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Gefährliche Unterzuckerungen ohne Diabetes

Pressemitteilung: Paul Scherrer Institut

Neues Verfahren erkennt Tumore der Bauchspeicheldrüse besser

Besser als CT und MRT: Forschende des Inselspitals Bern, des Universittsspitals Basel und des Paul Scherrer Instituts haben eine neue Methode zur Erkennung kleiner Tumore in der Bauchspeicheldrse entwickelt.

Schweizer Forschende haben eine Methode entwickelt, die bestimmte Tumore in der Bauchspeicheldrse, sogenannte Insulinome, zuverlssig lokalisieren kann. Die neue Methode wurde am 25. Juli auf der Homepage der renommierten Medizinzeitschrift Lancet publiziert; die Print-Publikation folgt im September. Die Studie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds, der Krebsliga Schweiz und dem United Kingdom Department of Health untersttzt.

Gefhrliche Unterzuckerungen

Insulinome sind seltene Tumore, die Hormone, insbesondere Insulin, produzieren. Sie befinden sich normalerweise in der Bauchspeicheldrse (Pankreas) und sind meistens gutartig und klein (ca. 1 bis 1.5 cm im Durchmesser). Da sie aber unreguliert Insulin ausschtten, verursachen sie immer wieder gefhrliche Unterzuckerungen (Hypoglykmien), die zu Verwirrtheit, Krampfanfllen und Bewusstseinsverlust bis zum Koma fhren knnen. Oft dauert es lange, bis die Diagnose gestellt wird. Fr die Patienten bedeutet dies eine lange und intensive Leidenszeit.

Operieren - aber wo?

Die einzige Heilung ist die operative Entfernung des Insulinoms. Dazu braucht der Chirurg die genaue Lokalisation des Tumors. Mit der konventionellen Bildgebung via CT (Computer-Tomographie) und MRT (Magnetresonanz-Tomographie) knnen 60 bis 70 Prozent dieser Tumore lokalisiert werden. 30 bis 40 Prozent bleiben unentdeckt. Weiterfhrende Abklrungen waren bisher sehr aufwndig: Zur Messung des Insulins muss ein Katheter in die Pankreas-Gefsse oder die Leber-Vene eingefhrt werden, und zur Feststellung eines kleinen Tumors braucht es eine Magenspiegelung mit Ultraschall in der Bauchspeicheldrse.

Tumor radioaktiv sichtbar gemacht

Um den Insulinomen auf die Schliche zu kommen, haben die Forscher 30 Patienten mit dringendem Insulinom-Verdacht eine knstliche Substanz injiziert, verbunden mit schwach radioaktivem Indium. Die Substanz wird vom Tumor aufgenommen, und dank der schwachen radioaktiven Strahlung ist das Mini-Geschwr in einer Spezial-Kamera gut sichtbar. So konnten 95 Prozent der Insulinome lokalisiert werden. Mit CT oder MRT waren es lediglich 47 Prozent. Der fr dieses Forschungsprojekt zustndige Endokrinologe (Stoffwechsel-Spezialist) Prof. Emanuel Christ vom Inselspital Bern: "Es ist wahrscheinlich, dass diese Methode in Zukunft die bisherigen Methoden der Lokalisation von Insulinomen ablsen wird."

Erfolg dank internationalem Netzwerk

Was sich so einfach anhrt, war nur dank jahrelanger Vorarbeit und einem internationalen Forschungs- Netzwerk mglich: Am Inselspital und am Universittsspital Basel definierten der Endokrinologe Prof. Emanuel Christ und die Nuklearmediziner Prof. Damian Wild und Privatdozent Flavio Forrer das Ziel der Studie, die Studienmethode und die Kriterien fr die Patientenauswahl. Danach whlten sie und Kollegen in St. Gallen, Luzern, Freiburg im Breisgau (D) und London Patienten fr die Studie aus. 2009 besttigten die Forschenden ihre Hypothese erstmals mit sechs Patienten. Die grosse Studie diente danach der Vertiefung.

Tumor berlistet mit Schlsselloch-Technik

Dr. Martin Beh (jetzt am Paul Scherrer Institut) und Kollegen entwickelten die schwach radioaktive Substanz, um den unsichtbaren Tumor zu berlisten. Sie machten sich dabei ein bekanntes Phnomen zunutze: Insulinome haben an der Oberflche sehr viele sogenannte GLP-1-Rezeptoren - eine Art Schlsselloch, das nur mit einem einzigen Schlssel, der chemischen Substanz GLP-1, geffnet werden kann. Die Forscher verwendeten eine von ihnen mitentwickelte hnliche Substanz, Exendin-4, die ins gleiche "Schlsselloch" passt. Mit dem Exendin-4 konnte das schwach radioaktive Indium in den Tumor geschmuggelt und dessen Tarnkappe gelftet werden.

Text: Inselspital Bern/ Paul Scherrer Institut/ Universittsspital Basel

Originalverffentlichung: Glucagon-like peptide-1 receptor imaging for the localisation of insulinomas: a prospective multicentre imaging study. Prof. Emanuel Christ MD, Prof. Damian Wild MD, Susanne Ederer MD, Martin Bh PhD, Guillaume Nicolas MD, Prof. Martyn E Caplin MD, Prof. Michael Brndle MD, Thomas Clerici MD, Stefan Fischli MD, Prof. Christoph Stettler MD, Prof. Peter J Ell MD, Prof. Jochen Seufert MD, Prof. Beat Gloor MD, Prof. Aurel Perren MD, Prof. Jean Claude Reubi MD, Flavio Forrer MD. The Lancet Diabetes & Endocrinology, Early Online Publication, 25 July 2013; http://www.thelancet.com/journals/landia/onlinefirst

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 29.07.2013 nach oben

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