Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2017 > 171226

Neue US-Bluthochdruck-Leitlinien

Pressemitteilung: Deutsche Herzstiftung e.V.

Wie tief soll der Blutdruck in Deutschland gesenkt werden?

Bei gut eingestelltem Blutdruck kein zusätzlicher Handlungsbedarf

Prof. Dr. Heribert Schunkert
Zum Vergrern bitte auf das Bild klicken.
Seit die amerikanische Fachgesellschaft fr Kardiologie (AHA) und das American College of Cardiology (ACC) die Grenzwerte fr Bluthochdruck neu definiert und von 140/90 mmHg auf 130/80 mmHg herabgesetzt haben, stellt sich die Frage, ob wir die neuen Grenzwerte fr Bluthochdruck bernehmen mssen. "Bei genauem Hinsehen werden die Unterschiede zwischen den neuen US-Grenzwerten und dem jetzigen Vorgehen in Deutschland geringer. Schon heute sollten Menschen mit einem Blutdruck ber 140/90 mmHg medikaments behandelt werden, wenn eine Lebensstilnderung den Blutdruck nicht ausreichend senkt. Fr diese Gruppe ndert sich also nichts, weder in Deutschland noch in den USA", betont Herzspezialist Prof. Dr. med. Heribert Schunkert vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Klinikdirektor und stv. rztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Mnchen.

Die optimale Einstellung des Blutdrucks ist wichtig, weil ein nicht oder nicht ausreichend behandelter Bluthochdruck das Risiko fr Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwche deutlich erhht. Zum Tragen komme die neue US-Definition bei den Werten 130/80 bis 139/89 mmHg: "In Amerika hat man nun mit diesen Werten einen Bluthochdruck, wohingegen man in Deutschland von einem hoch-normalen Bluthochdruck spricht. In jedem Fall sollte man bei diesen Blutdruckwerten einen gesunden Lebenswandel fhren: So sollte das Gewicht optimal und die Ernhrung salzarm und reich an Gemse und Obst sein, wie sie die Mittelmeerkche propagiert. Auch sollte fr ausreichend viel Bewegung gesorgt und der Stress reduziert werden." All diese Empfehlungen gelten fr beide Seiten des Atlantiks, also gleichermaen mit der alten und der neuen Definition.

Bei welchen Blutdruckwerten sind Medikamente einzunehmen?

Klassifikation des in der Arztpraxis gemessenen Blutdrucks
Zum Vergrern bitte auf das Bild klicken.
Nur wenn schon eine Herzerkrankung vorliegt oder ein Schlaganfall aufgetreten war, wird mit der neuen US-Definition eine medikamentse Behandlung der Blutdruckwerte von 130/80 mmHg und darber empfohlen. Schunkert zufolge ist diese Empfehlung nicht ganz neu, weil Studien bereits in der Vergangenheit gezeigt htten, dass Menschen mit hohem Risiko fr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z. B. nach einem Herzinfarkt, von der Einnahme eines ACE-Hemmers profitieren, wenn der Blutdruck in diesem Bereich liegt. "Auch diese Empfehlung gilt schon heute, wenn auch nur fr relativ wenige Patienten. Insgesamt betrachtet unterscheiden sich unsere aktuellen nicht so sehr von den neuen US-Empfehlungen." So soll auch nach den Verlautbarungen der AHA lngst nicht jeder Patient mit Blutdruckwerten von 130/80 bis 139/89 mmHg ein Medikament einnehmen. "Nur wenn das kardiovaskulre Risiko bei diesen Werten sehr hoch ist und die Lebensstilmanahmen zur Blutdrucksenkung keinen Erfolg hatten, fhrt der Weg an der medikamentsen Blutdrucksenkung in Amerika nicht vorbei."

SPRINT-Studie war Basis der neuen US-Bluthochdruck-Definition

Die US-Fachgesellschaften sttzen ihre neuen Empfehlungen ganz wesentlich auf die in Fachkreisen viel diskutierte SPRINT-Studie (2015), die gezeigt hat, dass bei Hochrisiko-Patienten bei niedrigeren Blutdruckwerten (um die 120 mmHg fr den oberen Wert) langfristig bessere Ergebnisse erzielt werden. So konnte in dieser Studie bei einer erfolgreichen Blutdrucksenkung in diesen Bereich langfristig die Wahrscheinlichkeit fr einen Schlaganfall oder gar ein Todesereignis gesenkt werden. Allerdings sind die besonderen Bedingungen der Blutdruckmessungen in der SPRINT-Studie zu beachten: die Patienten wurden in einem Raum fr 10-15 Minuten alleine gelassen, bevor eine automatische Blutdruckmessung die Werte erhoben hat. So wurde verhindert, dass durch Stress oder krperliche Anstrengung hhere Werte gemessen werden. "Dadurch haben die Werte in der neuen amerikanischen Definition nur bei optimaler Blutdruckmessung Geltung, so wie sie bei der SPRINT-Studie praktiziert wurde", betont Prof. Schunkert.

"Umgekehrt mssen deshalb bei einer Messung vom Hausarzt in etwa 5-10 mmHg abgezogen werden, um auf das vergleichbare Niveau der amerikanischen Leitlinien zu kommen." (Siehe dazu die Tabelle zur Blutdruckmessung in der Arztpraxis).

Bezieht man die unterschiedlichen Messmethoden fr den Blutdruck mit in die Betrachtung ein, werden die Unterschiede zwischen den amerikanischen und europischen Empfehlungen noch geringer. "Augenblicklich besteht bei einem gut eingestellten Blutdruck kein zustzlicher Handlungsbedarf. Die US-Leitlinien erinnern jedoch daran, wie wichtig es ist, den Bluthochdruck als Risikofaktor ernst zu nehmen und konsequent zu behandeln."

Kardiologen raten zum Blutdruck-Pass

Der kostenfreie Blutdruck-Pass der Herzstiftung kann unter www.herzstiftung.de/Blutdruckpass.html - per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de oder telefonisch unter 069 955128-400 angefordert werden.

Quellen

  • Whelton PK et al, 2017 High Blood Pressure Clinical Practice Guideline, Hypertension.2017
  • Randomized Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control, NEJM, Nov. 2015

Bildunterschrift: Prof. Dr. Heribert Schunkert, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung, Klinikdirektor und stellv. rztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Mnchen.
Bildunterschrift 2: Klassifikation des in der Arztpraxis gemessenen Blutdrucks (mmHg) Bildquelle: Deutsche Herzstiftung e.V.
Foto Bild 1: Jrg Mller

zuletzt bearbeitet: 26.12.2017 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Professor Dr. Peter Bottermann

Prof. Peter Bottermann

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.