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Neue Behandlungschancen bei Parodontitis und Diabetes

Bei Früherkennung und Prävention des Diabetes mellitus kann der Zahnarzt wichtige Aufgaben übernehmen

Sowohl bei der Parodontitis als auch beim Diabetes mellitus Typ 2 handelt es sich um chronische Volkskrankheiten mit steigender Prvalenz, deren schwerwiegende Folgen bei frhzeitiger Diagnose verhindert bzw. gemindert werden knnten. Angesichts vorliegender Evidenz, dass eine manifeste Parodontitis die glykmische Situation verschlechtert und sich eine unzureichende Blutzuckereinstellung negativ auf parodontale Erkrankungen auswirkt, ist fr die optimale Behandlung ein interdisziplinrer Ansatz erforderlich, der Zahnmedizin und Diabetologie einschliet.

Die Behandlung von Parodontopathien muss integraler Bestandteil des Diabetesmanagements werden, wie auch eine gute glykmische Kontrolle eine erfolgreiche Parodontitistherapie sichert. Hier sind die Zahnrzte als regelmige Ansprechpartner der Patienten gefordert, die hohe Kontaktrate fr eine Verbesserung der medizinischen Versorgung zu nutzen und damit zur Senkung des allgemeinen Erkrankungsrisikos beizutragen. Infolgedessen werden zunehmend hhere Anforderungen an die medizinischen Kompetenzen des Zahnarztes sowie des zahnrztlichen Teams gestellt, die vor diesem Hintergrund deutlich gestrkt werden mssen.

Hier sind die Zahnrzte als regelmige Ansprechpartner der Patienten gefordert, die hohe Kontaktrate fr eine Verbesserung der medizinischen Versorgung zu nutzen und damit zur Senkung des allgemeinen Erkrankungsrisikos beizutragen. Infolgedessen werden zunehmend hhere Anforderungen an die medizinischen Kompetenzen des Zahnarztes sowie des zahnrztlichen Teams gestellt, die vor diesem Hintergrund deutlich gestrkt werden mssen.

Parodontalerkrankungen (Parodontitis u. Gingivitis) gehren zu den hufigsten oralen Manifestationen des Diabetes. Deshalb wird heute auch von der Parodontitis als einer weiteren wichtigen Diabetesfolgeerkrankung gesprochen [1]. Aufgrund der Erkenntnisse ber die folgenschweren Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Parodontitis stellen die Parodontitisprvention, -therapie und -nachsorge ein wichtiges Bindeglied zwischen der Zahnheilkunde und der Diabetologie dar.

Eindeutige Evidenz fr bidirektionalen Zusammenhang

Prvalenz, Schweregrad und Progression der Parodontitis sind mit Diabetes mellitus assoziiert [2,3]. Unabhngig vom Diabetestyp sind die durchschnittliche Sondierungstiefe und der durchschnittliche klinische Attachmentverlust bei Diabetes mellitus signifikant erhht [4]. Die Progression von Parodontitiden ist bei Typ-1 und -2-Diabetikern beschleunigt [5], was sich auch in strkerem Zahnverlust [6] manifestiert. Das erhhte Risiko, bei Vorliegen eines Diabetes mellitus an Parodontitis zu erkranken, hngt von der glykmischen Einstellung ab. Mit besserer Einstellung hnelt der Parodontalzustand von Diabetikern dem von Nichtdiabetikern, wohingegen mit schlechterer glykmischer Kontrolle das Risiko fr eine parodontale Destruktion zunimmt [5,7,8]. Zudem sprechen metabolisch gut eingestellte Diabetiker hnlich gut auf eine Parodontitistherapie wie Nichtdiabetiker an und die Ergebnisse knnen gleichermaen erfolgreich aufrechterhalten werden [9-11].

Die Parodontitis wiederum erschwert bei Diabetikern die Stoffwechselkontrolle und verschlechtert ihre glykmische Einstellung [12], da mit Zunahme der Sondierungstiefe oder des entzndeten parodontalen Gewebes der HbA1c-Wert ansteigt [13,14]. Aber auch bei Nicht-Diabetikern ist der Blutglukosespiegel mit Parodontitis bzw. deren Schweregrad assoziiert [15-18] und das Risiko fr die Entstehung einer gestrten Glukosetoleranz bzw. eines Diabetes mellitus als Folge der parodontalen Erkrankung erhht[19-22].

Darber hinaus zeigen Studien bei Pima-Indianern, die unter einer hohen Prvalenz des Typ-2-Diabetes leiden, dass parodontale Erkrankungen das Risiko fr Diabetes-assoziierte Komplikationen steigern [20,23-25]. Bei diesen Typ-2-Diabetikern mit schwerer Parodontitis ist im Vergleich mit parodontal-gesunden oder parodontal leicht erkrankten Patienten die Sterblichkeit aufgrund einer ischmischen Herzkrankheit 2,3-fach und einer diabetischen Nephropathie 8,5-fach [23] sowie die Inzidenz von Makroalbuminurie 2,1-fach und die einer terminalen Niereninsuffizienz 3,5-fach erhht [24].

