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Welche Gene spielen eine Rolle bei Koronaren Herzerkrankungen?

Einige dieser Gene werden auch mit Typ-2-Diabetes, Adipositas und Hypertonie in Verbindung gebracht

Zwei in der November-Ausgabe des renommierten Fachjournals Nature Genetics verffentlichte wissenschaftliche Arbeiten berichten ber neue Genvarianten, die einen Einfluss auf den Fettstoffwechsel haben und mit einem erhhten Risiko verbunden sind, an der Koronaren Herzkrankheit zu erkranken. In beide Arbeiten sind Daten aus der Ludwigshafen Risk and Cardiovasuclar Health-Studie (LURIC-Studie) eingegangen, die von Dr. Marcus Kleber und Prof. Dr. Winfried Mrz an der Medizinischen Fakultt Mannheim durchgefhrt wird.

Fr ihre Untersuchungen nutzten die Wissenschaftler die Methode der SNP Genotypisierung, bei der das Erbgut mit hoher Przision nach Variationen in einzelnen Basen (Single-Nucleotide Polymorphisms; SNPs) durchforstet wird und dabei krankheitsauslsende genetische Vernderungen nachgewiesen werden knnen.

Bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) ist die Durchblutung des Herzmuskels gestrt. Ursache ist eine Verengung der Herzkranzgefe, die das Organ mit sauerstoffreichem Blut versorgen, aufgrund von Fett- oder Kalkablagerungen in der Gefwand. Da zu wenig Blut durch die Herzkranzgefe fliet, entsteht ein Sauerstoffmangel im Herzmuskel. Es sind vor allem Blutfette wie Cholesterin und Triglyzeride, die sich im Innern der Gefe ablagern und damit das Risiko fr Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern.

In der ersten Studie konnten die Wissenschaftler, Mitglieder des Global Lipids Genetics Consortium, an insgesamt 157 Genorten des menschlichen Genoms Vernderungen identifizieren, die Auswirkungen auf die Konzentrationen von Cholesterin oder Triglyzeriden haben. Darunter waren 62 Gene, die bislang nicht mit Lipiden (Fetten) in Verbindung gebracht worden sind.

Zu diesen Ergebnissen gelangten die Wissenschaftler, indem sie Genotypisierungsdaten von fast 189.000 Personen europischer Abstammung nach neuen Varianten absuchten, die mit den Werten von Blutfetten wie Cholesterin und Triglyzeriden assoziiert sind. Bei gut der Hlfte der Personen wurde ber das gesamte Erbgut hinweg nach genetischen Variationen gesucht. Bei der anderen Hlfte wurde spezifisch nach Abweichungen in Genen gesucht, die mit dem Lipidstoffwechsel und der Koronarkrankheit in Verbindung gebracht werden.

Die Ergebnisse dieser Studie tragen dazu bei, die biologischen Prozesse, die die Lipidkonzentrationen im Blut regeln, besser zu verstehen. Sie geben aber auch einen Hinweis auf die genetischen Komponenten, die das Risiko fr Koronare Herzerkrankungen beeinflussen. Dabei zeigt sich, dass einige der identifizierten Gene auch mit anderen Erkrankungen assoziiert sind, neben der Koronaren Herzkrankheit auch mit Typ-2-Diabetes, Adipositas und Hypertonie.

Die weitere Untersuchung vor allem der neu identifizierten Genvarianten wird dazu fhren, die Biologie des Fettstoffwechsels und die Grundlagen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen und mglicherweise auch neue Zielstrukturen fr deren Behandlung zu identifizieren.

Die zweite Arbeit untersucht die bislang noch unzureichend aufgeklrte Rolle der Triglyzeride bei der Entstehung der Koronaren Herzerkrankung. Auch hier wurden genetische Polymorphismen untersucht, die die Blutfettwerte beeinflussen. Die Ergebnisse besttigen die Hypothese, dass LDL-Cholesterin und Triglyceride, nicht aber HDL-Cholesterin urschlich fr die Entstehung der KHK sind.

Es zeigt sich nmlich, dass das Risiko fr Koronare Herzkrankheiten direkt assoziiert ist mit hohen Konzentrationen der Triglyzeride. Ebenso gibt es einen direkten Zusammenhang mit der Erkrankung, wenn LDL-Cholesterin und Triglyzeride sich gleichfrmig verhalten: hohe Konzentration gleich erhhtes Risiko, niedrige Konzentration gleich geringes Risiko.

Verhalten sich die Konzentrationen entgegengesetzt (Triglyzeride erhht und LDL-Cholesterin abgesenkt oder umgekehrt), so haben die Blutfettwerte keine Auswirkung auf die KHK. Und auch Polymorphismen, die das HDL-Cholesterin beeinflussen, zeigen nur sehr geringe Auswirkungen auf die Koronare Herzkrankheit, was darauf hindeutet, dass das HDL-Cholesterin nur eine untergeordnete Rolle bei der Entstehung der KHK spielt.

Publikationen in Nature Genetics

Discovery and refinement of loci associated with lipid levels Global Lipids Genetics Consortium,
Nature Genetics 45, 1274-1283 (2013),
doi:10.1038/ng.2797

Common variants associated with plasma triglycerides and risk for coronary artery disease,
Ron Do et al.,
Nature Genetics 45, 1345?1352 (2013),
doi:10.1038/ng.2795

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 23.12.2013 nach oben

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