Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130318

Vorsorgeuntersuchung auf Diabetes gut fürs Herz?

Verbessert gezieltes Diabetes-Screening die Herz-Kreislauf-Prognose?

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Gezieltes Screening auf Diabetes in Hochrisikogruppen ergab zahlenmig keinen Unterschied fr deren Herzkreislauf-Prognose gegenber Patienten, bei denen die Diagnose auf Grund klinischer Symptome gestellt wurde. Da aber die Hochrisikopatienten schon zu Beginn der Studie mehr kardiovaskulre Erkrankungen hatten, erscheint dennoch ein Nutzen gegeben.

Klein Woolthuis und Mitarbeiter aus Nijmegen fhrten die Studie in 10 niederlndischen Hausarztpraxen an 45- bis 75-jhrigen Diabetespatienten ber 10 Jahre durch. Gescreent wurden Patienten ohne bekannten Diabetes, die aber eine familirer Diabetesbelastung, kardiovaskulre Erkrankungen, bergewicht, Bluthochdruck, Hypercholesterinmie oder einen Gestationsdiabetes hatten (Gruppe 1). Bei der zweiten Gruppe wurde der Typ-2-Diabetes durch die Symptome Polyurie oder Polydipsie und/oder diagnostisch erhhte Blutzuckerwerte festgestellt. Die 359 durch Screening und die 206 klinisch diagnostizierten Patienten wurden bis zu 10 Jahre lang nachbeobachtet. Der Komposit- Endpunkt bezog sich auf Herz-Kreislauf-Tod und nicht-tdlichem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Nach etwa 7½ Jahren fand sich fr diesen kein Unterschied zwischen den zwei Gruppen: 9.5 % bzw. 10.2 %, p=0.78. Zu bercksichtigen ist aber, dass zu Beginn in der gescreenten Hochrisikogruppe entsprechend den Selektionskriterien mehr Patienten mit prexistenten Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren als in der 2. Gruppe (16.9 % vs. 7.1 %, p=0.002). Da die Rate kardiovaskulrer Endpunkte nach ber 7 Jahren fr die gezielt gescreente Hochrisiko-Gruppe trotzdem nicht hher war, erscheint ein Nutzen des Screenings gegeben. Nach 1.5 Jahren begannen sich die kumulativen Hazard-Kurven zu trennen und der Unterschied hielt bis zum 10. Jahr an. In Subanalysen erreichte die Differenz fr nicht-tdliche Herzinfarkte statistische Signifikanz, der kardiovaskulre Tod war in der gezielt gescreenten Hochrisikogruppe seltener.

Kommentar des Referenten

"Screenen oder nicht screenen", das ist die Frage - seit Jahrzehnten. Auf dem EASD-Kongress 2012 in Berlin wurde die ADDITION Cambridge-Studie vorgestellt, die keinen Nutzen fr ein Screening erbracht hatte. Auch dort wurden Hochrisiko-Personen gescreent. Die hier referierte Untersuchung zeigte, dass eine frhzeitige, gute Diabeteseinstellung bei Patienten mit schon prexistenten kardiovaskulren Erkrankungen von Nutzen war. Also: breites, ungezieltes Screenen - eher nein (?), gezieltes Screenen bei Herz-Kreislauf-Patienten - (eher) ja!

Literatur

  • E.P. Klein Woolthuis et al.: Vascular outcomes in patients with screen-detected or clinically diagnosed type 2 diabetes: Diabscreen Study follow-up. Ann. Fam. Med. 2013; 11: 20-27

  • H. Schatz: Screening auf Diabetes und allgemeine 'Gesundheits-Check-ups' ohne viel Nutzen? DGE-Blog-Beitrag vom 2. November 2012

  • R.K. Simmons et al.: Screening for type 2 diabetes and population mortality over 10 years (ADDITION-Cambridge): a cluster-randomized controlled trial. Lancet 2012. 380:1741-1748

zuletzt bearbeitet: 18.03.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Lasar Liepins

Lasar Liepins

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.