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Behandlung des Typ-2-Diabetes - statistisch oder individualisiert?

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Am 26. August wurde die neue "Nationale VersorgungsLeitlinie zur Therapie des Typ-2-Diabetes" verabschiedet. Danach soll zustzlich zur Basistherapie mit Lebensstil-nderungen - Ernhrung und krperliche Bewegung - die medikamentse Behandlung mit dem Biguanidprparat Metformin begonnen werden. Der nchste Therapieschritt bei ungengendem Erfolg mit Metformin stellt den rzten zwei Mglichkeiten zur Wahl: Nach statistischen Durchschnittsresultaten, also "evidenzbasiert", oder individuell nach den Besonderheiten und Bedrfnissen des Patienten.

Diese neue Fassung stellt einen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Auffassungen der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft fr Innere Medizin (DGIM) einerseits und der Deutschen Gesellschaft fr Allgemeinmedizin (DEGAM) und der Arzneimittelkommission der Deutschen rzteschaft (Akd) andererseits dar. DDG/DGIM empfehlen bei Unvertrglichkeit/Kontraindikation bzw. ungengender Wirkung von Metformin als 2. bzw. 3. Schritt eine andere bzw. Kombination mit einer zweiten Tablettenart oder injizierbaren Antidiabetika, alphabetisch aufgelistet. DEGAM/Akd hingegen schlagen vor, evidenzbasiert Insulin oder Glibenclamid einzusetzen, lassen aber in der verabschiedeten Endfassung jetzt auch andere Mglichkeiten offen.

In der neuen VersorgungsLeitlinie findet sich folgender Passus: "Der Dissens spiegelt die Komplexitt einer noch unzureichend untersuchten Krankheit und deren Behandlung wider…. Die Nationalen VersorgungsLeitlinien (sollen) nicht nur Einigkeit, sondern auch Divergenzen transparent formulieren…. Dies hilft auch im nationalen Interesse der Politik, der rzteschaft, Kostentrgern und den betroffenen Patienten Problemfelder und Forschungsbedarf aufzuzeigen". Das gemeinsame Consensus Statement 2012 der Amerikanischen und der Europischen Diabetesgesellschaft empfiehlt ebenso wie die DDG/DGIM individualisierte Therapiekonzepte und -ziele.

Kommentar

Nach langen Diskussionen wurde dieser vernnftige Kompromiss gefunden. Die Zeit der harten, "evidenzbasierten Medizin (EBM) fr alle" als Diktat ist wohl vorbei. Sie wurde, wie ihr Begrnder David Sackett spter einmal sagte, fr wirtschaftliche Aspekte missbraucht ("misused") und von Einkufern gekidnapt ("hijacked by purchasers"). Freilich sollen und mssen Therapieformen nach den Regeln der EBM auf Endpunkte (outcomes) und nicht nur auf Surrogatparameter geprft werden. Bei der Multimorbiditt vieler unserer Typ-2-Diabetespatienten gibt es aber wenig Evidenzen fr Kombinationen von Antidiabetika. Somit muss die geplante Therapie in jedem Einzelfall vom Arzt mit seinem Patienten besprochen und gemeinsam mit ihm festgelegt werden.

Literatur

  • ZQ 2013. http://www.versorgungsleitlinien.de
  • Deutsche Gesellschaft fr Endokrinologie: Paradigmenwechsel bei Leitlinie 2012 zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Pressemitteilung von April 2012
  • Helmut Schatz: Von David Sacketts "Evidence-based Medicine" zu einer "Evidence-biased Medicine"? Diabetes, Stoffwechsel und Herz 2007. 16:115-116

zuletzt bearbeitet: 18.11.2013 nach oben

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