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Schutzwirkung des "guten" Cholesterins überschätzt?

Studie gibt Hinweis: Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen abhängig von der Vorerkrankung

Neben Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Bewegungsmangel und bergewicht sind auch erhhte Blutfette Risikofaktoren fr Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zwar ist das zu den Blutfetten zhlende Cholesterin ein lebenswichtiges Molekl, das in allen Geweben des Krpers vorkommt: als Bestandteil der Zellmembran, Energielieferant und Ausgangsstoff fr viele wichtige Verbindungen wie Steroidhormone, Gallensuren oder von Vitamin D. Ein Zuviel an Cholesterin kann aber in den Gefwnden abgelagert werden: Folgen sind Arterienverkalkung und Herzinfarkte.

In der Medizin wird zwischen dem "guten" HDL-Cholesterin (high density lipoprotein) und dem "bsen" LDL-Cholesterin (low density lipoprotein) unterschieden. Whrend kein Zweifel daran besteht, dass hohe Werte des LDL-Cholesterins Herzinfarkte und Geferkrankungen verursachen, ist der Umkehrschluss, dass hohe Werte des HDL-Cholesterin vor diesen Erkrankungen schtzen, aufgrund neuer Forschungsergebnisse zumindest zu relativieren. Wissenschaftler aus Mannheim, Heidelberg, Hamburg und Bern haben nmlich festgestellt, dass die Schutzwirkung der HDL offenbar nachlsst, wenn bereits eine ausgedehnte Koronarkrankheit vorliegt. Sie untersuchten den Zusammenhang zwischen HDL-Cholesterin und Todesfllen im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den ber 3.000 Teilnehmern der LURIC-Studie (Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health), die von Professor Dr. Winfried Mrz und Dr. Marcus Kleber vom "Mannheimer Institut fr Public Health" (MIPH) der Medizinischen Fakultt Mannheim geleitet wird.

Lipoproteine binden das Cholesterin und sorgen fr dessen Transport im Blut. Lipoproteine geringer Dichte (LDL) transportieren Cholesterin aus der Leber in die Krperzellen, Lipoproteine hoher Dichte (HDL) knnen Cholesterin aus krankhaft vernderten Gefen mobilisieren und berschssiges Cholesterin aus den Zellen und dem Blut in die Leber zurckbringen. Neue Forschungsergebnisse weisen auerdem darauf hin, dass sie auch entzndungshemmend und geferweiternd wirken.

Europaweit sind sich die Experten einig, dass das LDL-Cholesterin eine Konzentration von 115 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) nicht berschreiten sollte. Fr Patienten, die ein zustzliches Risiko haben, beispielsweise Diabetiker oder Patienten mit eingeschrnkter Nierenfunktion, wird ein LDL-Cholesterin von maximal 100 mg/dl, fr Patienten mit sehr hohem Risiko (Koronarpatienten) sogar ein LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl empfohlen. Fr HDL-Cholesterin fordern die Experten eine Konzentration von mehr als 40 mg/dl.

Auf der Basis der LURIC-Studie machten die Wissenschaftler folgende Entdeckung: Bei Personen ohne nachweisbare koronare Herzkrankheit und hohem HDL-Cholesterin (ber 42 mg/dl) ist die Sterberate ber den Beobachtungszeitraum von etwa zehn Jahren um 63 Prozent niedriger als bei niedrigem HDL-Cholesterin (kleiner 34 mg/dl). Bei Patienten mit chronischer oder akuter Koronarkrankheit waren die Sterberaten jedoch nur um 19 bzw. 9 Prozent niedriger, wenn Patienten mit hohem HDL-Cholesterin mit solchen mit niedrigen Werten verglichen wurden.

Diese Ergebnisse wurden in zwei weiteren Studien (ESTHER-Studie; Studienleiter Prof. Hermann Brenner, Heidelberg, und AtheroGene-Studie; Studienleiter Prof. Stefan Blankenberg, Hamburg) sowie in einer gemeinsamen Auswertung aller drei Studien besttigt.

"Unsere Arbeit zeigt erstmals, dass bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit das HDL-Cholesterin anders zu bewerten ist als bei noch nicht Erkrankten", so der Erstautor der im European Heart Journal verffentlichten Studie, Dr. Gnther Silbernagel, Bern. "Bereits erkrankten Menschen kann es deutlich weniger Schutz bieten als gesunden."

"Umso wichtiger ist es, durch gesunde Lebensfhrung und krperliche Aktivitt es gar nicht erst zum Auftreten einer koronaren Herzerkrankung kommen zu lassen", warnt der Stoffwechselforscher Professor Dr. Winfried Mrz. "Sind die Gefe erst einmal in Mitleidenschaft gezogen, so kann ein hohes HDL offenbar nichts mehr ausrichten".

LURIC-Studie

In die LURIC-Studie wurden mehr als 3.500 Personen eingeschlossen, die sich im Zeitraum von 1997 bis 2000 am Herzzentrum Ludwigshafen einer Herzkatheter-Untersuchung unterzogen und die langfristig nachbeobachtet werden. Die LURIC Studie resultierte in einer der ersten deutschen Biobanken, die sich der Aufgabe widmet, unbekannte klinische, biochemische und genetische Risikofaktoren fr Herzerkrankungen ausfindig zu machen - und damit die Grundlage fr eine wirksame Vorbeugung zu legen. Die Ergebnisse sind bislang in mehr als 160 wissenschaftliche Verffentlichungen eingegangen.

Publikation: High-density lipoprotein cholesterol, coronary artery disease, and cardiovascularmortality Guenther Silbernagel et.al. European Heart Journal doi:10.1093/eurheartj/eht343

zuletzt bearbeitet: 28.10.2013 nach oben

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