Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2017 > 171220

Bei frühem Mukoviszidose-Diabetes reichen Tabletten

Ergebnisse von groß angelegter Diabetes-Studie in renommierten Fachjournal veröffentlicht

Rund die Hlfte aller Mukoviszidose-Betroffenen erkrankt im Lauf ihres Lebens an einem sogenannten CF-Diabetes (CF - Cystische Fibrose, Mukoviszidose). Die Therapie der Wahl ist dann hufig das Spritzen von Insulin. Eine gro angelegte Langzeitstudie konnte zeigen, dass bei einem frhen CF-Diabetes Repaglinid-Tabletten genauso wirksam sind wie das Spritzen von Insulin. Der Mukoviszidose e.V. hatte die Studie mit 600.000 Euro untersttzt. Die Mukoviszidose Institut gGmbH, eine hundertprozentige Tochter des Vereins, hatte als Sponsor die Verantwortung fr die klinische Prfung bernommen. Die Ergebnisse der Studie sind krzlich im renommierten Fachjournal "Lancet Journal of Diabetes and Endocrinology" verffentlicht worden.

"Ziel der Studie zum Mukoviszidose-Diabetes war es, die Therapielast der Patienten erheblich zu reduzieren", sagt Dr. Miriam Schlangen, Mitglied der Geschftsfhrung des Mukoviszidose e.V. und Leiterin der Mukoviszidose Institut gGmbH. Denn Betroffene mssen zahlreiche Tabletten nehmen, regelmig inhalieren und Physiotherapie machen und auch auf einen gesunden Ernhrungsstatus achten. Besonders in der Pubertt ist es fr viele Patienten schwierig, dieses hohe Pensum durchzuhalten. "Aber gerade in dieser Zeit erkranken viele Betroffene zustzlich an Diabetes", sagt Schlangen. Denn der zhe Schleim, der bei Mukoviszidose in den Krperzellen entsteht, schdigt auch die Bauchspeicheldrse. Insgesamt erkrankt jeder zweite Mukoviszidose-Patient an dem sogenannten CF-Diabetes. Bei Mukoviszidose ist allerdings eine Dit, wie sie Patienten mit Diabetes Typ 2 empfohlen wird, nicht sinnvoll. Denn Mukoviszidose-Betroffen haben einen besonders hohen Kalorienbedarf. Daher ist fr sie das Spritzen von Insulin die Therapie der Wahl.

Langzeitstudie untersuchte Therapie des CF-Diabetes

Statt mehrfach tglich Insulin zu spritzen, reicht beim frhen CF-Diabetes aber auch eine Therapie in Tablettenform (Repaglinid). Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie zum CF-Diabetes, die von 2001 bis 2011 an 49 Mukoviszidose-Zentren in sterreich, Frankreich, Italien und Deutschland durchgefhrt worden war. In der randomisierten, kontrollierten klinischen Studie wurden zunchst 1.000 Mukoviszidose-Patienten im Alter ab zehn Jahren auf einen CF-Diabetes gescreent. Wurde ein Diabetes erkannt, wurde der Patient zufllig einer Behandlungsgruppe zugewiesen: Entweder musste er mehrfach tglich Insulin spritzen oder Repaglinid in Tablettenform nehmen.

Von 1.000 gescreenten Patienten willigten letztlich 75 Patienten mit frhem Mukoviszidose-Diabetes ein, an der Studie teilzunehmen. 34 Patienten erhielten Repaglinid als Therapie, 41 spritzten Insulin. Die Patienten wurden zwei Jahre lang berwacht: Weder nach einem noch nach zwei Jahren Behandlung in der entsprechenden Gruppe konnte ein signifikanter Unterschied im Blutzuckerspiegel (HbA1c-Wert) gemessen werden. Ebenso war die Anzahl der Nebenwirkungen in beiden Gruppen etwa gleich. Und auch bei der Lungenfunktion und beim Ernhrungsstatus zeigten sich keine Unterschiede. "Dank der Untersttzung des Mukoviszidose e.V., vieler CF-Ambulanzen und der teilnehmenden Patienten konnten wir zeigen, dass ohne Verlust an Sicherheit oder Wirksamkeit eine Behandlung des CF-Diabetes mit Tabletten fr mehrere Jahre ein gangbarer Weg ist. Fr Menschen mit Mukoviszidose und zustzlich noch CF-Diabetes knnen wir die Therapielast verantwortlich senken", sagt Professor Manfred Ballmann, der Leiter der CF-Diabetes-Studie.

Finanzierung

Die Studie wurde vom Mukoviszidose e.V. mit 600.000 Euro untersttzt. An der Finanzierung beteiligt waren auerdem internationale Mukoviszidose-Organisationen wie Vaincre la Mucoviscidose (Frankreich) oder ABCF Association (Frankreich) sowie Gesundheitsunternehmen wie Novo Nordisk.

Hintergrund-Informationen

ber Mukoviszidose

In Deutschland sind bis zu 8.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose betroffen. Durch eine Strung des Salz- und Wasserhaushalts im Krper bildet sich bei Mukoviszidose-Betroffenen ein zhflssiges Sekret, das Organe wie die Lunge und die Bauchspeicheldrse irreparabel schdigt. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 150 bis 200 Kinder mit der seltenen Krankheit geboren.

ber den Mukoviszidose e.V.

Der Mukoviszidose e.V. vernetzt die Patienten, ihre Angehrigen, rzte, Therapeuten und Forscher. Er bndelt unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen sowie Perspektiven mit dem Ziel, jedem Betroffenen ein mglichst selbstbestimmtes Leben mit Mukoviszidose ermglichen zu knnen. Damit die gemeinsamen Aufgaben und Ziele erreicht werden, ist der gemeinntzige Verein auf die Untersttzung engagierter Spender und Frderer angewiesen. Die Mukoviszidose Institut gGmbH ist eine hundertprozentige Tochter des Mukoviszidose e.V.

zuletzt bearbeitet: 20.12.2017 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Lasar Liepins

Lasar Liepins

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.