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DDB-Protest zeigt Wirkung: Ministerium spricht Machtwort bei Festbeträgen für Insuline

Diabetespatienten in Deutschland können aufatmen

Diabetiker demonstrieren vor dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gegen Einschränkungen in der Diabetikerversorgung Die geplante Neuregelung, Human- und Analoginsuline in Festbetragsgruppen einzuteilen, ist erstmal vom Tisch. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat den betreffenden Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom Februar gekippt, in dem es eine Beanstandung aussprach. Damit ist das Ministerium der gleichen Auffassung wie der Deutsche Diabetiker Bund (DDB), der den G-BA-Beschluss scharf kritisiert hat.

"Beurteilungs- und Begrndungsfehler" seien in dem G-BA-Beschluss gemacht worden, der sich als "unvereinbar mit den gesetzlichen Vorgaben" darstelle, beanstandet das BMG. Es sei auch nicht gewhrleistet, dass "Therapiemglichkeiten nicht eingeschrnkt werden". Der Beschluss tritt somit nicht in Kraft.

Riesenerfolg fr DDB

"Das ist ein Riesenerfolg fr den Deutschen Diabetiker Bund!", sagt der DDB-Bundesvorsitzende Dieter Mhler. "Und die Besttigung, dass wir eine gute, ordentliche Arbeit machen und Menschen mit Diabetes bei uns gut aufgehoben sind." Erst vor kurzem hat der DDB in einem Schreiben an den Bundesgesundheitsminister erneut auf die Problematik der Insulin-Festbetrge fr die Versorgung von Diabetespatienten hingewiesen. Der Protest des Diabetiker Bundes hatte sogar zur Folge, dass seine Patientenvertreterin aus dem Unterausschuss Arzneimittel des G-BA ausgeschlossen wurde, die auf Einstellung des Verfahrens gedrngt und ihre Kritik daran ffentlich geuert hat.

Der Gemeinsame Bundesausschuss plante, fr Humaninsulin und Analoga drei Festbetragsgruppen zu bilden: fr kurzwirksame Insuline, langwirksame Basalinsuline und Mischinsuline. Damit sollten Kosten in der Versorgung von Diabetikern eingespart werden, denn Analoginsuline sind teurer als Humaninsulin. Der Beschluss betraf Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes, die auf intensivierte Insulintherapie eingestellt sind und sich mit einem Insulinpen spritzen. Da von der Gruppenbildung die Durchstechflaschen fr Insulinpumpen ausgenommen waren, galt die G-BA-Entscheidung nicht fr Insulinpumpentrger.

Diabetiker sollten nach dem Willen des G-BA mglicherweise anfallende Differenzbetrge selbst bezahlen. Derzeit ist die Kostenbernahme von Analoginsulin fr alle Diabetespatienten sichergestellt bzw. aufgrund der Verordnungsausschlsse bei Typ-2-Diabetes durch Rabattvertrge zwischen Kassen und Insulinherstellern geregelt. Analoginsuline sind fr Diabetespatienten hufig vorteilhafter, gerade wenn es um die Vermeidung von gefhrlichen, teilweise lebensbedrohlichen Hypoglykmien geht, betonen die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und der wissenschaftliche Beirat des DDB bereinstimmend.

G-BA vergisst Kinder und Jugendliche

Das BMG beanstandet an dem G-BA-Beschluss auch, dass junge Diabetiker keine gesonderte Bercksichtigung darin finden. Es verweist auf den Verordnungsausschluss von schnellwirkenden Analoginsulinen fr Typ-1-Diabetiker vom Mai 2008, der vom Gesundheitsministerium hinsichtlich der Kinder und Jugendlichen teilbeanstandet worden war. Damit habe es bereits deutlich gemacht, "dass eine generell erzwungene Therapieumstellung von Insulinanaloga auf Humaninsulin fr diese besonders schutzwrdige Patientengruppe eine unzumutbare Belastung darstellt", so das BMG. Eine Einschrnkung bei den Festbetrgen fr Kinder und Jugendliche htte unbedingt erwhnt werden mssen.

Rabattvertrge sind ausreichend!

Gegen die Beanstandung kann der Gemeinsame Bundesausschuss innerhalb eines Monats klagen. "Ein komplett neues Verfahren zu den Festbetrgen halte ich fr obsolet und nicht notwendig", erklrt Mhler. "Die Rabattvertrge sind vllig ausreichend."

Bildunterschrift: Diabetiker demonstrieren vor dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gegen Einschrnkungen in der Diabetikerversorgung
Bildquelle: Deutscher Diabetiker Bund (DDB)

zuletzt bearbeitet: 04.04.2013 nach oben

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