Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130508c

Untersuchung der Darmflora könnte Früherkennung und Behandlung des Typ-2-Diabetes verbessern

Vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von Diabetes Typ 2

Die Darmflora im menschlichen Krper ist ein komplexes kosystem, das von einigen tausend Bakterienarten besiedelt ist. Ihr Gesamtgewicht betrgt etwa 1,5 Kilogramm. Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes (T2D) weisen Vernderungen in ihrer Darmflora auf. Diese von Gesunden abweichenden Merkmale knnten zuknftig zur Frherkennung und Behandlung von Diabetes beitragen.

Die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Darmbakterien und ihrem Wirt, dem Menschen, steht allerdings noch am Beginn. ber diesen Forschungsansatz diskutieren Wissenschaftler beim Diabetes Kongress 2013, der 48. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft, unter dem Motto "Forschung von heute fr die Praxis von morgen" vom 8. bis 11. Mai 2013 in Leipzig.

Whrend der gemeinsamen Entwicklung von Mensch und Mikroben wurde der menschliche Darmtrakt von einigen tausend Bakterienarten besiedelt, deren Gesamtgewicht ungefhr 1,5 Kilogramm ausmacht. "Die Gene der heutzutage im Darmtrakt gesunder Menschen lebenden Bakterien sind in der Summe zahlreicher als die des menschlichen Organismus", sagt Professor Dr. Michael Roden, Leiter der Univ. Klinik fr Endokrinologie und Diabetologie, des Instituts fr Klinische Diabetologie und Wissenschaftlicher Geschftsfhrer des Deutschen Diabetes-Zentrums, Leibniz Zentrum fr Diabetesforschung an der Heinrich-Heine-Universitt Dsseldorf. Nach aktuellen Analysen umfasst das Erbgut des Bakterienbestands in der Darmflora rund 3,3 Millionen Gene, im Vergleich zu nur 23.000 Genen des menschlichen Organismus.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Darmflora einzelner Menschen in hohem Ma bereinstimmt. Auf der Grundlage des Genstammes der Darmbakterien knnen Einzelpersonen in drei Gruppen, die sogenannten Enterotypen, eingeteilt werden, erklrt Professor Roden: "Jeder Enterotyp zeichnet sich durch ein anderes bakterielles kosystem aus, mit vorwiegendem Anteil von 'Bacteroides', 'Prevotella' oder 'Ruminococcus'. Personen knnen sich somit in der Zusammensetzung der Bakterienarten, den Enterotypen und den bakteriellen Genen unterscheiden."

Solche Merkmale der menschlichen Darmflora seien von groem Interesse fr die Erforschung von vorbeugenden und therapeutischen Anstzen des Typ-2-Diabetes, erlutert Roden: "Anhand einer Studie, in der 345 Personen chinesischer Herkunft untersucht wurden, konnte gezeigt werden, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes eine vernderte Darmflora aufweisen, in der bestimmte Bakterien mit ganz spezifischen Genen vermehrt vorkommen." Ein daraus abgeleiteter Mikrobiota-T2D-Index knnte zuknftig bei der Untersuchung bislang gesunder Menschen die Vorhersage einer Diabetes-Erkrankung mit rund 80 Prozent Treffsicherheit ermglichen.

Bei Menschen mit Adipositas und bereits bestehendem Typ-2-Diabetes scheint eine Wiederherstellung einer gesunden Darmflora bisher schwierig und meist nur vorbergehend erreichbar. "Allerdings fhrt die Verwendung von Probiotika im Tiermodell sowie in einer noch geringen Anzahl von klinischen Studien zu vielversprechenden Ergebnissen", sagt Professor Roden. Probiotika sind Zubereitungen aus lebenden Mikroorganismen wie etwa Milchsurebakterien, die verzehrt werden.

Auch der sogenannte Fkaltransfer knnte ein mglicher therapeutischer Ansatz sein, der bereits bei Clostridium difficile-Erkrankungen erfolgreich eingesetzt wird: Dabei werden Exkremente eines gesunden Menschen in den Darm des Erkrankten verpflanzt. "In einer Untersuchung fhrte die bertragung von Darmbakterien schlanker Personen in den Darm von Personen mit metabolischem Syndrom bei diesen nach sechs Wochen zu einer Verbesserung der Insulinempfindlichkeit", so Professor Roden.

Alle Informationen zum Diabetes Kongress 2013 sind im Internet unter www.diabeteskongress.de erhltlich. Kurzfilme mit Interviews und Beitrgen zum Diabetes Kongress 2013 finden Interessierte in der Videogalerie.

zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.