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Zusammenhang zwischen Optimismus und Cholesterinwerten

Ärzte sollen Patienten auch zu mehr Optimismus motivieren!

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Bei 990 Menschen im mittleren Alter von 55 Jahren war eine optimistische Lebenseinstellung mit der Hhe von HDL-Cholesterin positiv und mit der von Triglyceriden negativ korreliert, whrend keine Beziehung zum Gesamt- und LDL-Cholesterin gefunden wurde. Die Testpersonen stammten aus der Midlife in the United States (MIDUS - Studie. Der Bericht erschien am 15. Mai 2013 im American Journal of Cardiology.

Ausgangspunkt der Untersuchung war die Annahme, dass die Serumlipide als etablierte koronare Risikofaktoren zumindest teilweise vom gesundheitsbewussten Verhalten abhngig sind. Bereits vorliegende Untersuchungen hatten gezeigt, dass Optimisten bewusster essen sowie krperlich aktiver sind und nur mssig Alkohol trinken. Julia K. Boehm et al. berichten jetzt ber eine Untersuchung an >4000 im Jahre 1995 rekrutierten Personen, die 9-10 Jahre spter psychologisch und mit Biomarkern untersucht wurden. Die psychosoziale Situation wurde in einem Telefon-Interview mit einem von den Betroffenen selbst auszufllenden Fragebogen ermittelt, der optimistische und demographische Faktoren umfasste.

Etwas spter wurde dann bei einem stationren Aufenthalt ber Nacht morgens der Lipidstatus erhoben. Zudem wurden potentielle Einflussfaktoren (confounders) erfasst. Zur Einschtzung von Optimismus diente der "Revised 6-Item Life Orientation Test". Nach kovariater Adjustierung wurde gefunden, dass der Optimismus-Grad mit der Hhe des HDL-Spiegels anstieg und umgekehrt mit dem Zunahme der Triglyceride abfiel. Interessanterweise bestand keinerlei Zusammenhang mit dem Gesamt-Cholesterinwert und auch nicht mit dem LDL-Cholesterin.

Kommentar

Das American Journal of Cardiology widmete dieser Arbeit, die in einer Querschnittsstudie Surrogat-Parameter und keine kardiovaskulren (CV) Endpunkte untersuchte, immerhin sieben Druckseiten. Von Interesse war insbesondere, dass der etablierte CV-Risikofaktor LDL-Cholesterin vom Grad des Optimismus nicht beeinflusst wurde. Wie eigentlich zu erwarten, bestand das Verbindungsglied zwischen Optimismus und Lipiden vor allem in Art der Ernhrung und im Body Mass Index (BMI). Bewusste Ernhrung ("prudent diet"), krperliche Aktivitt, Raucherstatus, Alkoholkonsum und BMI waren mit unterschiedlichen Signifikanzen mit dem HDL-Spiegel positiv und mit dem Triglyceridspiegel negativ korreliert.

Der Optimismus war bei Menschen unter lipidsenkender Therapie nicht wesentlich anders ausgeprgt, was gegen die Annahme spricht, dass Lipidspiegel den Grad des Optimismus beeinflussen. Wenn man auch vermuten kann, dass der Optimismus die Lipidspiegel verndert, so erscheint auch eine bidirektionale, gegenseitige Einwirkung mglich. Schliesslich knnte auch eine dritte, bisher nicht gemessene oder noch nicht bekannte Variable sowohl auf Optimismus als auch Lipidspiegel einwirken.

Die Autoren meinen abschlieend, dass ihre Resultate zu "neuen Strategien" zur Prvention und Intervention bei kardiovaskulren Erkrankungen fhren sollten - gemeint ist wohl mehr Motivation zu einer optimistischeren Lebensgestaltung. Ein alter Spruch, den der Referent von einem seiner klinischen Lehrer, Herrn Prof. K. Federlin in Giessen oft gehrt hatte, lautet: "Der Arzt und sein Patient sollen immer optimistisch sein - bei aller Einsicht in die Realitt der Erkrankung, selbst bei statistisch (!) ungnstiger Prognose".

Literatur

  • J. K. Boehm et al.: Relation between optimism and lipids in midlife. Amer. J. Cardiology 2013. 111:1425-1431

  • E. J. Giltay et al.: Lifestyle and dietary correlates of dispositional optimism in men: The Zutphen Elderly Study. J. Psychosom. es. 007. 63:483-490

  • M. Kavussanu, E. McAuley: Exercise and optimism: are highly active individuals more optimistic? J. Sport Exerc. Psycholog. 1995. 17:246-258

  • M.F. Scheier et al.: Distinguishing optimism from neuroticism (and trait anxiety, self-mastery, and self-esteem): A re-evaluation of the Life Orientation Test. J. Pers. Soc. Psychol. 1994. 67:1063-1078

zuletzt bearbeitet: 25.06.2013 nach oben

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