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Verschwindende Äderchen

Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht so das Infarkt-Risiko

Eine Diabetes-Erkrankung erhht das Herzinfarkt-Risiko deutlich. Einen der Grnde dafr hat jetzt ein Team der Technischen Universitt Mnchen (TUM) identifiziert: Bei Diabetes lsen sich kleine Blutgefe um das Herz auf. Dadurch wird der gesamte Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen. Eine mgliche Gegenmanahme knnte eine Gen-Therapie sein, die das Gefwachstum ankurbelt.

Die Herzkranzgefe lassen sich mit einem Straennetz vergleichen: Arterien und Venen bilden die Hauptverkehrswege, von denen zahllose kleinere und kleinste Verbindungsstraen und Zufahrtswege abzweigen. Wenn eine dieser kleinen Straen gesperrt ist, hat das kaum Auswirkungen auf den gesamten Verkehrsfluss. Wenn jedoch genug Abfahrten geschlossen sind, wird der Verkehr auch auf der Hauptstrae dichter. Im schlimmsten Fall kann das zum Kollaps des gesamten Systems fhren - einem Herzinfarkt.

Ein Team unter Leitung der TUM hat herausgefunden, dass genau das bei einer Diabetes-Erkrankung der Fall sein kann. Ihre Erkenntnisse schildern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Rabea Hinkel und Prof. Christian Kupatt, Kardiologen am Klinikum rechts der Isar der TUM, im "Journal of the American College of Cardiology".

Unterschiede zwischen Herzen von Diabetikern und anderen Patienten

Fr ihre Arbeit verglichen sie Herzkranzgefe von Transplantationspatienten mit und ohne Diabetes. Das Ergebnis: Bei den Proben von Diabetikern war die Anzahl der kleinen Gefe um das Herz deutlich verringert. Im Labor konnte das Team zeigen, dass bei hohem Blutzuckerspiegel die sogenannten Perizyten abgebaut werden. "Diese Zellen bilden normalerweise eine Schicht, die kleine Blutgefe umgibt", erlutert Rabea Hinkel. "Wir gehen davon aus, dass diese Schicht die derchen stabilisiert. Wenn sie angegriffen ist, wird das gesamte Gef instabil und lst sich schlielich auf."

Versuche an Tieren besttigten die Annahme, dass die kleinen Herzkranzgefe bei einer unbehandelten Diabetes-Erkrankung immer weniger werden. "Diabetes bleibt bei Patienten oft Jahre und Jahrzehnte unentdeckt. In diesem langen Zeitraum kann es zu extremen Schden kommen", sagt Rabea Hinkel.

Therapie mit Thymosin Beta 4

Das Verschwinden der kleinen Blutgefe ist jedoch nicht unumkehrbar. Hinkel und Kupatt setzten in ihrer Studie auf eine Gen-Therapie, durch die Herzzellen dazu angeregt wurden, verstrkt das Molekl Thymosin Beta 4 zu bilden. Dieses Protein sorgt unter anderem dafr, dass mehr Perizyten gebildet werden. Auf diese Weise gelang es dem Team der TU Mnchen, stabile und funktionstchtige derchen wachsen zu lassen.

"Bis solch eine Therapie fr Menschen anwendbar ist, wird allerdings noch einige Zeit vergehen", sagt Christian Kupatt. "Wir konnten aber erstmals anhand eines transgenen Tiermodells, das dem menschlichen Typ-1-Diabetes sehr nahe kommt, nachweisen, auf welche Weise Zuckerkrankheit das Herz schdigt. Das erffnet neue Perspektiven fr die Behandlung von Erkrankten. Zudem verdeutlichen unsere Erkenntnisse noch einmal, wie wichtig es ist, Diabetes frh zu erkennen."

Publikation: R. Hinkel, A. Hoewe, S. Renner, J. Ng, S. Lee, K. Klett, V. Kaczmarek, A. Moretti, K.-L. Laugwitz, P. Skroblin, M. Mayr, H. Milting, A. Dendorfer, B. Reichart, E. Wolf, C. Kupatt, "Diabetes Mellitus?Induced Microvascular Destabilization in the Myocardium", Journal of the American College of Cardiology 69:2 (2007). DOI: 10.1016/j.jacc.2016.10.058.

zuletzt bearbeitet: 23.03.2017 nach oben

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