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Neues multipotentes Darmhormon wirkt bei Diabetes

GLP-1 und GIP senken Blutzuckerwerte bei Typ-2-Diabetes

Dr. Brian Finan (IDO) Eine neuartige Hormonkombination in einem einzigen Molekl, das gleichermaen an den Rezeptoren der Insulin-stimulierenden Hormone GLP-1 und GIP wirkt, fhrt zu einer effektiven Gewichtsreduktion und zu verbesserten Blutzuckerwerten. Damit haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums Mnchen (HMGU) und der Technischen Universitt Mnchen (TUM) gemeinsam mit der Indiana University einen neuen therapeutischen Ansatz fr Typ-2-Diabetes entwickelt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift 'Science Translational Medicine' verffentlicht, darin sind bereits Daten von erfolgreichen klinischen Studien in Partnerschaft mit dem Pharmaunternehmen Roche enthalten.

GLP-1 (Glucagon like Peptide 1) und GIP (Gastric Inhibitory Peptide) sind Hormone, die vom Verdauungstrakt gebildet werden und die Nahrungsverwertung sowie verschiedene Stoffwechselprozesse steuern. Sie fhren bei Aufnahme von Glucose (Zucker) zu einer vermehrten Insulin-Ausschttung und senken dadurch den Blutzuckerspiegel, haben aber auch Effekte auf die Appetitregulation und die Fettverbrennung.

Ein Teil dieser Einzel-Effekte, die hier zum ersten Mal kombiniert sind, werden bereits fr die Behandlung des Typ-2-Diabetes genutzt. GLP-1-Analoga sowie die verwandt wirkenden DPP4 (Dipeptidyl-Peptidase 4)-Hemmer, welche die GLP-1 Wirkung verstrken sollen, werden zur Blutzuckersenkung angewandt. Den Wissenschaftlern um Dr. Brian Finan und Prof. Dr. Matthias Tschp vom Helmholtz Diabetes Center am HMGU sowie vom Lehrstuhl fr Stoffwechselerkrankungen der TUM ist es nun gemeinsam mit Richard DiMarchi von der Indiana University und Kollegen der University of Cincinnati gelungen, eine Moleklstruktur zu entwickeln, die die Wirkungen beider Hormone in sich vereint. Das heit, diese neuen Molekle stimulieren beide Rezeptoren von GLP-1 und GIP zugleich und erzielen dadurch maximierte Stoffwechselverbesserungen im Vergleich mit jedem der Einzelmolekle oder bisher verfgbaren Medikamenten, die auf einzelnen Darmhormonen basieren.

Dieser sogenannte GLP-1/GIP-Co-Agonist fhrte zu optimierten Blutzuckerwerten sowie zu einer deutlichen Gewichtsreduktion und niedrigeren Blutfetten. Die Wirksamkeit fr Blutzuckerverbesserungen konnte bereits auch am Menschen nachgewiesen werden. Gleichzeitig gibt es Anzeichen an Tiermodellen, dass eventuelle Nebenwirkungen, unter diesen sind am hufigsten unerwnschte Magen-Darm-Effekte, mit diesem neuen Ansatz seltener auftreten und geringer ausgeprgt sind, als bei den einzeln wirksamen Substanzen.

"Diese neuen Ergebnisse machen uns zuversichtlich, dass unser Ansatz - die Stoffwechselkontrolle im Gehirn ber natrliche Darmhormone zu beeinflussen - tatschlich zu einem Durchbruch fr die Diabetesprvention und -therapie fhren kann." erklrt Prof. Tschp. "Allerdings mssen diese Molekle in den nchsten Jahren weiterhin wissenschaftlich und klinisch geprft werden, bevor sie eventuell als Therapieverfahren zugelassen werden knnen."

Dr. Finan, Erstautor der Studie, ist optimistisch: "Dieser neue multifunktionale Wirkstoffansatz knnte dann als personalisiertes Therapiekonzept fr Typ-2-Diabetes dienen, da sich das Verhltnis der Signalstrke von GLP-1 und GIP - je nach individuellem Bedrfnis der Patientengruppierung - im Prinzip adjustieren lsst." Die jetzt publizierten Studien reprsentieren den zentralen Forschungsfokus am Helmholtz Zentrum Mnchen, Partner im Deutschen Zentrum fr Diabetesforschung (DZD): Ziel ist es, neue Anstze fr Diagnose, Therapie und Prvention der groen Volkskrankheiten zu etablieren und diese im Sinne der translationalen Forschung schnellstmglich weiterzuentwickeln, um konkreten Nutzen fr die Gesellschaft zu erbringen.

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Das Helmholtz Zentrum Mnchen verfolgt als deutsches Forschungszentrum fr Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin fr die Diagnose, Therapie und Prvention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafr untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Mnchens. Das Helmholtz Zentrum Mnchen beschftigt rund 2.000 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschftigten angehren. Das Helmholtz Zentrum Mnchen ist Partner im Deutschen Zentrum fr Diabetesforschung e.V. www.helmholtz-muenchen.de

Das Deutsche Zentrum fr Diabetesforschung e.V. bndelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Mitglieder des Verbunds sind das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Dsseldorf, das Deutsche Institut fr Ernhrungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrcke, das Helmholtz Zentrum Mnchen - Deutsches Forschungszentrum fr Gesundheit und Umwelt, die Paul Langerhans Institute des Carl Gustav Carus Universittsklinikums Dresden und der Eberhard-Karls-Universitt Tbingen sowie die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. und die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Ziel des DZD ist es, ber einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Diabetesforschung zu finden und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prvention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten.

Das Institut fr Diabetes und Adipositas (IDO) erforscht die Erkrankungen des Metabolischen Syndroms mit systembiologischen und translationalen Anstzen auf der Basis von zellulren Systemen, genetisch modifizierten Mausmodellen und klinischen Interventionsstudien. Ziel ist die Entdeckung neuer Signalwege, um interdisziplinr innovative Therapieanstze zur personalisierten Prvention und Behandlung von Adipositas, Diabetes und deren Begleiterkrankungen zu entwickeln. IDO ist Teil des Helmholtz Diabetes Center (HDC).

Quellen

Finan, B. et al. (2013). Novel Unimolecular Dual-Incretins Maximize Metabolic Benefits in Rodents, Monkeys, and Humans, Science Translational Medicine, doi: 10.1126/scitranslmed.3007218

Bildunterschrift: Dr. Brian Finan (IDO)
Bildquelle: Helmholtz Zentrum Mnchen

zuletzt bearbeitet: 01.11.2013 nach oben

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