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Motivation bei Diabetes mellitus

Pressemitteilung: BERLIN-CHEMIE AG

Neue Wege gehen - hin zur erwünschten Lebensqualität

Um Diabetespatienten in verschiedensten Krankheitsphasen zu motivieren, sind soziale Kompetenzen von rzten gefragt. Ein Symposium der BERLIN-CHEMIE AG auf dem Wiesbadener Kongress der Deutschen Gesellschaft fr Innere Medizin (DGIM) stellte patientenzentrierte Anstze vor, die die Lebensqualitt der Patienten im Auge behalten.

Wenn es um die Motivation bergewichtiger Patienten zur Gewichtsreduktion geht, "prallen im Sprechzimmer zwei Welten aufeinander", sagte Dr. med. Christian Klepzig, Offenbach am Main. Auf der einen Seite sitzt der Mediziner, wohlwissend, dass jedes Kilogramm Krpergewicht weniger zu einer Verbesserung des Blutdrucks, metabolischer Werte und orthopdischer Probleme fhrt. Auf der anderen Seite sitzt der Patient, der mit all seinen Schwchen angenommen werden sollte. "Das Thema bergewicht muss insgesamt wertfrei und realistisch angesprochen werden", hob Klepzig hervor. Der Ansto dazu, berhaupt ber eine Gewichtsreduktion zu reden, msse allerdings vom Patienten ausgehen. Der Mediziner aus Offenbach am Main wies darauf hin, dass die Wahrnehmung des Patienten im Hinblick auf seine Verzehrsmengen hufig verzerrt sei. Sehr hilfreich knne es zum Beispiel sein, den Gewichtsverlust zu visualisieren.

Klepzig stellte die Eignung des BMI als Goldstandard zur Beurteilung von bergewicht in Frage. Ein hoher BMI bei einem sportlichen Menschen sei anders zu bewerten als bei einem bewegungsarmen Patienten. "Die wichtigste Rolle bei der Gewichtsreduktion spielt letztlich die krperliche Bettigung", unterstrich Klepzig, denn: "Die Zusammenhnge zwischen Bewegung und langer Lebenserwartung sind wissenschaftlich besser belegt als jene zwischen gesunder Ernhrung und langem Leben." Ein Schrittzhler kann nach Klepzigs Erfahrung beispielsweise sehr hilfreich sein, um bergewichtige Patienten langsam und in ihrem Tempo an ausreichend Bewegung heranzufhren. Als Arzt gelte es eventuell einfach zu akzeptieren, dass das Gewicht des Patienten gleichbleibt, wenn dafr seine Fitness steigt.

"Nur wer berzeugt ist, berzeugt!"

Mit dem Thema kontinuierliche Patienten-Motivation zu Beginn und whrend einer Insulintherapie hat Dr. med. Rolf Gbel viel Erfahrung: "Wenn die Patienten von ihrem Hausarzt an uns berwiesen werden, sind sie zunchst noch motiviert, aber auch ngstlich. Viele geben ihre Motivation an der Rezeption ab und berlassen alle weiteren Entscheidungen den rzten." Zu diesem Zeitpunkt gilt es dann insbesondere, Therapiebarrieren zu beseitigen und Komorbiditten zu erkennen - besonders eine depressive Strung. "Fr viele Patienten ist der Beginn einer Insulintherapie ein groer Schritt", erklrte der Internist und Diabetologe aus Alar.

Ein wichtiger Grundsatz der Evidenz-basierten Medizin, der in neuen nationalen und internationalen Leitlinien betont wird, sei die Beteiligung des Patienten am medizinischen Entscheidungsprozess, bekrftigte Gbel. "Die wichtigste Ressource ist der Patient selbst. Was wnscht sich der Patient? Er muss die Therapieziele selbst erreichen, wir knnen ihn nur coachen und begleiten."

