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Ärzteschaft will Digitalisierung des Gesundheitswesens mitgestalten

Pressemitteilung: Bundesärztekammer (BÄK)

Unter anderem bei Typ-2-Diabetes haben sich E-Health-Innovationen bewährt

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens entwickelt sich rasant und berhrt viele Kernbereiche des rztlichen Berufsbilds. Sie hat das Potenzial, sowohl die Prozesse als auch grundstzliche Prinzipien der gesundheitlichen Versorgung zu verndern. Der 120. Deutsche rztetag in Freiburg hat sich intensiv mit den Chancen und Risiken der neuen technischen Mglichkeiten beschftigt und keinen Zweifel daran gelassen, dass die rzteschaft die Vernderungsprozesse aktiv mitgestalten will. Notwendig sei eine Digitalisierungsstrategie, die unter anderem ethische Grundlagen zum Umgang mit neuem Wissen und Methoden schafft, die Rolle digitaler Methoden in der Gesundheitsversorgung sowie Grundstze des Datenschutzes definiert und Antworten auf offene Finanzierungsfragen bietet.

Gte-Siegel fr Gesundheits-Apps

Die Delegierten forderten die Einfhrung eines bundeseinheitlichen Gtesiegels von sogenannten Gesundheits-Apps, das zum Schutz der Patienten Datensicherheit und Datenzuverlssigkeit gewhrleisten soll. Notwendig seien zudem standardisierte Verfahren zur Bewertung neuer digitaler Anwendungen. Digitale Gesundheitsanwendungen sollten analysiert und im Hinblick auf Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und medizinische Qualitt bewertet werden. Dadurch solle eine transparente und unabhngige Positivliste ber tatschlich fr Patienten und rzte sinnvolle digitale Anwendungen geschaffen werden. Die Einfhrung von digitalen Anwendungen, wie zum Beispiel einer sektorenbergreifenden elektronischen Patientenakte, bietet nach Einschtzung des rztetages Chancen zur Verbesserung der Patientenversorgung. Notwendig sei aber, dass die Einfhrung und Nutzung solcher Anwendungen kontinuierlich wissenschaftlich untersucht und begleitet wird. Auch msse der Gesetzgeber sicherstellen, dass die Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Praxisverwaltungs- und Krankenhausinformationssystemen fr die Verarbeitung und Nutzung der gesetzlich festgelegten Anwendungen elektronischer Medikationsplan, Notfalldatensatz und elektronische Patientenakte gewhrleistet ist.

Dr. Franz Bartmann, Vorstandsmitglied der Bundesrztekammer (BK) und Vorsitzender des Telematikausschusses der BK, zeigte sich berzeugt, dass sich die Rolle der rzte hin zu einer weiteren Strkung der Patientenposition wandeln wird. "Wenn rztinnen und rzte diese neue Rolle annehmen, werden sie trotz und gerade wegen der zu erwartenden gravierenden technischen Vernderungen fr eine gute Patientenversorgung unverzichtbar bleiben." Die Delegierten begrten grundstzlich die Mglichkeiten digitaler Anwendungen. Digitalisierung drfe jedoch nicht zu noch mehr Brokratie in Klinik und Praxis fhren. Der Aufbau der Telematikinfrastruktur sowie der Anschluss von Praxen und Kliniken sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die aus Steuermitteln finanziert werden msse.

Vielfltige Mglichkeiten der Fernbehandlung

Auch beim Thema Fernbehandlungen tut sich einiges. Anders als oftmals vermutet, ist sie keinesfalls durch das rztliche Berufsrecht generell verboten. Vielmehr ist ein sehr weites Spektrum telemedizinischer Versorgung von Bestandspatienten mit der rztlichen Berufsordnung vereinbar. In Baden-Wrttemberg erprobt die Landesrztekammer in einem Modellprojekt die rztliche Behandlung ausschlielich ber Kommunikationsnetze, ohne dass im Vorfeld ein direkter Arzt-Patienten-Kontakt stattgefunden haben muss. Dr. Ulrich Clever, Prsident der Landesrztekammer Baden-Wrttemberg, berichtete vor dem Deutschen rztetag ber die neu geschaffenen Mglichkeiten. Demnach ermglicht das Modell beispielsweise die Anamnese und Befunderhebung per Telefon. "Wir wollen fr unsere Patienten eine moderne und allzeit verfgbare Methode der Kontaktaufnahme, der Beratung, der medizinischen und therapeutischen Hilfe schaffen", sagte Clever. Mehrere Modellprojekte seien in der Pipeline und wrden von der Landesrztekammer geprft. Ein Kriterienkatalog der Landesrztekammer soll dabei die Einhaltung von medizinischen Standards sowie von Datenschutz- und Qualittsanforderungen sicherstellen.

Der Deutsche rztetag hat die Durchfhrung von Modellprojekten zur Fernbehandlung begrt und die Bundesrztekammer aufgefordert zu prfen, ob die (Muster)Berufsordnung fr rzte um einen Zusatz ergnzt werden kann, nach dem die rztekammern in besonderen Einzelfllen Ausnahmen fr definierte Projekte mit wissenschaftlicher Evaluation zulassen knnen. Dabei msse aber sichergestellt sein, dass berufsrechtliche Belange nicht beeintrchtigt werden.

Digitale Angebote in Regelversorgung berfhren

Die Delegierten des rztetages forderten, digitalisierte Versorgungsangebote in die Regelversorgung zu berfhren. "Hierbei bieten sich insbesondere telemedizinische Leistungen an, die sich bereits bewhrt haben, wie im Fall von chronischer Herzinsuffizienz, Schlaganfllen oder Diabetes mellitus Typ II", heit es in einer Entschlieung des rzteparlaments. Dringend notwendig seien zudem einheitliche und verbindliche Marktzugangsregeln fr E-Health-Innovationen, die die Dynamik in diesem Markt widerspiegeln und Deutschland als Standort fr E-Health-Lsungen strken. Hierfr seien auch verbindliche Verfahren zur Zertifizierung neuer Digitaler Anwendungen zu schaffen.

zuletzt bearbeitet: 04.06.2017 nach oben

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