Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130903

Geld im Gesundheitssystems beeinflusst das Erreichen von Cholesterin-Zielwerten

Menschen mit Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechelstörung sind keine Fallpauschale

Die Art und Weise, wie in einem Gesundheitssystem die Finanzierung und Verordnung von Arzneimitteln geregelt ist, hat Auswirkungen darauf, wie viele Patienten die Therapieziele erreichen. Das legt zumindest eine deutsch-britische Studie nahe, die auf dem Kongress der Europischen Gesellschaft fr Kardiologie (ESC) in Amsterdam prsentiert wurde. Ist die Verordnung restriktiv geregelt wie in Deutschland, erreichen weniger Patienten die Zielwerte als in Systemen, in denen sich die Bezahlung der rzte an Therapiezielen orientiert.

Zwischen Juni 2008 und Februar 2009 wurden im Rahmen der DYSIS Studie die Therapiefortschritte von insgesamt mehr als 22.000 Patienten in elf Lndern erhoben, die mit Blutfettsenkern vom Typ der Statine behandelt wurden. Fr die in Amsterdam prsentierte Subanalyse wurden die Daten von 4.260 deutschen und 540 britischen Patienten ausgewertet.

In Deutschland werden rzten fr die Verschreibung von Medikamenten Budgets vorgegeben, in Grobritannien ist das Finanzierungssystem zielorientiert, die Vergtung des behandelnden Arztes wird mit der Erreichung zum Beispiel von Cholesterin-Zielwerten verknpft. "Im Grunde geht es darum, dass deutsche rzte mit finanziellen Einbuen rechnen mssen, wenn sie ihre Arzneimittelbudgets nicht einhalten, whrend britische rzte dafr belohnt werden, wenn sie Behandlungsziele erreichen", erklrte Studien-Koautor Dr. Anselm Kai Gitt vom Herzzentrum Ludwigshafen.

In Deutschland erreichen der Studie zufolge nur 42 Prozent der Statin-Patienten den Zielwert von weniger als 100 mg/dl LDL-Cholesterin, in Grobritannien sind es 79,8 Prozent. Das potente Statin Atorvastatin wurde bei 3,9 Prozent der deutschen Patienten in einer durchschnittlichen Dosis von 24 mg eingesetzt, in Grobritannien waren es 24,8 Prozent der Patienten mit einer Durchschnittsdosis von 34,2 mg. Das schwchere Simvastatin kam bei 83,9 Prozent der deutschen Patienten (durchschnittliche Dosis: 27,2 mg) zum Einsatz, in Grobritannien nur bei 67,6 Prozent (durchschnittliche Dosis: 36,6 mg).

Dr. Gitt: "Britische rzte setzen eine aggressivere Behandlungsstrategie mit Statinen ein, weil sie einen Anreiz haben, die Zielwerte zu erreichen. Dazu kommt ein System der Qualittskontrolle, in dem rzte regelmig die Cholesterinwerte ihrer Patienten berprfen mssen. Deutsche rzte behandeln konservativer, und setzen die teureren Therapien zurckhaltender ein." Es bleibe abzuwarten, ob das deutsche System, das auf eine Kontrolle der Arzneimittelkosten abziele, langfristig tatschlich konomischer ist, so Dr. Gitt. "Das britische System ist kurzfristig teurer, weil mehr Arztbesuche anfallen und die Medikamentenkosten hher sind. Aber es knnte sich letztlich als kosteneffektiv erweisen, wenn bei den Patienten weniger Komplikationen auftreten."

Quelle: ESC Abstract 3689 ? Impact of a budget restrictive (Germany) versus an incentive-driven (UK) reimbursement system on LDL-goal achievement in statin treated patients for secundary prevention: results of DYSIS

zuletzt bearbeitet: 03.09.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.