Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2017 > 170128

Herzbericht 2016

Herzchirurgie in Deutschland

Interdisziplinre Herzteams sichern bestmgliche Patientenversorgung; Vielfltige herzchirurgische Operationstechniken zum Wohle der Patienten; Koronare Bypass-Operation kann Lebenserwartung verbessern; Mangel an Spenderherzen fhrt zu neuem Rekordtief der Herztransplantationen.

Der am 25.01.2017 in Berlin vorgestellte Herzbericht 2016 besttigt, dass die herzchirurgische Versorgung bundesweit mit 78 Abteilungen auf hohem Qualittsniveau etabliert ist. Die Verbesserung der Lebenserwartung - und insbesondere auch der Lebensqualitt - der Patienten ist eine wesentliche Prmisse fr die in Deutschland knapp 1.000 ttigen Herzchirurgen. "Insgesamt wurden im Jahr 2015 in Deutschland 128.175 Herzoperationen durchgefhrt", erlutert PD Dr. Wolfgang Harringer, erster Vizeprsident der Deutschen Gesellschaft fr Thorax-, Herz- und Gefchirurgie (DGTHG). "Trotz des kontinuierlichen Anstiegs des Lebensalters, und den damit einhergehenden Begleiterkrankungen, liegen die berlebensraten der Patienten dank der kontinuierlichen Weiterentwicklungen bestehender, und Initiierung minimalinvasiver, schonenderer Operationsverfahren, weiterhin bei ca. 97 Prozent."

Selbstverstndlich hat der demographische Wandel auch einen Einfluss auf die Entwicklung der Herzchirurgie. "Seit 1990 ist ein kontinuierlicher Anstieg von Patienten hheren Alters zu beobachten", erklrt Herzchirurg Harringer. Im Jahr 2015 waren bereits 15 Prozent aller herzchirurgischen Patienten mindestens 80 Jahre alt. Betrachtet man alle Herzerkrankungen, ist festzustellen, dass die Prvalenz bei Mnnern hher ist. Beispielsweise waren die Patienten mit koronarer Herzerkrankung, die eine Bypass-Operation erhielten, in 78 Prozent Mnner und nur in 22 Prozent Frauen (2015). Die Herzchirurgie leistet mit vielfltigen Verfahren und patientenindividuellen Therapien bedeutende Beitrge in der Herzmedizin. Umso mehr begrt die DGTHG die obligate Umsetzung interdisziplinrer Herzteams.

Entscheidung im Herzteam: bestmgliche Patientenversorgung und -Sicherheit

Interdisziplinrer Austausch und fachgebietsbergreifende Kooperation bedeuten fr den Patienten in jedem Fall die bestmgliche Option und fhren zu einer auf ihn abgestimmten Therapieempfehlung. Aus diesem Grund sind mit Blick auf die hochwertige medizinische Versorgung Herzteams - im Kern bestehend aus Herzchirurgen, Kardiologen, Kinderkardiologen und Ansthesisten - die optimale personelle Basis fr eine erfolgreiche Patientenbehandlung. Das "Herz-Team-Konzept" ist in zahlreichen nationalen und internationalen Leitlinien explizit als ein wesentlicher Faktor der Patientenversorgung ausgewiesen (Guidelines on myocardial revascularisation ESC/EACTS 2014; aktualisierte Nationale Versorgungsrichtlinie chronische Koronare Herzkrankheit 2016). "Wir begren das empfohlene Herzteam-Konzept ausdrcklich, dies im Hinblick auf alle Therapieverfahren in der Herzmedizin. Fr die Behandlung der Koronaren Herzkrankheit gibt es aus Sicht der Herzchirurgen noch Verbesserungspotential", so Harringer.

Koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzchirurgie: in 90 Prozent aller Flle sind Verkalkungen die Ursache der Herzerkrankung

Die Koronare Herzkrankheit als Erkrankung der Arterien des Herzens ist die hufigste Todesursache in den westlichen Industrielndern. Ablagerungen an den Gefwnden (Plaques) verursachen die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und damit Gefverengungen (Stenosen) bis hin zu Verschlssen, welche zu einer Mangelversorgung des Herzens mit Sauerstoff fhren. In 10 Prozent aller Flle sind andere Ursachen verantwortlich fr die Entstehung der KHK. Die Folgen knnen von der Angina pectoris ber Herzrhythmusstrungen bis hin zum Herzinfarkt reichen. Die stationre Morbidittsziffer der KHK hat von 2013 bis 2015 nur marginal um 0,8 % abgenommen (2013: 807,1; 2015:800,5). Das patientenindividuelle Versorgungskonzept der Koronaren Herzkrankheit richtet sich nach diversen Parametern.

Bypass-Operation: besonders vorteilhaft bei komplexen Gefverengungen, kein Patientenhchstalter fr Operationen; Diabetes-Patienten profitieren berproportional

Bei komplexen koronaren Mehr-Geferkrankungen und/oder Hauptstammstenose (Verengung der groen Herzkrangefe im Ursprungsteil) besteht eine klare Indikation fr die koronare Bypass-Operation. Dies sowohl bezogen auf die Beschwerdefreiheit und insbesondere auch im Hinblick auf die berlebensrate und Lebensqualitt (siehe 5-Jahres-Ergebnisse der Syntax-Studie) der betroffenen Patienten. "Patienten jeglichen Alters knnen herzchirurgisch revaskularisiert werden", betont Harringer. "Es gibt keine fixe Altersobergrenze. 2015 machte die Altersgruppe der ab 70+ Jahre 48,4 Prozent aller koronaren Bypass-Patienten aus." Mnner sind in allen Altersgruppen hufiger betroffen als Frauen - nur jede vierte Frau erhlt eine koronare Bypass-Operation. Insgesamt wurden 2015 bundesweit rund 52.000 isolierte und kombinierte Bypass-Operationen durchgefhrt.

