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Pläne des Landwirtschaftsministers zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz

Deutsche Diabetes Gesellschaft kritisiert Schmidts Reduktionsstrategie als "völlig unverbindlich"

Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland Das Bundesministerium fr Ernhrung und Landwirtschaft (BMEL) hat einen Entwurf zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten vorgelegt, um dem zunehmenden bergewicht und den damit verbundenen Lebensstilkrankheiten vorzubeugen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) wurde aufgefordert, zu den Plnen Stellung zu nehmen. In ihrem Schreiben an das BMEL bemngelt die Fachgesellschaft das Fehlen verbindlicher Regeln. "Die geplante Reduktionsstrategie des BMEL bleibt vllig unverbindlich, sie gibt weder Ziele noch Grenzwerte vor, sie wird ins Leere laufen", kritisiert DDG Prsident Professor Dr. med. Dirk Mller-Wieland.

Die Kritik der DDG an der geplanten "Nationalen Strategie fr die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten", wie der Entwurf des BMEL berschrieben ist, setzt an mehreren Punkten an. So fokussieren die Plne von Minister Christian Schmidt vor allem eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft, Produktrezepturen neu zu formulieren und auf diese Weise die Gehalte an Zucker, Fett und Salz zu reduzieren. Dazu schreibt die DDG: "Es fehlen jedoch hierzu verbindliche Regeln, wie das kontrolliert und im Falle von Missachtung auch sanktioniert werden soll." Die Erfahrungen mit Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, stellt die DDG weiter fest, htten in der Vergangenheit eher enttuschende Ergebnisse erbracht. Beispielsweise sei der EU Pledge, also die freiwillige Selbstverpflichtung, keine Werbung fr Nahrungsmittel und Getrnke an Kinder unter zwlf Jahren in TV, Print sowie dem Internet zu richten, wirkungslos geblieben.

hnliches gelte fr freiwillige Angebote zur Gesundheitsfrderung. Zahlreiche Initiativen wie das "Nationale Gesundheitsziel 'Diabetes Typ 2 - Erkrankungsrisiko senken'", die zwischen 2003 und 2016 ins Leben gerufen worden sind, wren ins Leere gelaufen, schreibt die DDG weiter. Dies zeige sich an dem steten Fortschreiten der Nichtbertragbaren Krankheiten wie Diabetes, Krebs und Herzkreislaufleiden. "Der Grund ist, dass wir mit den Angeboten zur Gesundheitsfrderung vor allem die ohnehin Gesundheitsbewussten erreichen, whrend die nicht so gesundheitsbewussten rmeren und bildungsfernen Schichten, die berproportional von den Lebensstilkrankheiten betroffen sind, damit nicht erreicht werden", stellt Dr. Dietrich Garlichs fest, Beauftragter des DDG Vorstands. Studien belegen, dass die wirtschaftlich Schwchsten zwanzig Prozent der Gesellschaft etwa zehn Jahre krzer als die wirtschaftlich Strksten leben. rmere und bildungsferne Schichten sind drei Mal so hufig von bergewicht und Adipositas betroffen.

Die DDG fordert in ihrer Stellungnahme an das BMEL daher, wirksame Manahmen verbindlich zu verankern. "Diese werden im vorliegenden Textentwurf jedoch nur eingeschrnkt als mgliche Absichtserklrungen formuliert", kritisiert Garlichs. "Dadurch wird der klar formulierte Willen zur konsequenten Umsetzung nachhaltiger Manahmen verwssert." Die DDG setzt sich fr folgende Manahmen ein:

"Nur durch Hinzunahme dieser Manahmen wird es uns gelingen, die Adipositaswelle und andere nichtbertragbare Krankheiten wie Herz/Kreislauferkrankungen, Diabetes und verschiedene Krebserkrankungen zu stoppen", schreibt die DDG in ihrer Stellungnahme an das BMEL.

Mit Verwunderung hat die DDG in diesem Zusammenhang die uerungen des Spitzenverbandes der Lebensmittelwirtschaft, des Bundes fr Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V., zum BMEL-Entwurf zur Kenntnis genommen. ?Was wir verlieren sind nicht Kilos, sondern Kulturgter. Die Plne des Ministers bedeuten das Aus fr traditionelle 'Berliner' zu Karneval oder die Salzbrezel im Biergarten", schreibt der BLL. "Das ist fast comedyreif", meint Garlichs. "Hier geht es nicht um Kulturgter, sondern um das hohe Gut der Gesundheit."

Der BMEL-Entwurf "Nationale Strategie fr die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten" soll im Juli ins Kabinett eingebracht werden.

Den vollstndigen Wortlaut der DDG Stellungnahme finden Sie hier.

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Dirk Mller-Wieland
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 03.07.2017 nach oben

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