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USA ändern Leitlinie zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie sieht Verzicht auf Cholesterinzielwerte kritisch

Statine nur noch für Menschen mit Diabetes und drei weitere Patientengruppen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die hufigste Todesursache. Lagern sich Fette, Bindegewebe und Kalk in den Blutgefen ab, kommt es zu Plaquebildung. Dann verengen sich die Gefe und es drohen Gefverschlsse. Das medikamentse Senken des Cholesterinwertes mit sogenannten Statinen hat sich als Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall bewhrt. Eine aktuelle Leitlinie des American College of Cardiology und der American Heart Association ndert nun die Verordnungsstrategie. Cholesterinzielwerte fallen weg. Die Deutsche Gesellschaft fr Endokrinologie (DGE) empfiehlt hingegen in bereinstimmung mit den europischen Leitlinien, zunchst an LDL-Zielwerten festzuhalten.

Atherosklerose, auch Arterienverkalkung genannt, ist eine Systemerkrankung der Schlagadern. Dabei kommt es an den Gefwnden zu Ablagerungen von Blutfetten, Bindegewebe oder Kalk. Diese sind oft Folge zu hoher Cholesterinwerte im Blut, insbesondere einer hohen Konzentration des sogenannten LDL-Cholesterins (low-density liporprotein). Die Gefe verlieren ihre Elastizitt. Bilden sich dann Gerinnsel (Thromben), kann es zu einem Gefverschluss und in der Folge zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen. Gelingt es, das LDL-Cholesterin zu senken, reduziert sich auch das Risiko fr koronare Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft fr Endokrinologie, erlutert: "Seit den 90er Jahren werden Statine erfolgreich eingesetzt, um das LDL-Cholesterin zu senken. Damit konnte die Hufigkeit von Erkrankungen und auch die Sterblichkeit reduziert werden."

Die Mitte November verffentlichte Leitlinie des American College of Cardiology und der American Heart Association peilt einen radikalen Wechsel in der Verordnungspraxis an: Die Cholesterol-Leitlinie aus dem Jahr 2002 empfahl, Patienten sollten dann Statine einnehmen, wenn ihr Zehn-Jahres-Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden, 20 Prozent betrage. Von den ermittelten Risiken hngt auch der Zielwert des LDL-Cholesterinspiegels ab. Bei einem hohen kardiovaskulren Risiko betrgt der LDL-Wert 100 mg/dl. Die neue US-amerikanische Empfehlung gibt nun keine festen Zielwerte beim Cholesterinspiegel mehr vor. Sie besagt lediglich, dass jene Patienten Statine einnehmen sollten, deren Risiko fr einen Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb der nchsten Dekade bei mehr als 7,5 Prozent liegt.

Professor Dr. med. Klaus Parhofer, Leiter der Arbeitsgruppe Stoffwechsel am Klinikum der Universitt Mnchen Grohadern erlutert: "Die neue US-Leitlinien ist eine Neuorientierung und unterscheidet sich von unseren Strategien. Da es keine Interventionsstudien gibt, die Zielwerte miteinander vergleichen, so die Argumentation der Amerikaner, knne auf Zielwerte auch ganz verzichtet werden." Damit werde jedoch eine "indirekte Evidenz" ignoriert, fgt der Experte aus Mnchen an.

Fr die Praxis in den USA bedeutet dies, dass vier Patientengruppen definiert werden, die Statine zur Senkung ihres LDL-Cholesterinwertes erhalten sollen:

  1. Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  2. Patienten, die einen LDL-Cholesterinwert von mehr als 190 mg/dl aufweisen
  3. Patienten, die einen Diabetes Typ 1 oder Typ 2 haben und zwischen 40 und 75 Jahren alt sind
  4. Patienten, deren Risiko mehr als 7,5 Prozent betrgt, in den nchsten zehn Jahren einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu bekommen

Professor Parhofer pldiert dafr, den lange erprobten Weg der Cholesterin-Zielwerte weiterzugehen. "Nicht zuletzt die konsequente Umsetzung dieser Behandlungsstrategie, also das Abschtzen des Gesamtrisikos, das Festlegen eines Zielwertes und die Gabe von Statinen, hat zum Rckgang der atherosklerotischen kardiovaskulren Erkrankungen gefhrt." DGE-Mediensprecher Professor Schatz ergnzt: "In den vergangenen Jahren hat es eine Flle von Daten zum Nutzen der Cholesterinsenkung gegeben. Wichtig ist es aber auch, die medikamentse Therapie mit Lebensstilnderungen zu kombinieren." Nicht rauchen, mehr bewegen und gesund ernhren, fasst der Experte aus Bochum die wichtigsten Verhaltensweisen zusammen.

Literatur

2013 ACC/AHA Guideline on the Treatment of Blood Cholesterol to Reduce Atherosclerotic Cardiovascular Risk in Adults Journal of the American College of Cardiology, http://content.onlinejacc.org/article.aspx?articleid=1770217

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drsen, zum Beispiel Schilddrse oder Hirnanhangdrse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstcken, "endokrin" ausgeschttet, das heit nach "innen" in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben "exokrine" Drsen, wie Speichel- oder Schweidrsen, ihre Sekrete nach "auen" ab.

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zuletzt bearbeitet: 16.11.2013 nach oben

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