"Welches Verfahren fr den Patienten das bestmgliche ist, muss im interdisziplinren Kompetenzteam - dem Herzteam - entschieden werden. Die im Jahr 2014 aktualisierte ESC/EACTS "Guidelines on myocardial revascularisation? besttigt ebenso wie die Nationale Versorgungsleitlinie chronische KHK die Konzeption der Kooperation und Entscheidungsfindung im Herz-Team", betont Harringer. "Jeder Patient muss individuell und im Kontext seines Herzleidens, wie auch seiner Begleiterkrankungen betrachtet und beraten werden. Zum Beispiel profitieren Patienten mit Diabetes mellitus berproportional von einer koronaren Bypass-Operation im Vergleich zu anderen Therapiekonzepten. Fr multimorbide Hochrisikopatienten im hohen Lebensalter kann durchaus auch eine Intervention das Mittel der ersten Wahl sein. Wie konsequent und erfolgreich sich die Zusammenarbeit im Herzteam gestalten kann, sieht man an der seit mehreren Jahrzehnten praktizierten engen Zusammenarbeit und Abstimmung von Herzchirurgen und Kinderkardiologen bei der Behandlung von Patienten mit angeborenen Herzfehlern."

nach oben

Herzklappenchirurgie: kontinuierlicher Anstieg der Eingriffe; Mitralklappe kann zumeist rekonstruiert werden, G-BA Richtlinie etabliert Herzteam bei TAVI und Mitral Clip

Europaweit gehrt die Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) zu den hufigsten Herzklappenerkrankungen, die verschleibedingt, insbesondere im hohen Lebensalter, auftritt. "Die Aortenklappenstenose ist derzeit die hufigste invasiv therapierte Herzklappenerkrankung, gefolgt von der Mitralklappeninsuffizienz. Insgesamt stieg 2015 die Anzahl der Herzklappeneingriffe um ca. 3 Prozent auf 32.346 (2014: 31.359) an. 11.183 dieser Eingriffe waren im Jahr 2015 konventionelle Aortenklappenersatz-Operationen", erklrt Harringer. Mit 6.027 isolierten Mitralklappen-Operationen setzte sich der kurative Ansatz auch im 2015 fort: Bei rund zwei Drittel (63,6 Prozent) der Operationen konnte die patienteneigene Herzklappe rekonstruiert, und in ihrer Funktion wiederhergestellt werden. Biologische oder mechanische Mitralklappen-Prothesen waren in 36,4 % aller Flle notwendig.

Neben den konventionellen Operationsverfahren bieten minimalinvasive kathetergesttzte Techniken (TAVI und Mitral Clip) eine schonende Alternative fr ausgewhlte Patienten hheren Lebensalters in Kombination mit erheblichen Begleiterkrankungen. Die Zahl kathetergesttzter Aortenklappenimplantationen (TAVI) im Jahr 2015 betrgt laut des deutschen Herzberichtes 15.573. "Die kathetergesttzte Aortenklappen-implantation und die transvense Clip-Rekonstruktion der Mitralklappe unterliegen in Deutschland besonderen Voraussetzungen und drfen seit dem 20. Juli 2015 nur nach interdisziplinrem Konsens des etablierten Herzteams mit festgelegten Prozessen und verbindlich definierter Infrastruktur durchgefhrt werden", erklrt PD Dr. Harringer. "So sieht es die Richtlinie zu minimalinvasiven Herzklappeninterventionen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vor. Wir begren dies ausdrcklich."

Neues Rekordtief: Mangel an Spenderherzen

Die dramatische Entwicklung bei den Herztransplantationen setze sich auch mit einem Rekordtief im Jahr 2015 fort. Wurden 2014 noch 294 Herztransplantationen durchgefhrt, so sank die Anzahl weiter auf 283 im Jahr 2015. Zwar werden nach Angaben der DGTHG Herzuntersttzungssysteme, welche als Alternative oder als berbrckung bei mehr als 90 Prozent der Patienten implantiert werden, immer leistungsfhiger, stellen jedoch keinen adquaten bzw. vollumfnglichen Ersatz fr ein Spenderherz dar. "Aufgrund ihrer lebensbedrohlichen Erkrankung mssen viele der schwerst-herzkranken Patienten meist mehrere Monate im Krankenhaus oder gar auf einer Intensivstation auf die lebensrettende Transplantation warten", erklrt Herzchirurg Harringer. "Alle Beteiligten sollten daher weiter an die Spendebereitschaft der Bevlkerung appellieren."

Die Deutsche Gesellschaft fr Thorax-, Herz- und Gefchirurgie e.V. (DGTHG) mit Sitz in Berlin ist eine gemeinntzige medizinische Fachgesellschaft, deren Ziele u. a. der Frderung der Wissenschaft und Weiterentwicklung von Therapien auf dem Gebiet der Thorax-, Herz- und Gefchirurgie sind. Zu den weiteren Hauptaufgaben zhlen die Durchfhrung von Weiter- und Fortbildungsprogrammen, Erstellung medizinischer Leitlinien, Frderung von Nachwuchskrften und die Ausrichtung medizinischer Fachtagungen. Als Vertretung der ber 1.000 in Deutschland ttigen und in der DGTHG organisierten Thorax-, Herz- und Kardiovaskularchirurgen stehen die Verantwortlichen der Fachgesellschaft fr einen Dialog mit der ffentlichkeit, Politik und Wirtschaft zur Verfgung.

zuletzt bearbeitet: 28.01.2017 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Professor Dr. Peter Bottermann

Prof. Peter Bottermann

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.