Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130309

Nierenversagen als Folge von Diabetes und Bluthochdruck

Aminosäuren können Überlebensrate von Dialyse-Patienten verbessern

Veränderung von Proteinen durch Cyanat bei Nierenversagen und die Folgen
Zum Vergrern bitte auf das Bild klicken.
Ein verndertes Blutprotein erhht bei Dialyse-Patienten das Sterblichkeitsrisiko. Das berichten Forscher aus Wrzburg und Boston in "Science Translational Medicine". Sie haben auch eine Idee, wie sich der Risikofaktor ausschalten lassen knnte.

Diabetes und Bluthochdruck knnen dazu fhren, dass die Nieren nicht mehr richtig funktionieren und am Ende ihren Dienst versagen. Fr die Betroffenen ist das lebensgefhrlich. Sie mssen dann regelmig zur Dialyse ? wobei die knstliche "Blutwsche" die Funktion der Nieren nur zu etwa zehn Prozent bernehmen kann. Auer Lebensgefahr sind Dialyse-Patienten darum erst dann, wenn sie eine Niere transplantiert bekommen. Doch dieses Glck hat nicht jeder, da Spenderorgane rar sind.

Warum ist es so fatal, wenn die Nieren ihre Arbeit nicht mehr tun? Weil sich im Blut dann Abfallstoffe anhufen, die eigentlich mit dem Harn aus dem Krper ausgeschieden werden sollen. Dadurch wchst das Risiko fr zustzliche Krankheiten, etwa fr Arterienverkalkung (Atherosklerose), Herzinfarkte und Schlaganflle.

Harmloser Harnstoff ergibt toxisches Cyanat

Im Blut von Nierenkranken huft sich unter anderem Harnstoff an, ein eigentlich harmloses Abfallprodukt des Stoffwechsels. "Aus dem Harnstoff kann allerdings toxisches Cyanat entstehen, das sich an die Blutproteine bindet", erklrt die rztin Christiane Drechsler aus der Nephrologie des Wrzburger Universittsklinikums.

Das gefhrliche Cyanat setzt sich auch an Albumin fest, einem der wichtigsten Blutproteine. Das hat drastische Folgen: Das carbamylierte Albumin ? so der Fachausdruck ? neigt nun dazu, sich an schadhafte Stellen in den Blutgefen anzulagern. Damit verstrkt es den Prozess der Arterienverkalkung und mindert so die berlebenschancen der Dialyse-Patienten.

Aminosuren knnen Risiko verringern

"Wir haben einen deutlichen Zusammenhang gefunden: Je mehr carbamyliertes Albumin im Blut ist, desto kleiner fllt die berlebenschance der Patienten aus", sagt Christiane Drechsler. Und die Konzentration des gefhrlichen Albumins wiederum ist umso hher, je weniger Aminosuren sich im Blut befinden. Denn offenbar knnen Cystein, Histidin, Lysin und andere Aminosuren die Entstehung des "Risiko-Albumins" verhindern ? auch das haben die Wrzburger Wissenschaftler mit Kollegen aus Boston (USA) nachgewiesen. Fr die Studie wurden Daten von 1.255 Dialyse-Patienten ausgewertet.

Pilot-Studie mit 200 Patienten geplant

Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des Journals "Science Translational Medicine" verffentlicht. Sie zeigen einen neuen Weg auf, ber den sich die Lebenserwartung von Nieren- und Dialyse-Patienten mglicherweise erhhen lsst: durch die Verabreichung von Aminosuren als vorbeugendes Mittel. "Ob das funktioniert, wollen wir nun mit rund 200 Dialyse-Patienten in einer Pilotstudie klren, die wir derzeit vorbereiten", so Professor Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Wrzburger Universittsklinikum.

Drei Hauptertrge der Untersuchung

Die Studie der Wrzburger und Bostoner Wissenschaftler zeigt nicht nur eine neue Mglichkeit auf, die berlebensraten von Dialyse-Patienten zu verbessern. Sie birgt noch zwei weitere Vorteile, wie Christiane Drechsler erklrt: "In der Diagnostik bietet sich carbamyliertes Albumin als prognostischer Marker an. Auerdem knnte daraus ein Marker werden, mit dem sich die Qualitt der Dialyse-Behandlung ber einen lngeren Zeitraum beurteilen lsst, hnlich wie beim HbA1c-Test fr Diabetiker."

Publikation: "Carbamylation of Serum Albumin as a Risk Factor for Mortality in Patients with Kidney Failure", Anders H. Berg, Christiane Drechsler, Julia Wenger, Roberto Buccafusca, Tammy Hod, Sahir Kalim, Wenda Ramma, Samir M. Parikh, Hanno Steen, David J. Friedman, John Danziger, Christoph Wanner, Ravi Thadhani, S. Ananth Karumanchi. Science Translational Medicine, 6. Mrz 2013, Vol. 5 Issue 175, p. 175ra29, DOI: 10.1126/scitranslmed.3005218

Bildunterschrift: Vernderung von Proteinen durch Cyanat bei Nierenversagen und die Folgen
Grafik: Anders Berg und Christiane Drechsler

Das knnte Sie auch interessieren:

zuletzt bearbeitet: 09.03.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.