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Gefahr für werdende Mutter und Kind minimieren

Bei Schwangerschaftsdiabetes erst Lebensstiländerung, dann Insulin

Diabetes ist eine der hufigsten Komplikationen in der Schwangerschaft, die fr die werdende Mutter wie fr das ungeborene Kind ein erhhtes Gesundheitsrisiko darstellt. Daher ist es umso wichtiger, dass jede Schwangere an dem gesetzlichen Screening in der Schwangerenvorsorge teilnimmt und mit der Behandlung nach der Diagnose so frh wie mglich beginnt, um die Gefahr fr sich und ihr Kind zu minimieren. "Leider sind betroffene Frauen hufig verunsichert, wieviel Therapie beim Schwangerschaftsdiabetes tatschlich erforderlich ist", betont Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Prsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). DDG und Bundesverband Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND) stellen klar, dass die erste Behandlungsmanahme in einer nderung des Lebensstils besteht; diese Haltung teilen auch der Berufsverband der Frauenrzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft fr Gynkologie und Geburtshilfe (DGGG). Ob zustzlich Insulin gegeben werden muss, um die Risiken fr Mutter und Kind in den Griff zu bekommen, msse genau abgewogen werden.

Beim Schwangerschaftsdiabetes ist der Blutzucker der Mutter entweder stndig oder auch nur ungewhnlich lange nach den Mahlzeiten erhht. Die hohe Zuckermenge geht direkt auf das Baby ber, das dadurch berernhrt wird. Es wchst hufig zu schnell, und sein Stoffwechsel stellt sich schon vor der Geburt auf das stndige Kohlehydrat-berangebot ein, wie Professor Dr. med. Birgit Seelbach Gbel, Prsidentin der Deutschen Gesellschaft fr Gynkologie und Geburtshilfe (DGGG) erlutert. Tritt die Erkrankung schon frh in der Schwangerschaft auf und wird nicht entdeckt, so knnen sich auch Fehlbildungen des Herzens entwickeln. Die Hormonsituation beim Kind verzgert auerdem die Reifung der Lungenblschen, sodass vor allem frhgeborene Babys hufiger mit Atemnot zu kmpfen haben und beatmet werden mssen. Auerdem enthlt die Fruchtblase oft zu viel Fruchtwasser. Die Gebrmutterwand wird durch das zu groe Kind und die hohe Fruchtwassermenge berdehnt, sodass die Geburt oft um Wochen zu frh beginnt.

Auch fr die Mutter ist der Schwangerschaftsdiabetes ein Risiko, denn es entwickelt sich dann hufiger ein hoher bis sehr hoher Blutdruck mit demen, Nierenproblemen und der Neigung zu Krampfanfllen, eine sogenannte Preklampsie. Auch hufen sich Infektionen der Harnwege, die das Risiko fr Frhgeburten zustzlich erhhen. Ein weiteres, groes Problem stellt sich oft whrend der Geburt selbst, so Seelbach-Gbel: Es kommt bei einem groen Kind hufiger zum Geburtsstillstand und zu Schwierigkeiten bei der Geburt der kindlichen Schultern, es muss hufiger eine Vakuumglocke verwendet und es muss hufiger ein grerer Dammschnitt gesetzt werden.

All diese Entwicklungen knnen von der Frau selbst verhindert werden, betont Dr. med. Christian Albring, Prsident des Berufsverbandes der Frauenrzte (BVF). An erster Stelle stehen eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernhrung und der weitgehende Verzicht auf Sigkeiten und Limonaden, um den Blutzuckerspiegel niedrig zu halten. Auerdem gehren reichliche, mglichst tgliche Bewegung dazu und eine regelmige Blutzuckerkontrolle. "Wenn eine Frau diese Manahmen entschieden und konsequent umsetzt, kann sie meist die Gefahren fr ihr Baby und fr sich abwenden", so Seelbach-Gbel. "Erst wenn diese Manahmen nicht greifen, ist eine Insulintherapie in Betracht zu ziehen, mit der dann auch nicht zu lange zugewartet werden darf, weil es ja gilt, das stndige berangebot an Zucker von dem Baby so gut es geht fernzuhalten und die Entwicklung von Folgeschden bei der Mutter zu verhindern", sagt Dr. med. Nikolaus Scheper, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND).

Wie wichtig es ist, dass alle Schwangeren das Screening wahrnehmen, unterstreicht Albring. "Wir wissen zwar, dass bergewicht, hheres Alter, Diabetes in der Familie und die frhere Geburt eines sehr groen Kindes die Wahrscheinlichkeit erhhen, dass die Frau in der aktuellen Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt. Aber 40 Prozent aller Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes sind schlank und haben auch sonst keinerlei Risiken. Wrden wir unser Augenmerk nur auf die lteren, bergewichtigen Schwangeren legen, wrden wir einen sehr groen Teil der gefhrdeten Frauen bersehen."

Zum Hintergrund: Beim gesetzlich vorgeschriebenen Blutzuckertest, bei dem es sich um eine international bewhrte Standarddiagnostik handelt, trinkt die Schwangere zunchst 200 Milliliter Wasser mit 50 Gramm Traubenzucker, bevor eine Stunde spter der Blutzucker im Venenblut gemessen wird. Der Test liefert Hinweise auf die Fhigkeit, eine bestimmte Menge Glukose innerhalb eines Zeitraumes abzubauen. Ist der Blutzuckerwert hher als 135 mg/dl, so besteht der Verdacht, dass ein Diabetes vorliegen knnte. In diesem Fall muss in den folgenden Tagen ein 75-Gramm-Diagnosetest ber zwei Stunden im morgendlich nchternen Zustand angeschlossen werden.

Nur dann, wenn auch dieser zweite Test erhhte Blutzuckerwerte zeigt, liegt ein Schwangerschaftsdiabetes vor. In diesem Fall wird ein Facharzt mit diabetologischem Schwerpunkt hinzugezogen. Er richtet sein Augenmerk auf die diabetische Stoffwechsellage, bert die Frau und entscheidet mit ihr zusammen, ob die Umstellung der Ernhrungsweise und die intensivierte krperliche Bewegung ausreichen fr die Normalisierung der Blutzuckerwerte. Falls das nicht der Fall ist, ist die Gabe von Medikamenten, insbesondere Insulin notwendig, um die Risiken fr Mutter und Kind einzugrenzen.

"Obwohl der Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt von allein verschwindet, ist von nun an fr Mutter und Kind erhhte Achtsamkeit notwendig", so Gallwitz. "Jede zweite ehemalige GDM-Patientin entwickelt innerhalb von zehn Jahren einen Typ-2-Diabetes; und auch ihre Kinder haben lebenslang ein erhhtes Diabetesrisiko, vor allem dann, wenn der Schwangerschaftsdiabetes nicht entdeckt und behandelt wurde. "Aus diesem Grund sind Frherkennung und rechtzeitiger Therapiebeginn wichtig", sagt Scheper.

zuletzt bearbeitet: 02.03.2017 nach oben

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