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EHFG 2013: Psychosoziale Belastungen von Diabetes unterschätzt

100 Millkionen Diabetiker bis 2030 in den OECD-Ländern

Dr. med. Jens Kröger 83 Millionen Menschen in den OECD-Lndern sind Diabetiker/-innen, bis 2030 werden es schon 100 Millionen sein. Die massiven psychosozialen Auswirkungen der Erkrankung auf Betroffene und ihre Angehrigen werden weitgehend unterschtzt, kritisierten Experten/-innen beim European Health Forum Gastein.

Die geradezu pandemische Verbreitung von Diabetes stellt eine enorme Belastung fr Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme in Europa dar, gerade in Zeiten der konomischen Krise und des demografischen Wandels, berichteten Experten/-innen heute beim European Health Forum Gastein (EHFG). Derzeit sind in den OECD-Lndern rund 83 Millionen Menschen von Diabetes betroffen, bis zum Jahr 2030 werden es Schtzungen zufolge 100 Millionen sein. Gesundheitssysteme mssten den Blick auf die gesamte Tragweite der Pandemie schrfen, so der Tenor der Diskussionen.

"Vor allem die hohen psychosozialen Belastungen von Diabetes fr Patienten/-innen und ihre Angehrigen sind noch ein weitgehend blinder Fleck in der Gesundheitspolitik. Innovative Gesundheitssysteme mssen sich dieser Dimension verstrkt annehmen", sagte Dr. Jens Krger, Leiter des Diabeteszentrums Hamburg Bergedorf und Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes-Hilfe beim EHFG.

"Resiliente und innovative Gesundheitssysteme in Europa" ist das Motto des diesjhrigen EHFG. Mehr als 550 Teilnehmer/-innen aus rund 45 Lndern nutzen Europas wichtigste gesundheitspolitische Konferenz in Bad Hofgastein zum Meinungsaustausch ber zentrale Fragen europischer Gesundheitssysteme.

Wie dramatisch diese psychosozialen Krankheitsfolgen sein knnen, zeigt die in 17 Lndern und vier Kontinenten durchgefhrte Studie "Diabetes Attitudes, Wishes and Needs 2" (DAWN 2), die auf dem EHFG diskutiert wurde. Mit insgesamt 15.438 Teilnehmern/-innen, darunter 8.596 Patienten/-innen, 2.057 Angehrigen und 4.785 Behandlern/-innen, ist DAWN-2 die umfassendste wissenschaftliche Erhebung zu den psychosozialen Belastungen von Diabetes-Patienten/-innen und deren Angehrigen.

14 Prozent der Diabetiker/-innen leiden an Depressionen

Einige zentrale Ergebnisse der Erhebung: 44,6 Prozent der Menschen mit Diabetes empfinden ihre Krankheit als hohe Belastung, 13,8 Prozent leiden deshalb an Depressionen. Fr rund ein Fnftel aller Diabetiker/-innen wirkt sich ihre gesundheitliche Situation negativ auf familire und soziale Beziehungen aus, nur etwas weniger als die Hlfte aller Betroffenen sehen sich in der Bewltigung des Lebensalltags beeintrchtigt.

Nur knapp die Hlfte aller Menschen mit Diabetes (48,8 Prozent) nimmt an Diabetes-Schulungsprogrammen teil. Trotz neuer Medikamente und Therapieformen verfehlen viele Diabetiker/-innen den angestrebten Blutzuckerwert. Und auch wenn 85 Prozent der Menschen mit Diabetes auf die Hilfe aus dem familiren Umfeld zurckgreifen knnen, ist die ffentliche Untersttzung in vielen Lndern unzureichend.

"Die Studie zeigt deutlich Defizite im Management chronischer Krankheiten auf", so Dr. Krger. "Probleme bei der psychosozialen Untersttzung der Patienten/-innen, bei den Rahmenbedingungen, sowie der interdisziplinren Versorgung mssen behoben werden."

Hohe Belastungen fr Angehrige

Erheblich sind auch die psychosozialen Folgen, denen die Angehrigen von Diabetikern/-innen ausgesetzt sind. Fr mehr als ein Drittel aller Angehrigen (35,3 Prozent) stellt die Diabetes-Erkrankung des/der Patienten/-in eine hohe Belastung dar, zeigt die DAWN-2 Studie. 61,3 Prozent der Familienmitglieder belastet die Sorge um eine mgliche Hypoglykmie ihres Angehrigen mit Diabetes.

Negative Auswirkungen auf die emotionale Befindlichkeit werden von 44,6 Prozent aller Familienangehrigen angefhrt. Problematisch ist, dass immerhin 37,1 Prozent der Angehrigen nicht wissen, wie sie im Fall einer Diabetes-Erkrankung eines Mitmenschen helfen und untersttzend zur Seite stehen knnen. Zugleich haben knapp 40 Prozent der Familienmitglieder das Bedrfnis, strker in die Diabetesversorgung ihres Angehrigen eingebunden zu werden. An Schulungsprogrammen nehmen derzeit nur 23,1 Prozent der Angehrigen teil.

"Angesichts dieser Ergebnisse muss das gesundheitspolitische Ziel im Diabetes-Management sein, die patientenzentrierte Versorgung, das Selbstmanagement und die psychosoziale Untersttzung zu frdern sowie Angehrige strker einzubinden", forderte Diabetes-Spezialist Dr. Krger.

Bildunterschrift: Dr. med. Jens Krger
Bildquelle: privat

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zuletzt bearbeitet: 02.10.2013 nach oben

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