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Typ-1-Diabetes kündigt sich durch Antikörper an

Bluttest ermöglicht vorbeugende Behandlung

Dr. Christiane Winkler, Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler In welchem Alter bei einem Kind ein Diabetes mellitus Typ 1 ausbricht, lsst sich jetzt erstmals genau abschtzen. In der grten internationalen Studie dieser Art fanden Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums Mnchen heraus: An Diabetes Typ 1 erkranken junge Menschen innerhalb von maximal 20 Jahren nach dem ersten Auftreten sogenannter multipler Antikrper im Blut - je nach individuellen Eigenschaften frher oder spter. "Unsere Erkenntnisse erlauben es, die Diagnose Diabetes Typ 1 zu stellen, noch bevor die Krankheit sich klinisch zeigt", sagt Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler aus dem Vorstand der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Direktorin des Instituts fr Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums Mnchen. Die frhe Erkennung biete auch Chancen fr verbesserte und vorbeugende Therapien.

Diabetes mellitus Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung und bricht meist im Kindes- und Jugendalter aus: Die krpereigene Abwehr zerstrt Zellen in der Bauchspeicheldrse, die das blutzuckersenkende Hormon Insulin produzieren. Dadurch kann der Krper den Blutzucker nicht mehr regulieren und die Betroffenen mssen lebenslang Insulin spritzen. Indikatoren des Angriffs auf die Bauchspeicheldrse sind Abwehrstoffe, die sich im Blut bilden. "Diese Autoantikrper entwickeln sich oft schon viele Jahre vor Ausbruch des Diabetes und kndigen ihn auf diese Weise an", berichtet Ziegler. "Einige Kinder haben bereits im Alter von drei Jahren verschiedene Autoantikrper im Blut." Die Institutsdirektorin begleitet in den Studien "BABYDIAB" und "BABYDIET" von Geburt an Kinder von Diabetikern, die ein erhhtes Erkrankungsrisiko haben.

Ihre jngste Auswertung ist jetzt im Journal of the American Medical Association (JAMA) erschienen. Dafr haben Ziegler und ihre Co-Autoren ihre Arbeiten mit zwei hnlichen Studien aus Finnland und den USA kombiniert und so Daten von insgesamt 13.777 Kindern ber einen Zeitraum von 20 Jahren verglichen. Mehr als 1.000 Kinder entwickelten Antikrper. Bei 585 lieen sich mehr als ein Typ von Antikrpern nachweisen. Von diesen Kindern erkrankten 70 Prozent in den folgenden zehn Jahren an einem Diabetes Typ 1. "Nach 15 Jahren waren es bereits 85 Prozent, zum Ende der Beobachtungszeit nahezu 100 Prozent", berichtet Ziegler. Kinder ohne Antikrper erkranken fast nie an einem Typ-1-Diabetes - das Zehn-Jahresrisiko betrug bei ihnen 0,4 Prozent.

"Die Studie belegt, dass der Ausbruch einer Diabetes-Erkrankung hufig vorhersehbar ist", sagt DDG-Prsident Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel. Der Nachweis der Antikrper biete eine Mglichkeit zur frhen Diagnose des Typ-1-Diabetes. Die Diagnose eines Prdiabetes knnte darber hinaus neue Ansatzpunkte fr eine Therapie ergeben, hofft Siegel. "Wir wissen heute, dass die Inselzellen nicht von heute auf morgen zerstrt werden." Der feindliche Angriff des Immunsystems ziehe sich vermutlich ber Wochen bis Jahrzehnte hin. "In dieser Zeit knnte eine Chance bestehen, wenigstens Teile der krpereigenen Insulinproduktion zu erhalten und die berschieende Immunreaktion zu kontrollieren", ergnzt Professor Dr. med. Ezio Bonifacio vom Forschungszentrum fr Regenerative Therapien an der Technischen Universitt Dresden, das an der Studie beteiligt ist.

Behandlungen mit antigen-basierter Immuntherapie werden derzeit bei Kindern und jungen Erwachsenen mit Antikrpern erprobt. "Diabetes ist eine epidemisch um sich greifende Erkrankung. Sie steht deshalb im Fokus unserer Forschung" so Professor Dr. rer. nat Gnther Wess, Wissenschaftlicher Geschftsfhrer des Helmholtz Zentrums Mnchen. "Die Ergebnisse internationaler Studien zu diesem Thema zu vereinen, bringt eindeutigen Erkenntnisgewinn auf dem Weg zur personalisierten Medizin."

Reihenuntersuchungen bei Kindern auf Antikrper wren durchaus sinnvoll, folgert Ziegler: "Wenn wir durch Screenings die Antikrper-Trger identifizieren, lieen sich bereits jetzt schwere Stoffwechselentgleisungen verhindern." Aufgrund der neuen Erkenntnisse liee sich Diabetes Typ 1 zuknftig in Krankheitsstadien einteilen und schon im prklinischen Stadium behandeln, meint Ziegler: "Wir wissen jetzt, ab wann die Uhr der Krankheit tickt und dass es keinen Weg zurck gibt - es sei denn, wir greifen wirksam vorbeugend ein."

Originalpublikation: Anette-G. Ziegler, Marian Rewers, Olli Simell, Tuula Simell, Johanna Lempainen, Andrea Steck, Christiane Winkler, Jorma Ilonen, Riitta Veijola, Mikael Knip, Ezio Bonifacio, George-S. Eisenbarth

Seroconversion to multiple islet autoantibodies and risk of progression to diabetes in children (JAMA 2013, im Druck)

Bildunterschrift: Dr. Christiane Winkler, Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler
Bildquelle: Helmholtz Zentrum Mnchen

zuletzt bearbeitet: 22.06.2013 nach oben

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