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Soziale Faktoren, Übergewicht und Typ-2-Diabetes

Pressemitteilung: Kompetenznetz Adipositas

Warum Wohnumfeld, Kriminalität und Verkehrsdichte zur Adipositas beitragen können

Prof. Dr. med. Manfred James Müller Das unmittelbare Wohnumfeld sowie soziale Faktoren haben Einfluss auf die Entstehung von bergewicht. Das konnte nun im Rahmen der Kieler Adipositas-Prventionsstudie (KOPS) besttigt werden. Die Studie wird durch das vom Bundesministerium fr Bildung und Forschung (BMBF) gefrderte Kompetenznetz Adipositas untersttzt. Das Forschungsprojekt untersucht den Zusammenhang zwischen biologischen Faktoren, Sozialstatus, Lebensstil, Lebenswelten und bergewicht bei Kindern im Alter zwischen sechs und 14 Jahren.

Lebenswelten frdern Inaktivitt und berernhrung

Ernhrung und krperliche Aktivitt haben Einfluss auf das Krpergewicht, zu viel Essen und zu wenig Bewegung sind Ursachen von bergewicht. Der Lebensstil unterliegt aber nicht allein der individuellen Entscheidung. "Auch Lebenswelten knnen 'adipogen' wirken, sie knnen das Risiko fr bergewicht erhhen", fasst Professor Manfred James Mller, einer der beiden Sprecher des Kompetenznetzes Adipositas, die Kernergebnisse der Studie zusammen. "Adipogene" Lebenswelten umfassen dabei die Summe aller Umgebungsfaktoren, welche eine hohe Energieaufnahme und einen inaktiven Lebensstil begnstigen. Zu den Faktoren zhlen neben einem groen Angebot an kalorienreichen Lebensmitteln wie beispielsweise Fast Food, auch eine hohe Verkehrsdichte und Kriminalitt sowie wenig Mglichkeiten fr Freizeitaktivitten wie Sport und Erholung. Auch die Schulbildung und das Gewicht der Eltern bestimmen das Risiko von bergewicht und Adipositas.

"Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die in sozial benachteiligten Wohngegenden aufwachsen und leben, sind hufiger bergewichtig", wei der Ernhrungsmediziner. Die Sozialraumanalyse in Stadt und Wohnbezirken zeigt deutliche Unterschiede in Lebensmittelangebot, Verkehrsdichte und Kriminalittsrate. "Bei einem hohen Lebensmittelangebot essen Kinder hufiger zwischen den Mahlzeiten", sagt Professor Mller. Eine hohe Verkehrsdichte sowie Kriminalittsrate begnstigen Inaktivitt und Medienkonsum - in diesen Wohngegenden gehen die Menschen seltener aus dem Haus und bewegen sich weniger. Eine niedrige Schulbildung verstrkt den nachteiligen Einfluss der Lebenswelt.

Prventionsstrategien mssen Einfluss der Lebenswelten bercksichtigen

Um in einer Untergruppe zustzlich zu den oben genannten Faktoren den Einfluss der Nachbarschaft auf das Gewicht von Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren zu untersuchen, wurde ein geographisches Informationssystem verwendet. Dadurch konnten die Lebenswelten im Umkreis von 800 Metern um das Zuhause des betreffenden Kindes charakterisiert werden. Das Ergebnis berrascht wenig: Als weitere Determinanten der Gewichtszunahme konnten die Begehbarkeit der Stadtteile, der Straentyp, das soziale Niveau der Wohngegend sowie die objektiv und subjektiv wahrgenommene Verkehrsdichte identifiziert werden. "Familire und soziale Faktoren haben im Vergleich zum Faktor Lebenswelt nach wie vor den greren Einfluss auf das Krpergewicht", so Professor Mller. "Dennoch sollten zuknftige Strategien der Prvention nicht allein den Lebensstil von Kindern und Jugendlichen adressieren, sondern auch den Einfluss der Lebenswelten bercksichtigen."

Mehr als die Hlfte der Deutschen ist bergewichtig, ein Viertel sogar adips. Whrend der Einfluss des Lebensstils auf bergewicht und nicht bertragbare Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Stoffwechsel- und Herz-Kreislauferkrankungen wiederholt belegt werden konnte, war die Bedeutung der sozialen Faktoren sowie unserer Lebenswelten bislang wenig erforscht. Die Kieler Adipositas-Prventionsstudie ist eine der ersten europischen Studien, welche die Beziehungen zwischen Sozialstatus, Lebenswelten und bergewicht von Kindern untersucht.

Das Kompetenznetz Adipositas

Das Kompetenznetz Adipositas verbindet bundesweit Experten im Bereich Adipositas. Im Netzwerk organisierte Verbnde erforschen Ursachen und Risikofaktoren fr die Entstehung der Adipositas. Sie entwickeln und berprfen neue Therapien sowie Prventionsstrategien. Das Kompetenznetz stellt fundierte und verstndliche Informationen fr rzte, Verbnde, Medien und Betroffene bereit. Damit sorgt das Netzwerk fr eine Strkung der Adipositasforschung in Deutschland, fr einen verbesserten Wissenstransfer der medizinischen Forschung und am Ende fr eine bessere Versorgung der Betroffenen.

Weitere Informationen finden Sie unter kompetenznetz-adipositas.de.

Literatur

  • Lange D, Plachta-Danielzik S, Landsberg B, Mller MJ. Social inequality, migration, and healthy environments as determinants of overweight of children and adolescents. Results of the Kiel Obesity Prevention Study (KOPS) Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2010;53:707-15.

  • Lange D, Wahrendorf M, Siegrist J, Plachta-Danielzik S, Landsberg B, Mller MJ. Associations between neighbourhood characteristics, body mass index and health-related behaviours of adolescents in the Kiel Obesity Prevention Study: a multilevel analysis. Eur J Clin Nutr. 2011;65:711-9.

  • Gose M, Plachta-Danielzik S, Willi B, Johannsen M, Landsberg B, Mller MJ. Longitudinal influences of neighbourhood built and social environment on children?s weight status. Int J Environ Res Public Health. 2013;10:5083-96.

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Manfred James Mller
Bildquelle: Kompetenznetz Adipositas

zuletzt bearbeitet: 12.12.2013 nach oben

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