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Mit Paleo und Superfood schlank und gesund?

Internisten beleuchten aktuelle Ernährungstrends

Prof. Hans Hauner Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Krebs - krankhaftes bergewicht erhht das Risiko fr zahlreiche chronische Krankheiten. Trotzdem schaffen es viele adipse Menschen nicht, gesund ihr Gewicht zu senken. Eine Ernhrungsumstellung kann Abhilfe schaffen, doch nicht alle aktuellen Dit-Trends halten, was sie versprechen. Von Low-Carb ber Paleo und vegan bis hin zu Superfoods: Welche Ernhrungskonzepte sind aus medizinischer Sicht wirklich empfehlenswert? Darber diskutierten Experten der Deutschen Gesellschaft fr Innere Medizin e.V. (DGIM) auf der Pressekonferenz vom 09.02. in Berlin.

"Ernhrungstrends sind in den Medien ein groes Thema. Das ist prinzipiell erfreulich, da ber- und Fehlernhrung der wichtigste Risikofaktor fr die Krankheitslast in der deutschen Bevlkerung ist", sagt Professor Dr. med. Hans Hauner, Direktor des Instituts fr Ernhrungsmedizin am Klinikum rechts der Isar der TU Mnchen. "Doch viele Dit-Trends werden aus wirtschaftlichen Interessen platziert - eine wachsende Zahl von Herstellern und Vertreibern generiert damit jhrlich Milliardenumstze." Low-Carb, die Paleo-Dit und vegane Ernhrung werden seit einigen Jahren vor allem als Mittel zur gesunden Gewichtsabnahme propagiert, doch nicht alle berzeugen den Ernhrungsmediziner Hauner.

Verschiedene Low Carb-Diten implizieren generell eine kohlenhydratarme Kost. Das ist aus Expertensicht empfehlenswert: "Eine Senkung des Kohlenhydratanteils auf 30 bis 40 Prozent der Gesamtenergieaufnahme bei gleichzeitiger Erhhung des Fett- und Proteinverzehrs schneidet in Einzelaspekten besser ab als die klassischen fettarmen, kohlenhydratreichen Ernhrungsformen", so Hauner. Personen mit Diabetes Typ 2 knnten von einer Low-Carb-Ernhrung besonders profitieren.

Fr Patienten mit dem metabolischen Syndrom, bei denen der Kohlenhydrat-Stoffwechsel gestrt ist und die zugleich adips sind, ist laut Hauner eine Paleo-Dit denkbar. Das an steinzeitlicher Ernhrung orientiere Konzept berzeugt den Experten zwar nicht gnzlich: Denn was in der Steinzeit gerade zum berleben reichte, msse heute nicht zwangslufig als Ernhrungsvorbild fungieren. "Bei Paleo-Diten handelt es sich um eine proteinreiche Kost, die auf Getreide- und Milchprodukte sowie moderne, verarbeitete Lebensmittel weitgehend verzichtet", erlutert der Ernhrungswissenschaftler. Die Wirksamkeit dieser Nhrstoff-Zusammensetzung und der Energiegehalt seien gnstig und zudem durch kleinere Studien nachgewiesen.

Kritischer beurteilt der Experte hingegen vegane Kost, bei der auf alle tierischen Produkte inklusive Milch und Milchgetrnken sowie auf Eier verzichtet wird. "Die Ernhrungs-Zusammensetzung ist dabei verhltnismig einseitig und erfordert gute Kenntnisse und Disziplin, um den Nhrstoffbedarf des Menschen zu sichern", sagt Hauner. Kritisch sei vor allem die Versorgung mit Vitamin B12 und Jod zu sehen. Lediglich wenige kleine Studien mit veganer Ernhrung zeigten gnstige Effekte auf das Krpergewicht und damit assoziierte Risikofaktoren wie Diabetes Typ 2. Noch skeptischer beurteilt der Mnchener Ernhrungsmediziner die sogenannten "Superfoods", bei denen es sich um einzelne Lebensmittel wie Samen, Beeren und Nssen aus meistens exotischen Regionen handelt. "Diesen Produkten wird eine besonders hohe gesundheitsfrdernde Wirkung zugesprochen - hufig werden sie jedoch einfach zu hheren Preisen verkauft als vergleichbare herkmmliche Lebensmittel". Das liee sich etwa am Beispiel von Chia-Samen zeigen, die keine Vorteile gegenber den einheimischen Leinsamen htten, jedoch aber zu 5- bis 10-fach hheren Preisen verkauft wrden. Bei den Superfoods fehlen wissenschaftliche Studien meistens vllig oder sie sind wegen methodischer Mngel wertlos", kritisiert Hauner.

"Welche Dit zu welchen Anforderungen und Bedrfnissen passt, besprechen Patienten am besten mit ihrem Arzt", ergnzt Professor Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Flsch, Generalsekretr der DGIM aus Kiel. "Die Ernhrungsumstellung ist vor allem bei stak bergewichtigen Menschen nur Teil eines umfassenden Konzepts, das auch einen Bewegungsplan und bei Bedarf psychische Beratung einbezieht", so der Gastroenterologe. Entscheidend sei zudem, die Dit auch auf mgliche weiterer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Diabetes abzustimmen.

Starkes bergewicht und die Folgeerkrankungen werden auch Thema beim 123. Internistenkongress sein. Weitere Informationen zum Kongress finden Interessierte hier.

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Hans Hauner
Bildquelle: Deutsche Gesellschaft fr Innere Medizin e.V. (DGIM)

zuletzt bearbeitet: 13.02.2017 nach oben

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