Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2017 > 170323b

Ohne Klinik kein Nachwuchs in der Diabetologie

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Stellvertretender Direktor, Medizinische Klinik IV, Eberhard Karls Universität Tübingen, im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 16. März 2017 in Berlin.

Wer kümmert sich 2025 noch um Patienten mit Diabetes?

Professor Dr. med. Baptist Gallwitz Derzeit werden in Deutschland Patienten mit Diabetes von ca. 60.000 Hausrzten und ca. 1.100 Schwerpunktpraxen mit Diabetologen ambulant betreut; der Bedarf fr eine Schwerpunktpraxis liegt bei mindestens einer Praxis pro 50.000-100.000 Einwohnern deutlich hher und nimmt bei steigender Prvalenz des Diabetes zu. Die stationre spezialisierte Betreuung erfolgt in ca. 165 zertifizierten Einrichtungen in Krankenhusern. Fr die Versorgung der Bevlkerung gibt es zudem auf rztlicher Seite ein Nachwuchsproblem, denn fast ein Drittel der rzte ist lter als 50 Jahre, fast ein Fnftel sogar lter als 60.

Um "Versorgungslcken" nicht noch grer werden zu lassen, muss die Nachwuchsgewinnung und -frderung fr rzte, Fachkrfte in Assistenz- und Pflegeberufen (z. B. Diabetesberater) und andere Berufe (Psychologen, Wissenschaftler) als zentrales Handlungsfeld gesehen werden.

Im Studium sowie in der rztlichen und pflegerischen Ausbildung ist die Diabetologie heute nicht ausreichend verankert und reprsentiert. Viele Ausbildungs- oder Studienabsolventen kommen in ihren Beruf, ohne auf die Behandlung von Menschen mit Diabetes ausreichend vorbereitet zu sein oder mit den vielfltigen Mglichkeiten des Fachs in Berhrung gekommen zu sein - und das, obwohl die interdisziplinren und interprofessionellen Aspekte der Diabetologie wichtige Handlungskompetenzen vermitteln.

Diese Entwicklung hngt nicht zuletzt mit der stndig sinkenden Zahl an klinischen Lehrsthlen fr Diabetologie und Stoffwechsel an den deutschen Universitten und Ausbildungsmglichkeiten in Krankenhusern zusammen. Die Diabetologie als vermeintlich ambulantes Fach der "sprechenden Medizin" ist zunehmend in den Kliniken nicht mehr vertreten, sodass sie auch im Rahmen der Weiterbildung nicht mehr angemessen vermittelt werden kann.

Folglich entsteht eine "Abwrtsspirale" mit immer weniger Experten, die Diabetologie lehren, und immer weniger Berufsanfngern, die sich fr eine Karriere in der Diabetologie entscheiden. Die stndig steigende Zahl an Patienten kann somit in Zukunft nicht mehr kompetent behandelt werden.

Die DDG und die Berufs- und Patientenverbnde haben daher in ihrem Positionspapier "Diabetologie 2025" drei zentrale Forderungen formuliert:

  1. Diabetologie muss im Studium standardmig verankert werden. Neben den derzeit 14 "Querschnittsfchern" im Medizinstudium sollte sie als 15. Querschnittsfach anerkannt werden. Die DDG setzt sich dafr ein, dass in der Weiterentwicklung der Curricula und des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) beziehungsweise des Masterplans Medizinstudium 2020 die Diabetologie besser abgebildet wird.

  2. Die Bundeslnder und der Bund mssen dafr sorgen, dass die Zahl der Lehrsthle fr Diabetologie und Stoffwechsel in der Inneren Medizin und Allgemeinmedizin wieder steigt. Die Diabetologie muss als selbststndige Einheit an groen Versorgungskrankenhusern erhalten bleiben und essenzieller Teil der Weiterbildung in der Inneren Medizin und in der Berufsausbildung anderer Gesundheitsberufe sein. Voraussetzung dafr ist, dass die "sprechende Medizin" im DRG-System angemessen abgebildet wird.

  3. Der medizinische Nachwuchs bentigt in der Diabetologie attraktive und definierte Karrierewege. Dazu muss die rztliche Qualifikation im Teilgebiet beziehungsweise der Facharzt fr Diabetologie anerkannt und etabliert werden. Das Gleiche gilt fr die Ausbildung der diabetologischen Assistenzberufe wie beispielsweise die der Diabetesberater/innen DDG, die staatlich anerkannt sein und eine entsprechende Berufsgruppeneinstufung erhalten sollten.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Baptist Gallwitz
Bildquellen: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 23.03.2017 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Professor Dr. Peter Bottermann

Prof. Peter Bottermann

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.