Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 131113b

Diabetes kann zu Burnout führen

Bei Anzeichen von Überforderung professionelle Hilfe suchen

Diabetespatienten sind besonders gefhrdet, einen Burnout zu erleiden. Das Erschpfungssyndrom kann wiederum die Stoffwechselerkrankung negativ verstrken und zur Entgleisung der Blutzuckerwerte fhren. Bei Anzeichen von berforderung sollten die Patienten daher ihren Arzt aufsuchen und gegebenenfalls eine Beratung in Anspruch nehmen. "Bereits eine zehnstndige Kurztherapie kann erfolgreich Stress reduzieren und die Lebensqualitt verbessern", erklrt Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Prsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Wirksamkeit dieser Kurzintervention belegen laufende Studien.

Die kranke Mutter braucht Pflege, im Beruf hufen sich die Probleme - und dann kommt auch noch der Diabetes hinzu. "Diabetes ist eine chronische Erkrankung, fr die man jeden Tag etwas tun muss", erlutert Privatdozent Dr. phil. Dipl. Psych. Bernhard Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie bei der DDG. "Das bedeutet zustzlichen Stress, der in eine berforderungssituation fhren kann." Fachleute sprechen auch vom Diabetes-related distress.

Symptome eines Burnouts zeigen sich auf der Gefhls- und der Verhaltensebene. So sei Aufmerksamkeit angebracht, wenn sich die Einstellung zur Erkrankung ins Negative wandelt. "Der Diabetes luft nicht mehr nebenbei, er wird zur Last, kostet mehr Energie als zuvor", beschreibt Kulzer erste Anzeichen. Auch auf der kognitiven Ebene dominiert Abwehr. "Man denkt ber das Diabetesmanagement in zunehmend negativen Kategorien: Das Messen nervt, ich will die Werte gar nicht sehen, schon wieder schlechte Werte", erlutert der Fachpsychologe.

Hinzu kommen Verhaltensnderungen. Die Patienten essen mehr, treiben weniger Sport, rauchen strker. "Bis die Betroffenen das Insulin nicht mehr nach dem gewohnten Schema spritzen, sondern in unregelmigen Abstnden", so Kulzer. Sptestens jetzt wird es fr die Gesundheit gefhrlich, weil die Blutzuckerwerte steigen und entgleisen knnen. Erhhte Werte wiederum beeintrchtigen das Wohlbefinden, was den Umgang mit der Krankheit weiter verschlechtert - ein Negativkreislauf entsteht.

Wer Anzeichen eines Burnouts bemerkt, sollte einen Diabetesberater oder Diabetologen aufsuchen. Ein Fragebogen-Test (PDF) auf der Seite der AG Diabetes und Psychologie gibt eine erste Orientierung, ob eine Gefhrdung vorliegt. "Ist dies der Fall, hilft eine strukturierte Beratung, Vernderungsprozesse anzustoen", erklrt Kulzer. Die Diabetes-Akademie Bad Mergentheim hat dazu im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium finanzierten "Kompetenznetzes Diabetes" die zehnstndige Kurztherapie "DIAMOS" ("Diabetesmotivation strken") entwickelt. Moderne Diabetesschulungen bieten ebenfalls hufig Untersttzung.

Ziel der Beratung ist, Stressquellen zu beseitigen und Ressourcen zu strken. Zu hufigen Stressquellen zhlt etwa die mangelnde Fhigkeit, nein zu sagen oder ein bertrieben perfektionistischer Umgang mit Diabetes. "Einige Patienten versuchen, jeden Diabeteswert zu erklren", erlutert Kulzer. "Doch die Erkrankung ist nicht hundertprozentig kontrollierbar." Auch die Verheimlichung des Diabetes am Arbeitsplatz kann belasten. "Hufig ist es einfacher, sich zu outen. Dann kann man entspannt auch im Beisein von Kollegen messen und essen", berichtet der Experte.

Gemeinsam mit dem Berater sollten Betroffene in fnf Schritten Probleme identifizieren, Lsungsstrategien erarbeiten, negative Einstellungen verndern und Ressourcen aktivieren. "Am Ende steht eine Vereinbarung ber konkrete Schritte, wie man Belastungen im Alltag reduzieren kann", so Kulzer. Dass dies funktioniert, zeigt eine DIAMOS-Studie: Die Kurz-Intervention konnte die Lebensqualitt bei Diabetespatienten erfolgreich verbessern.

zuletzt bearbeitet: 13.11.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.