Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130806

Sicher umgehen mit Diabetes im Job

Leitfaden für Betriebsärzte und Arbeitgeber

Leitfaden für Betriebsärzte zu Diabetes und Beruf
Zum Vergrern bitte auf das Bild klicken.
Ob Pilot oder Broangestellter: In allen Berufen wchst die Anzahl der Arbeitnehmer, die an Diabetes mellitus leiden. Experten schtzen, dass im Jahr 2020 etwa 2,8 Millionen Menschen mit Diabetes im erwerbsfhigen Alter sein werden. Wie die Arbeitsfhigkeit von Diabetespatienten erhalten werden kann, welche Berufe besondere Risiken bergen knnen und wie Arbeitgeber zu einer sachgerechten Bewertung kommen, schildert der "Leitfaden fr Betriebsrzte zu Diabetes und Beruf". Die Broschre ist in Zusammenarbeit von Deutscher Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung e. V. (DGUV) entstanden. Damit liegt eine konkrete Orientierungshilfe fr Arbeitgeber vor, erklrt die DDG.

Generell gilt: Menschen mit Diabetes drfen bei ihrer Berufswahl nicht benachteiligt werden, zumal ihre Leistungsfhigkeit in der Regel nicht eingeschrnkt ist. "Nur wenige Ttigkeiten, bei denen die Betroffenen sich mglicherweise selbst oder andere besonders gefhrden, knnen vorbergehend oder auf Dauer nicht ausgebt werden", betont Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Prsident der DDG. Dies kann der Fall sein, wenn eine Neigung zu schweren Unterzuckerungen besteht, bei denen sich der Arbeitnehmer nicht mehr selbst helfen kann. "Pro Jahr erleiden aber nur etwa zehn Prozent der insulinbehandelten Patienten solche schweren Hypoglykmien, die durch Angehrige oder einen Arzt behandelt werden mssen", so Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG. Und nur selten treten diese dann am Arbeitsplatz auf.

Eine Gefhrdung kann eine ausgeprgte Hypoglykmieneigung in Berufen darstellen, die mit einer berwachungsfunktion oder Gefahrensituationen verbunden sind - zum Beispiel bei Chirurgen, Krankenpflegepersonal, pdagogischen Berufen mit Aufsichtsfunktion, Kranfhrern, Berufstauchern, Polizisten oder Feuerwehrmnnern im Angriffstrupp. Das Unterzuckerungsrisiko ist auch bei solchen Berufen grer, die eine jederzeitige Nahrungsaufnahme verhindern, etwa bedingt durch Schutzkleidung oder groen Zeitdruck wie bei Rettungseinstzen oder Paketauslieferungsfahrern. In vielen Fllen ist aber durch entsprechende Anpassung der Therapie, Schulung und Selbstkontrolle eine gute Kompensation mglich.

Doch allein die Mglichkeit, eine Unterzuckerung erleiden zu knnen, ist noch kein Grund, die Arbeitsfhigkeit infrage zu stellen. So knnen Betroffene das Risiko minimieren, indem sie ihre Therapie an die berufliche Situation anpassen, systematisch den Blutzucker kontrollieren und lernen, frhe Symptome einer Unterzuckerung wie Schwche oder Schwitzen klar zu erkennen. Diese Fhigkeit kann durch ein Wahrnehmungstraining gefrdert werden. Dennoch ist immer wieder zu beobachten, dass Betriebsrzte die Eignung von Bewerbern mit Diabetes pauschal und vorschnell verneinen. "In solchen Fllen kann der Leitfaden auf eine verantwortungsvollere Begutachtungspraxis hinwirken", so der Vorsitzende des Ausschusses Soziales der DDG, Rechtsanwalt Oliver Ebert. "Denn ein Betriebsarzt, der diese fachlich abgesicherten Empfehlungen auer Acht lsst, handelt im Zweifel nicht (mehr) lege artis und muss mit Schadensersatzforderungen rechnen."

"Bei der Beurteilung, ob ein Diabetespatient fr einen Arbeitsplatz geeignet ist, geht es letztlich um eine Risikoabschtzung, die fr jeden Einzelfall vorzunehmen ist", betont der Arbeitsmediziner Kurt Rinnert, der mageblich an dem Leitfaden mitgewirkt hat. Beurteilungskriterien sind u. a.: nachweisbare Zusammenarbeit von Patient, Hausarzt bzw. Diabetologe und Betriebsarzt, die Einhaltung vereinbarter Zielwerte in der Stoffwechseleinstellung, ein Blutzuckertagebuch, die Mglichkeit, sich am Arbeitsplatz Insulin zu spritzen oder die Arbeit zu unterbrechen, Besuch einer Diabetesschulung und eines Hypoglykmiewahrnehmung-Trainings, Ausschluss schwerer Unterzuckerungen und Folgeschden sowie Kollegen, die im Notfall helfen knnen.

"Arbeitgeber sollten es ermglichen, am Arbeitsplatz oder in Pausenrumen den Blutzucker zu messen oder bei Bedarf unkompliziert eine Zwischenmahlzeit einzunehmen", rt Siegel. Wichtig sei zudem, die Betroffenen nicht zu diskriminieren. Dies kann ansonsten zu einem "Insulinvermeidungszwang" fhren - die Betroffenen spritzen sich ihr Insulin dann nur heimlich oder schlimmer: gar nicht.

Der Leitfaden ist im Internet abrufbar.

Bildunterschrift: Leitfaden fr Betriebsrzte zu Diabetes und Beruf
Bildquelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)

zuletzt bearbeitet: 06.08.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.