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Warum nicht gleich der zuverlässige Test?

Deutsche Diabetes Gesellschaft rät zum Glukosetoleranztest bei Risikoschwangerschaften

Eine Schwangerschaft ist immer auch eine Herausforderung fr den Blutzuckerhaushalt: Hormone, die vor allem in der zweiten Schwangerschaftshlfte produziert werden, verringern die Wirkung von Insulin und knnen so zur Entstehung eines Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes mellitus (GDM) beitragen. Damit dieser nicht unerkannt bleibt, wird allen Schwangeren zwischen der 24. und 28. Woche ein entsprechender Blutzuckerbelastungstest angeboten. Die Mutterschaftsrichtlinie sieht hierfr jedoch nur die einfachere von zwei Testvarianten vor. Damit knne ein GDM jedoch nicht zuverlssig erkannt werden, kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Bei Risikoschwangeren - etwa Frauen ber 30 oder bergewichtigen Frauen - solle direkt der aufwndigere aber aussagekrftige diagnostische Glukosetoleranztest zum Einsatz kommen.

Bei dem derzeit vorgeschriebenen Screeningtest trinkt die Schwangere eine Zuckerlsung mit 50 Gramm Glukose. Eine Stunde spter wird der Blutzuckerwert gemessen; liegt dieser ber 135 mg/dl, besteht der Verdacht auf einen Schwangerschaftsdiabetes. "Leider schliet aber auch ein niedrigerer Wert einen GDM nicht sicher aus", sagt Professor Dr. med. Ute Schfer-Graf, die das Berliner Diabeteszentrum fr Schwangere am St. Joseph-Krankenhaus in Berlin leitet. Genaue Daten zur Aussagekraft des Screenings lgen nicht vor, eine Untersuchung aus den 1990er-Jahren sprach jedoch damals schon dafr, dass mindestens jede fnfte gefhrdete Frau nicht erkannt werde.

Sobald Warnzeichen fr einen GDM auftreten - etwa vermehrtes Durstgefhl der Schwangeren, eine deutliche Zunahme der Fruchtwassermenge oder des kindlichen Bauchumfangs - sollte der Frauenarzt seiner Patientin daher unbedingt auch noch den aussagekrftigeren oralen Glukosetoleranztest anbieten. Fr diesen kurz als 75 g oGTT bezeichneten Test muss die Schwangere morgens nchtern in die Praxis kommen. Nachdem der Nchternblutzucker gemessen wurde, trinkt sie eine Lsung mit 75 Gramm Glukose. Nach einer sowie nach zwei Stunden wird erneut der Blutzuckerwert bestimmt.

"Aus einer weltweiten Studie mit 25.000 Schwangeren wissen wir, dass bei fast jeder dritten Schwangeren mit GDM nur der Nchternblutzucker erhht ist", sagt DDG-Expertin Schfer-Graf. In all diesen Fllen knne die Stoffwechselentgleisung nur mit dem 75 g oGTT erkannt werden, nicht aber mit dem einfachen Screening - denn hier werde der Nchternblutzucker schlielich gar nicht gemessen.

Ergibt der einfache Screeningtest Werte ber 135 mg/dl, sieht die Mutterschaftsrichtlinie zur weiteren Abklrung auch hier die Durchfhrung eines 75 g oGTT vor. "Um ihren Patientinnen die Belastung durch einen doppelten Test zu ersparen und gleichzeitig die Gefahr einer Fehldiagnose zu minimieren, bieten viele Frauenrzte direkt den 75 g oGTT an", wei Schfer-Graf. Weil die Krankenkassen jedoch nur den 75 g Test bezahlen, wenn ein Suchtest vorausgegangen ist, zahlen die rzte zuweilen den Differenzbetrag aus eigener Tasche. Alternativ bieten sie den przisen oGTT als IGEL-Leistung an, die die Schwangere selbst bezahlen muss. DDG Prsident Professor Dr. med. Baptist Gallwitz vom Universittsklinikum Tbingen sieht das Thema Frherkennung des Schwangerschaftsdiabetes im Kontext der konomisierung in der Medizin und von Sparmanahmen der Kassen. Er empfiehlt: "Zumindest bei Schwangeren mit erhhtem GDM-Risiko, etwa bei starkem bergewicht, sollte der oGTT auch direkt abgerechnet werden knnen?. Im Idealfall sollte dies sogar fr alle Schwangeren gelten.

Die Zusatzkosten fr den przisen Test sind mit einem Euro fr den Nchtern-Blutzuckertest plus einem Euro fr den "Zwei-Stundenwert" vergleichsweise gering, der Nutzen fr die Schwangeren hingegen gro. Demgegenber stehen bei den jetzt bei vielen Schwangeren notwendigen zweistufigen Untersuchungen (50 g Test und dann 75 g oGTT) zustzliche Arztbesuche an - also wrde auf Kostentrgerseite wahrscheinlich gar nichts teurer, wenn man einheitlich auf 75 g oGTTs umstellte.

Schtzungen zufolge entwickeln immerhin fnf bis zehn Prozent aller Schwangeren einen GDM. DDG Prsident Gallwitz mahnt: "Unerkannt und unbehandelt birgt diese Stoffwechselstrung groe Risiken fr Mutter und Kind. Die Mtter haben ein erhhtes Risiko fr eine Frhgeburt und eine sogenannte Preklampsie mit Bluthochdruck und vermehrter Eiweiausscheidung". Zudem werde der Stoffwechsel des Ungeborenen im Mutterleib so fehlgeprgt, dass sein Risiko, spter selbst einen Diabetes zu entwickeln, deutlich erhht ist.

Bei ihrer Jahrespressekonferenz am 16. Mrz 2017 diskutieren Experten der DDG die Folgen von Sparmanahmen der Krankenkassen fr Diabetespatienten. Thema wird auch sein, wie sich konomischer Wettbewerb und das Streben nach Gewinnoptimierung in den deutschen Krankenhusern auf das Gesundheitssystem auswirken.

zuletzt bearbeitet: 13.03.2017 nach oben

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