In diesem Zusammenhang und angesichts dieser Zahlen sollten knftig parodontale Prvention bzw. eine rechtzeitige Parodontitistherapie einen hheren Stellenwert als bisher einnehmen. In einer Reihe von Meta-Analysen wurde nachgewiesen, dass durch eine effektive Parodontitistherapie die glykmische Einstellung bei parodontal erkrankten Typ-2-Diabetikern verbessert werden kann [26-30]. Die Senkung des HbA1c-Wertes bei Typ-2-Diabetes lag drei Monate nach nicht-chirurgischer Parodontitistherapie zwischen 0,4 und 0,5 Prozent, was von der klinischen Bedeutung dem Hinzufgen eines zweiten Medikaments zu einer pharmakologischen Therapie bei Diabetes entspricht.

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Diagnostik-, Prventions- und Therapieempfehlungen

Bei ihrer zahnrztlichen Erstbefundung sollten Patienten mit Typ 1, Typ 2 und Gestationsdiabetes einer grndlichen oralen Untersuchung mit einer umfassenden parodontalen Befundung unterzogen werden. Im Rahmen der Anamneseerhebung sollte erfragt werden, an welchem Diabetestyp der Patient leidet, seit wann der Diabetes mellitus besteht, ob und welche Diabetes-assoziierten Komplikationen vorliegen, wie der Diabetes augenblicklich therapiert wird und wie er eingestellt ist (HbA1c-Wert). Fr parodontal erkrankte Diabetiker sind ein effektives subgingivales Debridement sowie regelmige zahnrztliche Kontrolluntersuchungen und professionelle Zahnreinigungen besonders wichtig. Abhngig von der glykmischen Einstellung sollten diese mindestens halbjhrlich erfolgen, gegebenenfalls sind auch krzere Kontrolltermine zu vereinbaren.

Wichtig ist, dass die parodontalen Taschen regelmig gemessen und tiefere Taschen subgingival instrumentiert werden. Diabetespatienten mssen im Zusammenhang mit ihrem erhhten parodontalen Erkrankungsrisiko und den damit verbundenen Komplikationen besonders ber die Bedeutung der tglichen huslichen Mundhygiene wie auch ber die notwendige lebenslange Betreuung durch ihren Zahnarzt aufgeklrt werden. Aber auch Patienten, die sich ohne Diabetesdiagnose, aber mit offensichtlichen Risikofaktoren fr einen Typ-2-Diabetes (bergewicht, Bluthochdruck, positive Diabetes-Familienanamnese) und Zeichen einer Parodontitis beim Zahnarzt vorstellen, sollten ber ihr Diabetesrisiko informiert und anhand eines am Behandlungsstuhl durchgefhrten Blutzuckertests gescreent werden, und/oder zu ihrem Hausarzt fr eine entsprechende Diabetesdiagnostik berwiesen werden [31].

Fazit fr die tgliche Praxis

Die erfolgreiche Therapie sowohl der Parodontitis als auch des Diabetes mellitus setzt eine enge und vertrauensvolle interdisziplinre Zusammenarbeit zwischen behandelndem Hausarzt bzw. Diabetologen und dem Zahnarzt sowie eine sehr gute Patientencompliance voraus. Im Rahmen der zahnrztlichen Anamnese und Diagnostik gilt es, mgliche Auswirkungen eines Diabetes auf die Mundgesundheit zu erkennen sowie entsprechende prventive und therapeutische Manahmen zu treffen. Wenn die Kooperation zwischen zahnrztlich, hausrztlich oder internistisch ttigen Medizinern gelingt, werden Patienten hinsichtlich verbesserter Frherkennung, Behandlung und Prognose ihres Diabetes profitieren.

Daher kann die praktische Empfehlung von heute nur lauten: "Jeder Diabetiker sollte zum Zahnarzt berwiesen werden, wie auch umgekehrt die Zahnarztpraxis ein Screeningort fr Diabetes sein knnte".

Literatur

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  4. Khader YS, Dauod AS, El-Qaderi SS, Alkafajei A, Batayha WQ. Periodontal status of diabetics compared with nondiabetics: a metaanalysis. J Diabetes Complications 2006; 20: 59-68
  5. Taylor GW, Burt BA, Becker MP, Genco RJ, Shlossman M, Knowler WC, Pettitt DJ. Non-insulin dependent diabetes mellitus and alveolar bone loss progression over 2 years. J Periodontol 1998; 69: 76-83.
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  9. Llambs F, Silvestre FJ, Hernandez-Mijares A, Guiha R, Caffesse R. Effect of non-surgical periodontal treatment with or without doxycycline on the periodontium of type 1 diabetic patients. J Clin Periodontol 2005; 32: 915-920.
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  14. Nesse W, Linde A, Abbas F, Spijkervet FK, Dijkstra PU, de Brabander EC, Gerstenbluth I, Vissink A. Dose-response relationship between periodontal inflamed surface area and HbA1c in type 2 diabetics. J Clin Periodontol 2009; 36: 295-300.
  15. Hayashida H, Kawasaki K, Yoshimura A, Kitamura M, Furugen R, Nakazato M, Takamura N, Hara Y, Maeda T, Saito T. Relationship between periodontal status and HbA1c in nondiabetics. J Public Health Dent 2009; 69: 204-206.
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zuletzt bearbeitet: 27.09.2013 nach oben

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