Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130705c

Typ-1-Diabetes durch Schnupfen im Säuglingsalter

Häufige Atemwegsinfektionen erhöhen das Diabetesrisiko

Prof. Anette-Gabriele Zieglerund Dr. Andreas Beyerlein, Institut für Diabetesforschung Infektionen in den ersten Lebensmonaten machen anflliger fr ein spteres Auftreten von Autoantikrpern, welche die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes kennzeichnen. Insbesondere Atemwegserkrankungen im ersten Lebensjahr, allen voran ein akuter Erkltungsschnupfen (Rhinopharyngitis), scheinen dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Dies konnten Wissenschaftler des Instituts fr Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum Mnchen, in ihrer jngsten Verffentlichung in der Fachzeitschrift 'JAMA Pediatrics' nachweisen.

Die sogenannte Insel-Autoimmunitt bezeichnet die Bildung von Autoantikrpern gegen die Insulinbildenden Betazellen der Bauchspeicheldrse und tritt am hufigsten im Alter von 6 Lebensmonaten bis 3 Jahren auf. Die Mnchner Diabetesforscher gingen daher der Frage nach mglichen Auslsern in diesem Zeitfenster nach. Sie analysierten Daten von 148 Teilnehmern der BABYDIET Studie, die Angehrige mit Typ-1-Diabetes und damit ein erhhtes Risiko fr eine Insel-Autoimmunitt haben.

In tglichen Infektionsprotokollen hatten deren Eltern in den ersten drei Lebensjahren insgesamt 1.245 Infektionen in 90.750 Personentagen dokumentiert. Unterschieden wurde nach Infektionen des respiratorischen Trakts (Atemwegserkrankungen), des gastrointestinalen Trakts (Magen-Darm-Infektionen) sowie sonstigen Infektionen. Fieber und Medikation wurden ebenfalls erfasst. Im dreimonatlichen Abstand wurde zudem das Blut der Kleinkinder auf die Bildung von Autoantikrpern untersucht.

Dabei konnte im ersten Lebensjahr ein Zusammenhang zwischen Atemwegsinfektionen - unter Verdacht stehen insbesondere Infektionen der oberen Atemwege bei einer Rhinopharyngitis (Erkltungsschnupfen) - und einem erhhten Auftreten von Inselautoantikrpern, festgestellt werden. Kinder mit spteren Inselautoantikrpern hatten sich mindestens zweimal im ersten Lebensjahr infiziert, hauptschlich mit Atemwegsinfekten. Am hchsten war das Risiko fr Insel-Autoimmunitt bei Kindern, die im ersten Lebensjahr mehr als fnf Atemwegsinfekte durchlitten.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass wahrscheinlich nicht eine spezifische Infektion oder ein spezifisches Virus als Auslser fr Insel-Autoimmunitt und Typ-1-Diabetes verantwortlich ist. Vielmehr scheint die Summe der Infektionen und der dabei freigesetzten entzndlichen Botenstoffe fr das Risiko einer Autoimmunreaktion entscheidend zu sein. Dafr sprechen auch die krzlich verffentlichen Befunde der TEDDY-Studie in der Fachzeitschrift 'Diabetologia', bei der zum Zeitpunkt des Auftretens von Inselautoantikrpern im Blut der betroffenen Kinder kein spezifisches Virus nachweisbar war.

"Die Analyse hat gezeigt, dass hufige Atemwegserkrankungen im ersten Lebensjahr ein potentieller Risikofaktor fr die Entstehung von Typ-1-Diabetes sind", fasst Erstautor Dr. Andreas Beyerlein vom Institut fr Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum Mnchen, die Ergebnisse zusammen. "Das Immunsystem ist in den ersten Lebensmonaten noch unreif und nach einigen Monaten entfllt der passive Immunschutz ("Nestschutz") durch die Mutter." Dem entspricht, dass die Anzahl der Infektionen nach den ersten 6 Lebensmonaten in der BABYDIET Studie stark anstieg. Zu diesem Zeitpunkt traten auch die ersten Flle von Autoimmunitt auf.

Nach Ansicht von Studienleiterin Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler sprechen die Erkenntnisse fr eine Vermeidung von multiplen Erkltungskrankheiten in frher Kindheit als prventive Manahme gegen Typ-1-Diabetes: "Die Entwicklung gezielter Impfungen oder antiinflammatorischer Therapien knnte besonders in genetisch bedingten Risikopersonen zu einer gesunden Reifung des Immunsystems und somit zur Prvention von Typ-1-Diabetes beitragen."

Andere vorbeugende Anstze untersucht das Institut fr Diabetesforschung in der Studie INIT II, bei der die Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Risikopersonen mit einer Art "Insulinimpfung" verhindert werden soll. Vorstudien hierzu verliefen vielversprechend.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Typ-1-Diabetesstudien knnen Sie unverbindlich anfordern unter:

Institut fr Diabetesforschung,
Helmholtz Zentrum Mnchen,
Direktorin: Univ.-Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler,
Kostenlose Info-Hotline: 0800-8284868,
E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de,
Internet: www.diabetes-studien.de

Original-Publikation

Beyerlein, A. et al. (2013): Respiratory Infections in Early Life and the Development of Islet Autoimmunity in Children at Increased Type 1 Diabetes Risk, JAMA Pediatrics, doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.158

Link zur Fachpublikation: http://archpedi.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1704825

Bildunterschrift: Prof. Anette-Gabriele Ziegler und Dr. Andreas Beyerlein, Institut fr Diabetesforschung
Bildquelle: Helmholz Zentrum Mnchen

zuletzt bearbeitet: 05.07.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.