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Insulin verändert im Gehirn die Bewertung von Essensreizen

UKE-Wissenschaftler belegen Wirkung

Erstmals haben Wissenschaftler eine direkt Wirkung von Insulin auf das neuronale Belohnungssystem im menschlichen Gehirn nachgewiesen. In einer Studie fanden Neurowissenschaftler des Universittsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) heraus, dass Insulin die Bewertung von Essensreizen verndert. Zugleich konnten sie zeigen, wie sich diese Wirkung bei bergewichtigen Menschen mit Insulinresistenz verndert. Darber berichten sie in der aktuellen Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift Nature Communications.

"Im Normalfall reduziert Insulin im Gehirn den Belohnungswert insbesondere hochkalorischer Nahrungsmittel und somit die Gefahr des beressens?, erklrt die Studienleiterin Priv.-Doz. Dr. Stefanie Brassen vom Institut fr Systemische Neurowissenschaften des UKE. "Die Hauptergebnisse unserer Studie zeigen, dass Insulin im Gehirn bei Probanden mit normaler Insulin-Sensitivitt die Prferenz von Nahrungsmitteln deutlich reduziert und das sogenannte Belohnungssystem hemmt." Bei Studienteilnehmern mit Insulin-Resistenz hat sich dagegen keiner dieser Effekte gezeigt. Insulin-Resistenz ist daher fr die Ausprgung von krankhaftem Essverhalten bereits bei nicht-diabetischen, jedoch bergewichtigen Menschen von Bedeutung. In nachfolgenden Studien wollen Dr. Brassen und ihre Mitarbeiter nun untersuchen, wie sich die Gewichtsabnahme nach einer dreimonatigen Dit auf die Wirkung des Insulins im Gehirn auswirkt.

Insulin per Nasenspray direkt ins Hirn

An der Studie nahmen 48 normal- und bergewichtige Probanden teil. Ihnen wurde zunchst - jeweils in Form eines Nasensprays - Insulin und an einem weiteren Tag ein Placebo verabreicht. "Durch diese intranasale Insulinapplikation und damit der Umgehung der Blut-Hirn-Schranke konnten wir sicherstellen, dass dieses Insulin auch im Gehirn ankommt", erklrt Dr. Brassen. Anschlieend mussten alle Teilnehmer Bilder von Lebensmitteln (zum Beispiel Schokoladenriegel) und Gegenstnden (zum Beispiel Schmuck) hinsichtlich ihrer persnlichen Vorlieben bewerten. Whrend sie das taten, beobachteten die Forscher ihre Hirnaktivitten mithilfe der funktionellen Kernspintomografie (fMRT).

Sonderforschungsbereich zu Ernhrungsverhalten

Als "Sttigungshormon" wird Insulin von der Bauchspeicheldrse produziert und nach dem Essen ins Blut abgegeben. Dort fhrt es im Normalfall zum Abbau des durch die Nahrungsaufnahme gestiegenen Zuckerspiegels. Bei bergewicht, Adipositas und Diabetes ist diese Wirkung aufgrund zunehmender Insulinresistenz vermindert. Laborstudien konnten zeigen, dass Insulin auch im Gehirn in Strukturen des Belohnungssystems, insbesondere im sogenannten Nucleus Accumbens, wirkt. Beim Menschen konnte diese Wirkung bis zur Studie der UKE-Neurowissenschaftler noch nicht nachgewiesen werden. Die Studie wurde als Projekt des transregionalen Sonderforschungsbereichs TR-SFB 134 "Ingestive Behaviour: Homeostasis and Reward" von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.

Literatur: Tiedemann L. et al. Central insulin modulates food valuation via mesolimbic pathways. Nature Communications (2017) DOI: 10.1038/ncomms16052

zuletzt bearbeitet: 20.07.2017 nach oben

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