Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130801

Menschen mit Diabetes könnten von Schlafanalyse profitieren

Pressemitteilung: Fraunhofer-Gesellschaft

Unterzuckerungen bei Diabetikern im Schlaf erkennen

Dank einer Software lässt sich Smartwatch für Schlafanalyse nutzen Schlafstrungen sind weit verbreitet. Mithilfe von Smartwatches analysieren Forscher Bewegungsmuster im Schlaf und untersttzen rzte bei der Diagnose und Therapie. Davon sollen knftig Burnout-, aber auch Diabetes-Patienten profitieren.

Wieder eine durchwachte Nacht: Unzhlige Menschen finden keinen Schlaf. Stundenlang wlzen sie sich in ihren Betten hin und her. Wenn sie endlich doch einschlafen, schrecken sie wenig spter wieder hoch. Werden die Strungen chronisch, nehmen Betroffene oftmals an medizinischen Schlafstudien teil, um den Ursachen fr ihre Schlafprobleme auf die Spur zu kommen. Bislang werden fr diese Studien speziell entwickelte und sehr teure intelligente Spezialuhren eingesetzt. rzte lesen die aufgezeichneten Daten nur wchentlich im Forschungslabor aus, was eine Analyse verlangsamt.

Forscher vom Fraunhofer-Institut fr Graphische Datenverarbeitung IGD haben jetzt eine Software fr handelsbliche Smartwatches entwickelt, die den Einsatz solcher Uhren in der Schlafforschung ermglicht. "Eine Smartwatch kann vieles was wir vom Smartphone her kennen. Sie informiert ber die aktuelle Uhrzeit, die neuesten SMS, E-Mails oder Aktivitten in sozialen Netzwerken, aber sie leistet noch viel mehr. Fr die Schlafforschung bieten diese mit Beschleunigungssensoren ausgestatteten Kleinstcomputer viele Mglichkeiten", sagt Gerald Bieber, Wissenschaftler am Fraunhofer IGD.

Der von Bieber und seinem Team entwickelte Algorithmus zur Schlaferkennung hilft, Anomalien im Schlaf zeitnah zu erkennen. Dazu werden Informationen wie Bettzeiten, Lnge und Qualitt des Schlafs aus den Sensordaten der Uhr abgeleitet und analysiert. "Unser Algorithmus erkennt Bewegungen und vergleicht diese mit bereits bekannten Schlaf- und Wachmustern. Dabei werden sowohl durch Atmen oder den Pulsschlag ausgelste Mikrobewegungen als auch Makrobewegungen wie Zucken der Beine registriert." Die aufgezeichneten Daten knnen Patienten von zu Hause aus ber das Funkmodul der Smartwatch direkt an das Labor senden.

Burnout durch chronischen Schlafmangel

"Fr den behandelnden Arzt ist ein solches digitales Schlaftagebuch ein wichtiges Mittel zur Diagnose von Schlafstrungen und fr die Wahl der richtigen Therapie", erklrt Bieber. "Die Schlafqualitt gibt wichtige Hinweise auf Burnout." Nicht Stress, sondern chronischer Schlafmangel ist Studien zufolge der eigentliche Burnout-Verursacher. Grnde fr Einschlafbeschwerden, Schlafunterbrechungen oder nicht erholsamen Schlaf gibt es viele: Nebenwirkungen von Medikamenten, tagsber zu wenig Bewegung oder schlicht und einfach die falsche Matratze.

Knftig wollen Bieber und seine Kollegen auch Bewusstlosigkeit im Schlaf erkennen. Davon sind Diabetiker oder Epileptiker betroffen. Diabetes-Typ-1-Patienten geraten nachts nicht selten in den Zustand der Unterzuckerung, der in ein lebensbedrohliches Zuckerkoma mnden kann. Die Smartwatch mit der installierten Software wrde in dieser Situation einen Alarm auslsen und Familienangehrige oder den behandelnden Arzt informieren. Derzeit sind die Forscher im Gesprch mit Krankenhusern, um schon bald Testdaten von Komapatienten und somit reale Vergleichsdaten als Muster zu erhalten.

Aktuell wird die Smartwatch mit der Fraunhofer-Software in einer Pilotstudie eingesetzt. Gemeinsam mit dem Kurzentrum Vital & Physio und dem Matratzenwerk Malie untersuchen die Wissenschaftler das Schlafverhalten von Probanden auf rckenfreundlichen Matratzen. Im Fokus steht die Frage, ob die "richtige" Matratze bei Schlafstrungen helfen und fr entspannte Nchte sorgen kann. Die erworbenen Kenntnisse zum Aktivitts- und Schlafverhalten des Menschen knnen etwa bei der Stress- oder Burnout-Bekmpfung hilfreich sein. Das Fraunhofer IGD bernimmt innerhalb der Studie die Technologieentwicklung und -anpassung.

Im Schlaf Strom sparen

Aber nicht nur Menschen mit Schlafstrungen profitieren von der Smartwatch-App - Mietern und Hausbesitzern bietet sie sogar die Mglichkeit, Strom zu sparen. "Elf Prozent des Energieverbrauchs wird durch Stand-by-Gerte ausgelst. Da unser sensibler Algorithmus erkennt, ob der Uhrentrger etwa beim Fernsehen auf der Couch einschlft, knnte die Smartwatch per Funk das TV-Gert automatisch ausschalten. Moderne Fernseher sind bereits heute entsprechend ausgestattet, mit speziellen Netzwerksteckdosen lassen sich aber auch ltere Modelle nachrsten", sagt der Ingenieur. Auch Gerte wie Alarmanlagen, WLAN-Router oder Lampen lassen sich in Zukunft so ausschalten.

Bildunterschrift: Dank einer eigens entwickelten Software lsst sich diese Smartwatch fr die Schlafanalyse nutzen. Eine Hilfe fr alle, die unter Schlafstrungen leiden.
Bildquelle: Fraunhofer IGD

zuletzt bearbeitet: 01.08.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.