Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130726

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft kritisiert IQWiG-Berichte zu Gliptinen

DPP-4-Inhibitoren sorgen für weniger Unterzuckerungen und geringeres Gewicht

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) kritisiert die Berichte des Instituts fr Qualitt und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 27. Juni 2013, in denen der Wirkstoffgruppe der DPP-4-Inhibitoren (Saxagliptin, Sitagliptin und Vildagliptin) - bis auf einen Zusatznutzen bei Sitagliptin fr das Therapieziel normnahe Blutzuckereinstellung (in der freien Kombination als add on zu Metformin gegenber der Vergleichstherapie Metformin plus Sulfonylharnstoff) - kein Zusatznutzen in der Therapie des Typ-2-Diabetes bescheinigt wird.

Internationalen Studien zufolge sind die Vorteile der DPP-4-Inhibitoren nachgewiesen. Die Wirkstoffe werden zusammen mit dem Antidiabetikum Metformin gegeben. Sie schtzen die Patienten vor gefhrlichen Unterzuckerungen und lassen sie zudem Gewicht verlieren. "Wir appellieren eindringlich an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), diese Berichte nicht zur Grundlage seiner Entscheidung zu machen", erklrt DDG Prsident PD Dr. med. Erhard Siegel. "Ein Aus der Wirkstoffklasse widersprche weltweiten Empfehlungen und Erfahrungen. Es ist unfair und wissenschaftlich nicht nachvollziehbar, unseren Diabetespatienten diese Medikamente vorzuenthalten."

Weltweit haben Diabetes-Fachgesellschaften die vorliegenden Studien zu der Wirkstoffgruppe der DPP-4-Inhibitoren - zu der auch die Wirkstoffe Saxagliptin, Sitagliptin und Vildagliptin gehren - ausgewertet und den Nutzen fr Diabetespatienten festgestellt: Diese haben im Rahmen der Therapie mit einem dieser Wirkstoffe seltener Hypoglykmien, also Unterzuckerungen, ihr Blutzucker kann gut und der Norm entsprechend eingestellt werden und sie nehmen nicht zu oder sogar etwas ab. DDG Prsident Dr. Siegel erklrt: "Hypoglykmien sind fr alle Diabetespatienten gefhrlich. Besonders jedoch fr ltere Patienten oder fr diejenigen, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder geschdigte Nieren haben."

In Deutschland mssen sich neue zugelassene Medikamente einer weiteren Prfung unterziehen, bevor der Gemeinsame Bundesausschuss entscheidet, ob diese von den Kassen als Leistung fr gesetzlich versicherte Patienten infrage kommen, das heit, ob sie von den rzten verordnet werden drfen oder nicht. Neue Medikamente mssen verglichen mit anderen bereits etablierten Arzneien einen zustzlichen Nutzen fr den Patienten haben. So schreibt es das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) vor. Das IQWiG ist einer der externen Dienstleister des G-BA, das diese Nutzenbewertungen vornimmt und damit die Entscheidungen des G-BA mit vorbereitet.

Vor wenigen Wochen hat die DDG zusammen mit weiteren groen Fachgesellschaften das IQWiG ffentlich aufgefordert, einige methodische Vorgehensweisen bei der Nutzenbewertung zu verbessern. Dr. Siegel: "Fr die Nutzenbewertung braucht der G-BA eine zweckmige Vergleichstherapie. Diese Vergleichssubstanz wird oft unpassend gewhlt und widerspricht dem aktuellen Stand medizinischen Wissens. Hier mssten wir als Fachgesellschaft einbezogen werden." Zudem ist bei den Bewertungen oft nicht klar, was seitens des IQWiG als Zusatznutzen eines Prparats angesehen und definiert ist. Besonders irritierend ist es, wenn - wie im aktuellen Fall der DPP-4-Inhibitoren - die IQWiG-Entscheidungen den geltenden nationalen und internationalen Leitlinien-Empfehlungen widersprechen. Die DDG regt an, dass in einem solchen Fall eine zustzliche Begrndung abgeliefert werden solle.

Aus Sicht der DDG ist das Urteil des IQWiG ber den Nutzen der Gliptine nicht nachvollziehbar. Seine lediglich formale Herangehensweise lasse zudem auer Acht, dass beispielsweise auch die Zulassungserweiterung der DPP-4-Inhibitoren fr Patienten mit eingeschrnkter Nierenfunktion ein Zusatznutzen ist. Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Mediensprecher der DDG, fasst die Kritikpunkte zusammen: "Wir haben den Eindruck, dass bei der Nutzenbewertung nicht der Patient und die Frage, was seine notwendige medikamentse Therapie besser und sicherer macht, im Mittelpunkt steht, sondern gesundheitspolitische und finanzielle Fragen." Zu wnschen ist aus Sicht der DDG, dass der G-BA in einigen Wochen zu einer anderen Einschtzung kommt, damit Diabetespatienten in Deutschland die Mglichkeit haben, von dieser international anerkannten Therapie zu profitieren.

Die vollstndige Stellungnahme der DDG finden Sie hier.

zuletzt bearbeitet: 26.07.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.