DPP-4-Inhibitoren deshalb von Vorteil", betont Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG. Die europische Diabetesgesellschaft (EASD) sowie die Amerikanische Diabetesgesellschaft (ADA) befrworten in einem gemeinsamen Positionspapier den Einsatz von DPP-4-Inhibitoren, wenn Hypoglykmien vermieden werden sollen.

Dies ist der Fall insbesondere bei Patienten mit eingeschrnkter Nierenfunktion, Herz- Kreislauf-Erkrankungen und bei lteren Patienten. Es gilt auerdem fr Menschen mit Diabetes, bei denen das Auftreten von schweren Unterzuckerungen berufsbedingt eine Eigen- oder Fremdgefhrdung darstellt, etwa bei Berufskraftfahrern. Zumindest fr diese Patientensubgruppen htte der G-BA einen Zusatznutzen fr die Behandlung mit einem DPP-4-Inhibitor attestieren mssen, erklrt die DDG dazu in einer Stellungnahme.

Der G-BA hatte die selteneren Unterzuckerungen unter Linagliptin nicht auf die Eigenschaften des Wirkstoffs, sondern auf unterschiedliche Therapiestrategien in den jeweiligen Studien zurckgefhrt. Diese Einschtzung wies die DDG als unwissenschaftlich zurck - mit dem Hinweis, dass die Methodenkritik des G-BA widersprchlich sei, wissenschaftlichen Standards widerspreche und ethisch nicht zu vertretende Vergleichsstudien fordere. Der Hersteller hatte Linagliptin in Deutschland noch vor Marktzulassung zurckgezogen, da die negative Entscheidung des G-BA zu befrchten war.

Nach dem aktuellen Entscheid des G-BA droht damit in Deutschland die Nicht-Verfgbarkeit fr die DPP-4-Inhibitoren, so die DDG. Da die Studien-Evidenzlage zu den anderen DPP4-Inhibitoren (Sita-, Vilda- und Saxagliptin) der von Linagliptin sehr hnlich ist, wird das IQWiG diesen Substanzen (vermutlich Anfang 7/2013) ebenfalls keinen Zusatznutzen attestieren und der G-BA das Aus fr die gesamte Wirkstoffklasse dann im August 2013 beschlieen. "Dies wrde die Patienten in Deutschland vom weltweiten leitliniengerechten Therapiefortschritt komplett abkoppeln", so Fritsche. Darber hinaus knnte Deutschland als Standort fr wissenschaftliche und klinische Weiterentwicklungen an Attraktivitt einben. Linagliptin ist in Deutschland entwickelt worden und wird hier auch fr den Weltmarkt produziert.

Die vollstndige Stellungnahme ist einzusehen unter: http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/stellungnahmen

zuletzt bearbeitet: 27.02.2013 nach oben

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