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Mit und ohne Sportprogramm vor Diabetes schützen

Pressemitteilung: Universität des Saarlandes

Saarbrücker Sportmediziner bezweifeln hohen Einfluss des "Sport-Hormons" Irisin

Vor knapp zwei Jahren hatte ein Nature-Artikel von US-Forschern ber ein neu entdecktes Hormon hohe Wellen geschlagen. Die Wissenschaftler glaubten, mit Irisin ein "Sport-Hormon" gefunden zu haben, das bei krperlicher Aktivitt den Kalorienverbrauch erhht und auch danach im Ruhezustand den Fettabbau vorantreibt. Sportmediziner der Universitt des Saarlandes haben diesen hohen Einfluss von Irisin auf den menschlichen Stoffwechsel jetzt in Frage gestellt. In einer breit angelegten Trainingsstudie unterschied sich nach einem halben Jahr die Irisin-Konzentration der trainierenden Versuchspersonen nicht von der einer Kontrollgruppe.

Der Traum von einem therapeutischen Einsatz des Hormons fr bergewichtige Menschen scheint damit vorerst geplatzt.

Die Saarbrcker Sportmediziner forschen daran, wie sich durch sportliche Aktivitten der Stoffwechsel im Krper verndert. Nachdem vor einem Jahr die Erfolgsmeldung der amerikanischen Elite-Universitt Harvard kam, dass man einen neuen Botenstoff entdeckt habe, nahmen auch die Saarbrcker Wissenschaftler dieses Hormon ins Visier. "Der Botenstoff Irisin wurde von den US-Kollegen in hohem Ma fr den Nachbrenneffekt verantwortlich gemacht. Damit meint man das Phnomen, dass der Krper auch nach einer sportlichen Bettigung Energie verbraucht und im Ruhezustand zustzliche Kalorien verbrennt", erlutert Dr. Anne Hecksteden, Wissenschaftlerin am Institut fr Sport- und Prventivmedizin der Saar-Uni.

Man habe Irisin daraufhin als neues "Sport-Hormon" gefeiert, das eines Tages mglicherweise als Wirkstoff eingesetzt werden knnte, um Menschen auch ohne Sportprogramm vor Fettleibigkeit und Diabetes zu schtzen. "Diese Erkenntnisse basierten aber vor allem auf Experimenten an Musen und lebenden Zellen im Reagenzglas. Eine Untersuchung mit Testpersonen, die in dem Nature-Artikel der US-Forscher auch zitiert wurde, war wegen der geringen Teilnehmerzahl und der fehlenden Kontrollgruppe weniger berzeugend", ergnzt Hecksteden.

Um die Ergebnisse der amerikanischen Forscher zu berprfen, konnten die Saarbrcker Sportmediziner auf eine breit angelegte Trainingsstudie zurckgreifen, die vor einem Jahr mit ber 250 Versuchspersonen im Saarland durchgefhrt wurde. Bei der "Saarlndischen Ausdauer-Etappe", kurz Sause genannt, haben die trainierenden Teilnehmer ein halbjhriges Trainingsprogramm absolviert und wurden anschlieend mit einer zufllig ausgewhlten Kontrollgruppe verglichen, die ihren vorherigen Lebensstil beibehalten hatte. Erhoben wurden verschiedene Messwerte, die Aufschluss geben ber gesundheitliche Effekte, etwa die krperliche Leistungsfhigkeit, der Blutdruck und die Blutfette.

"Wir haben anhand dieser Daten aus der Sause-Studie nachweisen knnen, dass sich der Botenstoff Irisin durch sportliche Aktivitten lngst nicht so eindeutig erhht wie es die amerikanischen Forscher behauptet haben. Ihre Ergebnisse aus Versuchen an Zellkulturen und Musen lassen sich nicht direkt auf den Menschen bertragen", betont die Sportmedizinerin. Die hheren Werte, die bei den Versuchspersonen der US-Wissenschaftler nach sportlicher Bettigung aufgetreten waren, fhrt Anne Hecksteden auf Vernderungen in den gelagerten Blutproben zurck. "Irisin ist in den Serumproben nicht stabil. Das mussten auch wir bei unseren Auswertungen feststellen. Wenn Blut lngere Zeit im Gefrierschrank gelagert wird, verndert sich dieses, so dass man bei der Auswertung der Proben genau darauf achten muss, ob es zwischen Eingangs- und Abschlusstest einen Unterschied in der Lagerungsdauer gegeben hat", erlutert die Sportmedizinerin.

Das US-Team um Bruce Spiegelman vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston hatte in dem Nature-Artikel dargelegt, dass Irisin auf die Fettzellen im Krper einwirkt und deren Stoffwechsel so beeinflusst, dass so genannte weie Fettzellen in braune Fettzellen verwandelt werden. Diese bauen das Fett ab und wandeln die zuvor gespeicherten Kalorien in Wrme um. "Dies wirkt sich auch gnstig auf den Blutzuckerspiegel aus, was bei den US-Forschern die Hoffnung weckte, dass man mit Irisin bergewichtige Menschen und Diabetes-Patienten behandeln knnte, ohne ihnen bermige Bewegung zuzumuten", erlutert Hecksteden.

Die Saarbrcker Sportmediziner um Professor Tim Meyer gehen jedoch davon aus, dass der Stoffwechsel im menschlichen Krper viel komplexer ist und regelmige Bewegung auch in absehbarer Zukunft wohl nicht durch eine "Sport-Pille" zu ersetzen sein wird. Gemeinsam mit Studenten und Doktoranden am Sportmedizinischen Institut will Anne Hecksteden die Daten der Trainingsstudie weiter auswerten. Darber will sie noch anderen Mechanismen, die durch Sport ausgelst werden, auf die Schliche kommen.

Ergebnisse der Studie der Saarbrcker Sportmediziner um Dr. Anne Hecksteden:

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 13.12.2013 nach oben

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