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Höheres Diabetes-Risiko bei niedrigem sozialen Status

Hausarztpraxen als Seismograph gesellschaftlicher Problemlagen

Kongress zur Familienmedizin warnt vor dramatischen gesundheitlichen Folgen sozialer Ungleichheit schon bei Kindern

Gesundheitsfolgen von Armut und die Rolle der Familienmedizin waren die Themen des 2. Wissenschaftlichen Kongresses fr Familienmedizin unter dem Titel "Familienmedizin in der Hausarztversorgung der Zukunft", der krzlich an der Universitt Dsseldorf stattfand. In den Vortrgen und Workshops stand vor allem die Frage im Vordergrund, wie Familienmedizin in der Hausarztpraxis auf gesellschaftliche Problemlagen reagieren kann.

In Deutschland ist fast jeder Sechste armutsgefhrdet. Diese soziale Notlage geht mit einem vermehrten Gesundheitsrisiko einher. Das gilt fr ltere Menschen, deren Armutsrisiko zunimmt, wie fr Arbeitslose und Menschen in prekren Beschftigungsverhltnissen. So ist die Lebenserwartung von Mnnern mit geringem Einkommen 11 Jahre geringer als die von Mnnern mit hohem Einkommen, berichtete beispielsweise PD Dr. Thomas Lampert vom Robert Koch Institut in Berlin.

Auch die Krankheitslast ist sozial ungleich verteilt. Menschen mit niedrigem Sozialstatus sind zwei bis dreifach so hufig von den groen Bevlkerungskrankheiten wie Diabetes, KHK oder Adipositas betroffen wie gut Situierte. Gerne unter "Lebensstil-Krankheiten" eingeordnet und der Verantwortung des Einzelnen zugeschrieben, belegen Studien den Einfluss der zunehmenden gesundheitlichen Ungleichheit zwischen arm und reich mehr als deutlich.

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Armut in Familien schildern Hausrztinnen und Hausrzte immer wieder in Fallbeispielen aus ihren Praxen. Sie sehen sich mit dieser Problematik tagtglich konfrontiert. "Die Weichen fr eine gesunde Zukunft werden frh gestellt", sagt Prof. Dr. med. Stefan Wilm, Direktor des Instituts fr Allgemeinmedizin am Universittsklinikum Dsseldorf und Mitglied im DEGAM-Prsidium. "Wir sehen schon bei den Kindern, die in rmeren Verhltnissen leben, die Krankheitslast wachsen, etwa bei sportlicher Inaktivitt, bergewicht und Verhaltensaufflligkeiten." Familienmedizinisch orientierte Hausrzte knnen und mssen darauf reagieren. Hausrztliche Praxen stellen ein niedrigschwelliges Angebot dar, das bei Problemen in Anspruch genommen werden kann.

Die Familie im Fokus erlaubt es, problematischen Entwicklungen vorzubeugen, auf die familire Situation abgestimmte Behandlungsoptionen anzubieten und systemische Aspekte mit zu bercksichtigen. "Wir beobachten in der Langzeitbegleitung der Familien, wie ber die Armutsspirale schlechte Bildungschancen zu frher, hufig berforderter Elternschaft fhren", erlutert Prof. Dr. med. Stefan Wilm, der selbst als niedergelassener Hausarzt praktiziert. "Den Folgen von Armut und Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken ist aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nicht an die Kinderrzte und Hausrzte abgeschoben werden."

Diskutiert wurde auch ber ethische Konfliktfelder im Zusammenhang mit Familienmedizin, z. B. in der Frage der Orientierung am Wohl des einzelnen Patienten oder aber seiner pflegenden Angehrigen. Ohne interdisziplinre Zusammenarbeit und den Aufbau von Netzwerken, um insbesondere psychosozialen Problemlagen begegnen zu knnen, wird die Aufgabe nicht zu bewltigen sein. Ziel des Kongresses war es, Vertreter dieser Richtung zusammenzufhren, Forschungsanstze in der Familienmedizin zu entwickeln und an Lsungsmodellen zu arbeiten. Doch noch immer liegen zu wenig Forschungsarbeiten zur Familienmedizin in Deutschland vor.

Die Fachveranstaltung fand in Kooperation mit der Universitt Witten/Herdecke sowie der Deutschen Gesellschaft fr Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) statt.

Weitere Informationen

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 28.11.2013 nach oben

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