Helfen knne der Arzt insbesondere dabei, die bestehenden Barrieren der Insulintherapie zu beseitigen. Dabei handele es sich vor allem um die ngste der Patienten vor Spritzen und Nadeln, Gewichtszunahme und Hypoglykmien. In allen drei Bereichen knnten einfache Manahmen Abhilfe schaffen. "Die wichtigste Manahme ist immer eine gute Schulung", sagte der Experte. Gegen die Angst vor der Gewichtszunahme helfe Ernhrungsberatung, der Start einer moderaten Bewegungstherapie und der Einsatz von kurzwirksamen Analoginsulinen.

Gbel wies darauf hin, dass Insulin nach den neuen DDG-Leitlinien zwar weiterhin an zweiter Stelle der Therapie vorgesehen sei, die Insulinisierung in Deutschland jedoch nach wie vor um fnf bis sechs Jahre zu spt erfolge. Vor diesem Hintergrund sollten rzte zu Beginn einer Insulintherapie einen Aspekt grundstzlich beherzigen, rt Gbel: "Eine positive Einstellung des Behandlers zu Insulin bertrgt sich auf den Patienten. Nur wer berzeugt ist, berzeugt."

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Wege aus der Motivationsfalle

PD Dr. med. Matthias Frank, Neunkirchen, erklrte die Phasen, die Patienten beim Auftreten einer diabetesbedingten Folgeerkrankung durchlaufen: Angst (z. B. vor dem Tod), Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein, die Frage nach der eigenen Schuld und der Kausalitt der Erkrankung stehen im Raum, zudem Verdrngung und Wut. Erst am Ende dieses Prozesses steht die Akzeptanz.

Viele rzte reagieren auf die komplexe Gefhlswelt des Patienten sachorientiert und verweisen auf die wissenschaftliche Publikationslage. Frank empfiehlt dagegen ein patientenorientiertes Vorgehen, damit die unmittelbar erfahrene Lebensqualitt des Patienten in den Fokus rckt - fr den Experten der wichtigste Motivationsfaktor. "Was definiert die Lebensqualitt meines Patienten? Wir kennen seine erwnschte Lebensqualitt nicht. Die kennt nur der Patient selbst. Wir drfen dem Patienten nie unsere eigenen Vorstellungen berstlpen."

Der Internist und Diabetologe erluterte, mit welchen Methoden gemeinsam mit dem Patienten Therapieziele entwickelt werden knnen. Besonders geeignet sei seiner Erfahrung nach der sogenannte "WWSZ-Gesprchsstil": "Dazu gehrt das (Ab-)Warten auf das, was der Patient dem Arzt von sich aus mitteilen will, das Wiederholen wichtiger Aussagen, das Spiegeln (insbesondere von Emotionen) und am Ende das Zusammenfassen der Aussagen. Anschlieen kann sich dann ein 'Change-Talk': Was spricht fr eine Verhaltensnderung? Welche Vorteile bringt es mir als Patient? Wann ist der richtige Zeitpunkt fr die Vernderung?"

"Die Gretchenfrage der Motivation ist: Wie lsst sich die Angst vermeiden?" Letztlich, erklrte Frank, knne nur der Patient selbst seinen Weg aus der Angst finden. "Aber wir knnen unseren Patienten neue Mglichkeiten aufzeigen. Zum Beispiel kann ein Wechsel der Therapiestrategie ein Weg aus der Motivationsfalle sein. Das 'Andenken' neuer Lebenswege bedeutet Entlastung statt Belastung und frdert die Bereitschaft des Patienten zuzuhren." Die Erkenntnisse aus der Motivationspsychologie brachte der Experte auf den Punkt: "Wenn Sehnschte zugelassen, Barrieren umgangen und Widerstnde vermieden werden, wird das Leben auch mit Folgeerkrankungen lebenswerter."

Quelle

Symposium der BERLIN-CHEMIE AG: "Der chronisch Kranke und sein Arzt", Kongress der Deutschen Gesellschaft fr Innere Medizin (DGIM) 2013, 09. April 2013, Wiesbaden.

Literatur

www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/leitlinien

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zuletzt bearbeitet: 14.06.2013 nach oben

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