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Mit Spritzen oder Skalpell der Adipositas auf den Leib rücken

Typ-2-Diabetes gehört zu den Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit

Ernhrungsumstellung und mehr Bewegung erzielen bei Menschen mit starker Fettleibigkeit oft nur eine begrenzte Wirkung. Das Problem ist nicht die Gewichtsabnahme, sondern das Halten des reduzierten Gewichts. Immer hufiger raten rzte ihren sehr fettleibigen Patienten daher zu einer Operation mit Magenverkleinerung oder Magenbypass. Zudem knnte eine neue Pharmakotherapie mit Analoga zu gastrointestinalen Hormonen Menschen mit ausgeprgter Adipositas langfristig helfen, berichteten Experten auf dem 60. Deutschen Kongress fr Endokrinologie in Wrzburg.

Die Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland ist mit einem Body-Mass-Index (BMI) von ber 25 kg/m2 bergewichtig, ein Viertel mit einem BMI von ber 30 kg/m2 sogar fettleibig. Fettleibigkeit gefhrdet zunehmend die Gesundheit der Bevlkerung. "Adipositas kann zu schweren Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Fettleber und Bluthochdruck fhren", berichtet Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE. Fettleibige leiden hufiger an Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz, Depressionen, Gelenkerkrankungen, obstruktiver Schlafapnoe und einigen Krebsarten. "Zudem sterben sie frher. Bei einem BMI von ber 40 sind es zwlf Jahre", warnt Weber, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie der Universittsmedizin Mainz.

Heute wei man, dass die konservative Adipositas-Therapie langfristig selten erfolgreich ist. Professor Dr. med. Matthias Blher, Leiter der Adipositas-Ambulanz fr Erwachsene an der Universittsmedizin Leipzig, erklrt: "Es besteht kein Zweifel daran, dass Adipositas im Wesentlichen durch hyperkalorische Ernhrung und Bewegungsmangel entsteht." Doch das Konzept "weniger essen und mehr bewegen" ist langfristig meist nicht erfolgreich, wenn man sich den Effekt der Therapie nach einem lngeren Zeitraum ansieht. Die Patienten, die ihren Lebensstil ndern, nehmen im ersten halben Jahr etwa zehn Prozent ihres Krpergewichtes ab und dann in den folgenden sechs Monaten wieder zu. Nach einem Jahr bleibt so dauerhaft ein Gewichtsverlust von zwei Prozent. Bei der medikamentsen Therapie mit Tabletten, bei der das Hungergefhl gedmpft oder die Nahrungsaufnahme im Magen-Darm-Trakt gehemmt wird, sieht es etwas besser aus, aber auch hier nehmen die Menschen erst ab und dann wieder zu. Nach zwlf Monaten haben sie dauerhaft nur etwa acht Prozent Gewicht reduziert. Die Herausforderung ist also: nicht nur abnehmen, sondern das niedrigere Gewicht auch langfristig halten.

"Nur von der bariatrischen Chirurgie, also der Magenverkleinerung, dem Magenband oder dem Magenbypass, wissen wir derzeit verlsslich, dass das Gewicht dauerhaft reduziert werden kann", betont Blher. Zu einem langfristigen Therapieerfolg nach der Adipositas-Chirurgie gehre allerdings auch ein multimodales Therapiekonzept zur optimalen Vorbereitung und eine strukturierte Langzeitnachsorge.

Hoffnungen setzt der Adipositas-Experte auf neue Medikamente aus der Gruppe der Inkretin-Analoga. Aufbauend auf vielversprechenden Daten, vor allem von Partnern des Deutschen Zentrums fr Diabetesforschung (Professor Dr. med. Matthias Tschp), sollen zuknftig Molekle eingesetzt werden, die gewichtsreduzierende Effekte von Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) mit denen von Glucagon und glukoseabhngigem insulinotropen Polypeptide (GIP) kombinieren. Die als Spritze verabreichten Substanzen ahmen die Wirkung des Darmhormons GLP-1 nach. Dieses regt die Insulinfreisetzung an, verzgert die Magenentleerung, fhrt zu einem frheren Sttigungsgefhl und dmpft den Appetit. "Inkretin-Analoga, wie zum Beispiel Liraglutid, werden jetzt bereits erfolgreich bei Menschen mit Typ-2-Diabetes eingesetzt. Wir kennen bereits die gewichtsreduzierende Wirkung", fhrt Blher aus. Aus Tierversuchen wissen die Experten zudem, dass die Effekte dieser Therapie mit denen der Chirurgie vergleichbar sein knnten. Professor Blher hofft, dass in den nchsten Jahren weitere Mittel hinzukommen: "Der kombinierte Einsatz knnte zu einer deutlich strkeren Gewichtsreduktion fhren und eine Operation dann in vielen Fllen unntig machen."

Literatur

  • Sjstrm L et al. Swedish Obese Subjects Study Scientific Group. Lifestyle, diabetes, and cardiovascular risk factors 10 years after bariatric surgery. N Engl J Med. 2004 Dec 23;351(26):2683-93.

  • Pi-Sunyer X et al. SCALE Obesity and Prediabetes NN8022-1839 Study Group. A Randomized, Controlled Trial of 3.0 mg of Liraglutide in Weight Management. N Engl J Med. 2015 Jul 2;373(1):11-22.

  • Look AHEAD Research Group., Wing RR et al. Cardiovascular effects of intensive lifestyle intervention in type 2 diabetes. N Engl J Med. 2013 Jul 11;369(2):145-54.

zuletzt bearbeitet: 29.03.2017 nach oben

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